Nemitz, Anna

Geschichte: Personen L-Z

Anna Nemitz

Porträt Anna Nemitz
 

Anna Franziska Nemitz,   
geb. am  03.01.1873 in Bromberg (Bydgoszcz),
gestorben am 6.10.1962 in Berlin. 

Anna Nemitz, als Anna Voigt am 3. Januar 1873 im damaligen Bromberg geboren, hat die Geschichte der SPD wesentlich mitgeprägt.
Im Alter von 20 Jahren trat  sie,  einer kinderreichen Arbeiterfamilie entstammend, 1893 in die SPD ein, engagierte sich vor allem auch für die Rechte der Frauen, deren politischer Betätigung noch enge Grenzen gesetzt waren. Gemeinsam mit ihrem Mann, der wegen des politischen Engagements der beiden auf der schwarzen Liste der Arbeitgeber landete, zog sie schließlich ins Ruhrgebiet um. 1908 wurde sie dort - als erste Frau - Mitglied im Kreisvorstand der SPD Bochum.
Von 1911 an lebte sie  in Berlin. 1918 gehörte sie als einzige Frau dem Arbeiter- und Soldatenrat Charlottenburg an. Zwischen 1917 und 1922 engagierte sie  sich in  der USPD, die letzten drei Jahre auch im
Parteivorstand. Von 1922 bis 1933 war sie Mitglied des Parteivorstands der SPD und des Hauptausschusses der Arbeiterwohlfahrt. 13 Jahre - bis 1933 - wirkte Anna Nemitz, die nach der Volksschule als Dienstmädchen und Schneiderin gearbeitet hatte, als Reichstagsabgeordnete für die Sozialdemokratie.
Mut bewies sie auch in der Nazizeit: Versteckt unter einem Kohlenhaufen im Heizungskeller ihres Hauses in Köpenick bewahrte Anna Nemitz den umfangreichen Nachlass des sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten und Lebensgefährten ihrer Tochter Elfriede, Julius Moses auf, der 1942 als 74jähriger von den Nazis nach Theresienstadt deportiert wurde und dort umkam.
1945 gehörte Anna Nemitz zu den Mitbegründerinnen der SPD in Köpenick. 1946 wurde sie Mitglied des Berliner Landesparlaments und blieb es bis 1954. Zu ihrem 80. Geburtstag 1953 wurde ihr vom damaligen Regierenden Bürgermeister Ernst Reuter die Würde der Stadtältesten verliehen.
Als sie 1962 wenige Monate vor ihrem 90. Geburtstag am 6. Oktober starb, trennte die Mauer die beiden Stadthälften. Im Krematorium Baumschulenweg im Ostteil der Stadt fand unter großer Anteilnahme die Einäscherung statt, erst am 12. November aber waren alle Formalien erfüllt, um ihre Beisetzung in West-Berlin auf dem Zehlendorfer Waldfriedhof zu ermöglichen. Die Trauerrede hielt Willy Brandt.              U.H.

 
Grabstein für Anna Nemitz

Grabstein für Anna und Elfriede Nemitz auf dem Waldfriedhof Zehlendorf (Feld 027/92, Ehrengrab). Foto: Hübner