Meisner, Norbert

Geschichte: Personen L-Z

Dr. Norbert Meisner

geboren 7.11.1942
Dr. theol.
1989-1991 Senator für Finanzen
Februar 1991 - Januar 1996 Senator für Wirtschaft
ehem. Landesgeschäftsführer der Berliner SPD
SPD-Landesparteitagsdelegierter (2002 )

Vorsitzender von "Kontakte e.V.",
Vorsitzender des Freundeskreises der Evangelischen Akademie zu Berlin
April 2002 als Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung Naturschutz Berlin (SNB) bestätigt

Norbert Meisner zum 60. Geburtstag (November 2002)

Als ich Norbert Anfang der 70er Jahre als neues Mitglied kennenlernte (er war schon über sieben Jahre dabei) waren die innerparteilichen Auseinandersetzungen zwischen “rechts" und “links" in vollem Gange. In der SPD-Linken, die sich im “Donnerstagskreis" sammelte, galt er damals als der “Hohe Meisner, ein Berg bei Ristock". Das Wortspiel freut ihn heute noch. Er ist nämlich, was er im Alltag (leider, leider) nach außen gut zu verbergen weiß, ein Mensch mit viel Humor: Am liebsten englisch und tiefgründig, mit einer ordentlichen Prise Cayenne.
1976 übernahm er den Kreisvorsitz in Zehlendorf und steuerte sofort einen Kurs der Integration. Denn es ging (und geht) ihm stets um Inhalte und nicht primär um die Besetzung von Posten. Das haben ihm nach den Jahren der Auseinandersetzungen viele hoch angerechnet, mancheiner, der lieber in seinem Graben verbleibt, aber auch nicht. Der lokalen Parteiorganisation jedenfalls bekam es gut. Sein politischer Lebensweg führte ihn in den stellvertretenden Landesvorsitz, ins Abgeordnetenhaus und in den Senat als Finanz- und anschließend als Wirtschaftssenator (wo er, wie von der Partei gewünscht, sein Abgeordnetenmandat niederlegte, was ihm später nicht so gut bekam!). Erinnert sei daran, dass, als er im Parlament für den Haushalt 1991 angesichts der besonderen Belastungen im wiedervereinigten Berlin erstmals eine Nettoneuverschuldung von “nur” einer Milliarde DM beantragte, ihm die Opposition dies als “verbrecherisch" vorwarf (lacht da jemand?). Seinen scharfsinnigen Analysen zu folgen bereitet Vergnügen, auch wenn die daraus resultierenden Konsequenzen manchmal schmerzlich sein mögen. (Deshalb hat ihm wohl, als er vor einem Jahrzehnt bereits öffentlich vor den Folgen der zunehmenden Verschuldung warnte, keiner zugehört.) Seine aus Einsichten gewonnenen Positionen vertritt er konsequent, bleibt dabei aber neuen Argumenten stets aufgeschlossen.

Nun ist der gebürtige Berliner (so was gibt’s gelegentlich wirklich) am 7. November sechzig Jahre alt geworden. Auf die Welt kam er in Pankow und wuchs im Samariterviertel in Friedrichshain auf. Seine Kindheits- und Jugenderfahrungen von Ruinen und Trümmern bis zum erzwungenen Verlassen des Gymnasiums zum Grauen Kloster im Osten und der Übersiedlung in den Westteil sind prägend geblieben für sein politisches Denken: Frieden und Unabhängigkeit des Geistes stehen dabei ganz weit im Vordergrund. Lieber Norbert, der mir gewährte Platz ist alle: Herzlichen Glückwunsch und – wie sagt man auf Neudeutsch? – many happy returns!

Holger Hübner, Berliner Stimme 22-2002, November 2002