Meyer, Franz Karl

Geschichte: Personen L-Z

Franz Karl Meyer

geb: 14. März 1906
gest. 21.7.1983

„Ich finde es bedauerlich, dass Solidarität nicht mehr das oberste Prinzip ist; die Solidarität, die Voraussetzung war, dass überhaupt eine Sozialdemokratische Partei gegründet wurde und überlebt hat. Und wenn jemand sich schon nicht solidarisch erklären will, dann soll er wenigstens Parteidisziplin wahren.“ Das sagte Franz Meyer im Januar 1981 der Berliner Stimme. Damals war gerade der Stobbe-Senat gestürzt worden. Hans-Jochen Vogel kam als Regierender Bürgermeister nach Berlin, um in der verfahrenen Situation zu helfen.

Franz Meyer hat Solidarität in der Partei erlebt. Geboren wurde er am 14. März 1906. Er besuchte die Volksschule in Berlin, machte eine Buchdruckerlehre. 1931 besuchte er die Deutschen Hochschule für Politik in Berlin. Schon vor 1933 war er Funktionär der SPD und aktiv im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. 1933 wurde er wegen „Hochverrats“ zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Brandenburg-Görden absaß. Er hatte die illegale Zeitschrift „Roter Stoßtrupp“ verbreitet. 1936, zurück in Berlin, stand er unter Polizeiaufsicht. Dennoch sorgte der Buchdruckmaschinenmeister weiter für das nötige Informationsmaterial. Nicht alle standen so fest zu ihrer Partei. Franz Meyer erinnerte sich: „Wir wunderten uns, dass die SA so oft von unseren nächtlichen Aktionen erfuhr, bis wir dann merkten, dass manche Genossen schon zwei Parteibücher hatten. Damals waren sieben Millionen arbeitslos, lebten von sechs Mark die Woche. Die SA konnte eine Mark pro Tag extra zahlen und hatte immer was zu essen. Und alle hatten Angst. Am meisten erschreckt hatte mich aber der 1. Mai 1933, als wir durch die Kommunistenstraßen von Friedrichshain zogen. Aus den meisten Fenstern hingen rote Fahnen, die mit Hakenkreuzen überklebt waren.“

1943 wurde er zur Wehrmacht eingezogen, kam in eine „Besserungseinheit“. Nach dem Krieg wurde er Druckereileiter und gehörte zu denen, die die SPD wieder aufbauten. 1946 bis 48 gehörte er der BVV Kreuzberg an, war Fraktionsvorsitzender. Er gründete 1948 den Graphischen Industrieverband der UGO mit und wurde deren Bezirksleiter in Kreuzberg. 1948 wurde er in die Stadtverordnetenversammlung gewählt, ihr und dem Abgeordnetenhaus gehörte er bis 1961 an. Er wurde Vorsitzender der Kreuzberger SPD und 1961 Stadtrat für Volksbildung. Als er nach 10 Jahren wegen Erreichens der Altersgrenze aus diesem Amt ausscheiden musste, kandidierte er noch einmal für eine Legislaturperiode mit Erfolg für das Abgeordnetenhaus, eine Wahl zum Bundestagsabgeordneten schaffte er als Linker nicht. 1976 wurde ihm die Stadtältestenwürde verliehen.

U.H., Artikel zum 20. Todestag in der BERLINER STIMME, 14-2003, 14.8.2003

(Grabstätte: Frdh. Neukölln, Lilienthalstr. 7, Hecke R-U2-6)