Nadig, Friederike (Frieda)

Geschichte: Personen L-Z

Friederike (Frieda) Nadig

Friederike Nadig wurde 1897 geboren und schloss sich bereits mit 16 Jahren dem Arbeiterjugendbund, drei Jahre später der SPD an. Nachdem sie zunächst den Beruf der Verkäuferin erlernt hatte, absolvierte sie nach dem Ersten Weltkrieg die richtungsweisende, 1908 von Alice Salomon gegründete "Soziale Frauenschule" in Berlin und machte 1922 das Examen der Wohlfahrtspflegerin. Anschließend war sie als Fürsorgerin tätig.
Das schon in jungen Jahren ausgeprägte politische Bewusstsein und Interesse führte Friederike Nadig von 1930 bis 1933 als Mandatsträgerin in den Westfälischen Provinziallandtag. Als "bekenntnistreue Sozialistin" wurde sie im März 1933 aus ihrer Tätigkeit beim Jugendamt entlassen und schließlich gezwungen, sich aus ihrer beruflichen und politischen Tätigkeit vollends zu verabschieden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges veränderte sie sich beruflich und wurde Geschäftsführerin der neugegründeten "Arbeiterwohlfahrt" im Bezirk Ostwestfalen. Die unverheiratete Friederike Nadig setzte ihr politisches Engagement für die SPD fort und wurde 1947 Mitglied des Nordrhein-Westfälischen Landtages. 1949 zog sie dann in den Bundestag ein und war drei Legislaturperioden bis 1961 als Abgeordnete tätig. Ihre Beiträge dort konzentrierten sich fast ausschließlich auf die Durchsetzung der Gleichberechtigung im Ehe- und Familienrecht. Friederike Nadig starb am 14. August 1970 in ihrer Geburtsstadt Herford.

Auch Friederike Nadig gehörte als eine der vier Mütter des Grundgesetzes dem am 1. September 1948 ins Leben gerufenen Parlamentarischen Rat an. Aufgabe dieser verfassungsgebenden Versammlung war es - unter Berücksichtigung der vom Sach-verständigenausschuss für Verfassungsfragen zuvor ausgearbeiteten Richtlinien für ein Grundgesetz ("Herrenchiemsee-Entwurf", nach dem Ort der Tagung benannt; Frauen waren dort nicht beteiligt) - eine demokratische und föderalistische Verfas-sung zu erarbeiten. Dem Parlamentarischen Rat gehörten 65 stimmberechtigte Mit-glieder an. Neben Friederike Nadig waren noch drei weitere Frauen in den Rat ent-sandt worden: die ungleich bekanntere Elisabeth Selbert (SPD), Helene Weber (CDU) und Helene Wessel (Zentrum). Nadig´s Argument - auch gegen Helene Weber und Helene Wessel, die auf keinen Fall eine schematische Gleichstellung und Gleichberechtigung anstrebten, sondern den "Eigenwert" der Frau bewahrt haben wollten, war vor allem, dass das Grundgesetz den Willen der Frauen, die zu dieser Zeit die überwiegende Mehrheit der Staatsbürger bildeten, widerspiegeln müsse. Bis zur Schlusssitzung des Rates am 23. Mai 1949 bedurfte es großer Anstrengungen, dass es am Ende in Artikel 3 Abs.2 GG hieß: "Männer und Frauen sind gleichberechtigt."