Momper, Walter

Geschichte: Personen L-Z

Walter Momper

Walter Momper
 

Von Bremen nach Berlin

Er liebt Berlin. Hier liegen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft so dicht beieinander wie nirgendwo sonst. Seit mehr als 30 Jahren lebt er in der Stadt mit den vielen unterschiedlichen Kiezen, mit dem überragenden Kulturangebot, in das er abends mit Ehefrau Anne immer wieder gerne eintaucht. In den Theatern und kleinen Galerien kennt man ihn genauso wie in seinem Kreuzberger Kiez. Zwei spannende Jahre lang hat er diese Stadt schon einmal regiert.

Aber natürlich hat auch ein Politiker wie Walter Momper klein angefangen - in Sulingen bei Hannover wird er am 21. Februar 1945 geboren, ein "Luftkriegskind", wie er selbst sagt. Die Eltern sind beide gelernte Restaurantköche - daher kommt wohl die Neigung zu gutem Essen. Die Schulzeit verbringt er in Bremen. Und ein wenig Zeit auch im Bremer Freihafen. Ein paar verschwundene Apfelsinen tragen ihm dort ein Hafenverbot ein. Das wird feierlich aufgehoben, als der mittlerweile berühmte Sohn der Stadt davon bei einer Ausstellung der Bremischen Häfen in Berlin erzählt. Sein Abitur besteht er am 6. März 1964 in Bremen. Noch im gleichen Jahr beginnt er mit dem Studium: Geschichte, Politikwissenschaften und Volkswirtschaft. Er studiert in Münster, München und schließlich an der Freien Universität Berlin. 1969 macht er hier sein Examen als Diplom-Politologe, ein Jahr lang bleibt er als Assistent am Institut für Politische Wissenschaften. 1970 geht er als Wissenschaftlicher Angestellter zum Geheimen Staatsarchiv der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Von 1972 an arbeitet er 14 Jahre bei der Historischen Kommission zu Berlin, davon zehn Jahre als ihr Geschäftsführer.

Während Eberhard Diepgen und seine CDU Berlin feiern, machen sich die Berlinerinnen und Berliner Sorgen um bezahlbare Wohnungen, um soziale Sicherheit, um ihre Kleingärten und Naherholungsgebiete. Walter Momper, 1988 zum SPD-Spitzenkandidat gewählt, nimmt diese Sorgen ernst, das merken die Menschen, mit denen er auf Straßen und Märkten spricht und denen er zeigt, daß aus der Berliner SPD eine moderne Großstadtpartei geworden ist. Der unerwartete Erfolg nach einem mit Engagement und Witz geführten Wahlkampf: eine rot-grüne Mehrheit. Die Alternative Liste akzeptiert die Grundbedingungen für eine Zusammenarbeit - damit ist der Weg frei für den von Walter Momper zusammengestellten "Frauensenat".

 
Walter Momper
 

Die Umweltkarte für die Berliner Verkehrsbetriebe, die Einführung von Busspuren, ein Gleichstellungsgesetz für Frauen und Männer: Markenzeichen des damaligen Senats, die bislang nichts an Aktualität verloren haben. Zum eigentlichen Markenzeichen aber wird in den Tagen des 9. November 1989 der rote Schal Walter Mompers. Mitten im überfüllten Berlin organisiert Momper den Weg zur Einheit der beiden Stadthälften.

 
Walter Momper mit den drei Stadtkommandanten

Walter Momper mit den drei Stadtkommandanten

 

Die Wahl 1990 beschert der CDU die Mehrheit. Walter Momper führt die Koalitionsverhandlungen mit der CDU. In den Senat der Großen Koalition tritt er nicht ein, er bleibt SPD-Landesvorsitzender. Ein halbes Jahr lang verwandelt er zum Leidwesen von Ehefrau Anne und den Töchtern Alexandra und Friederike die Kreuzberger Wohnung in eine Schriftstellerwerkstatt: In seinem Buch "Grenzfall" berichtet er von der atemberaubenden Zeit der Wiedervereinigung. Seine beruflichen Zukunftspläne in der Baubranche - als Generalbevollmächtigter der Dr. Ellinghaus GmbH - stoßen innerhalb der SPD auf Kritik. Walter Momper tritt 1992 als Landesvorsitzender zurück. Ein Jahr später gründet er seine eigene Firma, die Momper Projektentwicklungsgesellschaft, die Bauprojekte von der Planung bis zur

Fertigstellung betreut.

 
Walter Momper mit US-Präsident Bush

Walter Momper mit US-Präsident Bush

 

 

 

 

 

 

 

Ein Rückzug aus der Politik wird daraus nicht. Als Abgeordneter kümmert er sich um die Wirtschaftspolitik, er leitet weiter den von ihm gegründeten "Gesprächskreis Ostberliner Betriebsräte". 1995 unterliegt er in der SPD-internen Urwahl zur Spitzenkandidatur gegen Ingrid Stahmer. Mit dem Verein "Soziale Demokratie Berlin Brandenburg 2000" initiiert er die notwendigen Debatten um die Zukunft der Stadt, er wird Vorsitzender des Fachausschusses Wirtschaft der Berliner SPD, der mit dem Adlershofer Parteitag ein neues wirtschaftspolitisches Programm entwirft, das Innovation und soziale Gerechtigekit miteinander verbindet. Dabei kommen ihm auch die Erfahrungen und Kontakte zugute, die er inzwischen in der Wirtschaft gesammelt hat. In der Urwahl 1999 setzt sich Walter Momper klar gegen den Fraktionsvorsitzenden Klaus Böger durch. Ein für viele überraschendes Comeback. Als SPD-Spitzenkandidat will er für eine neue Aufbruchstimmung in der Stadt sorgen. "Die modernisierte Berliner SPD ist die Alternative zum Stillstand mit Eberhard Diepgen."

 

 
Walter Momper
 

Sein Wahlkampf fällt in die schwierigste Phase der rot-grünen Koalition auf Bundesebene. Nach der Wahlniederlage 1999 bleibt er wichtiger Ratgeber seiner Partei im Landesvorstand, er leitet den Fachausschuss Wirtschaft und wird zum Vizepräsidenten des Berliner Abgeordnetenhauses gewählt. Im Sommer 2001 zerbricht die Große Koalition. Nach den vorzeitigen Neuwahlen im Jahr 2001, bei denen die Berliner SPD stärkste Partei wird, wird Walter Momper zum Präsidenten des Abgeordnetenhauses gewählt.

Ulrich Horb


Informationen an: Ulrich.Horb@spd.de