Mießner, Gisela

Geschichte: Personen L-Z

Gisela Mießner

geboren am 11.3.1925 in Schivelbein
Volksschule, Zwangsarbeit während der Nazizeit ("Mischling 1. Grades"), nach dem Krieg Arbeit bei der DAG und im Entschädigungsamt.
1. September 1945 Eintritt in die SPD, Mitglied im Lichtenberger Kreisvorstand, Anfang der 50er Jahre Kreisfrauenleiterin Lichtenberg
eine Tochter (Brigitte Mießner)

als Tochter des jüdischen Getreidehändlers Joseph Mannheim und einer nichtjüdischen Ehefrau bereits im heute polnischen Heimatort Schivelbein Repressionen ausgesetzt, obwohl sie ihren Vater als "deutschnational bis auf die Knochen, Mitglied jüdischer Frontsoldaten" beschreibt. Die Familie bereitete die Ausreise nach Brasilien vor und zog nach Berlin um, um dort auf die Visa zu warten, die allerdings nie kamen. Fast die gesamt Familie des Vaters wurde von den Nazis umgebracht. Am 27. Februar 1943 wurde ihr Vater bei einer großangelegten Aktion erneut verhaftet und in die ehemaligen Gebäude der Jüdischen Gemeinde in der Rosenstraße 2-4 gebracht. Gisela Mießner beteiligte sich gemeinsam mit ihrem Verlobten an den Protestaktionen der Frauen, die vor dem Gebäude die Freilassung ihrer Ehemänner oder Väter forderten. Ihr Verlobter wurde wegen der Verlobung mit einer "Nicht-Ariererin" zu einem Strafbataillon versetzt und kehrt nicht zurück.
Die Berliner Zeitung berichtet am 28.2.2003 in einem Rückblick: ""Gebt uns unsere Männer wieder", riefen sie immer wieder. "Wir sind auf und ab gelaufen, bis es dunkel wurde", so Gisela Mießner. Der Protest zog sich über Tage hin, wurde zur "Dauerdemonstration". Keine der Frauen hat wohl letztlich an den Erfolg geglaubt. "Wir waren aufgeregt, fix und fertig." Doch das Unglaubliche gelang: Gestapo und SS schritten nicht ein. Und am 10. März saß Joseph Mannheim wieder in seiner Wohnung, blass und in sich gekehrt. Er habe "elend und bedrückt" gewirkt, erinnert sich die Tochter. Der Vater hat nie mit ihr geredet über das, was in dem Haus in der Rosenstraße wirklich geschah, bis zu seinem Tod nicht. Er starb in den letzten Kriegstagen des Aprils 1945. "

Nach dem Krieg engagierte sich Gisela Mießner in der Lichtenberger SPD, lernte dort ihren Mann Herbert lennen, der im Mai 1953 wegen seiner Tätigkeit als SPD-Parteisekretär im Ostteil der Stadt verhaftet wurde. Ihm wurde u.a. die Verbreitung von "Hetzschriften" (SPD-Zeitungen) vorgeworfen. Er wurde zu drei Jahren Haft verurteilt, das Urteil wurde 1991 aufgehoben.


Quellen: Freitag 10-2003, 28.2.2003 http://www.freitag.de/2003/10/03101801.php
Bettina Michalski: "Louise Schroeders Schwestern", Verlag J.H.W. Dietz Nachf., 1996

Zusammenstellung: U.Horb