Mattick, Kurt

Geschichte: Personen L-Z

Kurt Mattick

Er kämpfte gegen die Nazis und widersetzte sich nach dem Krieg jeder Zusammenarbeit mit der SED: Am 27. Juni wäre der langjährige Berliner Bundestagsabgeordnete und ehemalige SPD-Landesvorsitzende 95 Jahre alt geworden.
Kurt Mattick wurde 1908 in Berlin geboren, machte eine Ausbildung zum Maschinenschlosser und arbeitete bis 1933 in diesem Beruf bei Borsig (Berlin). Er war Jugend-vertrauensmann in der Lehrlingswerkstatt und Mitglied der Jugendkommission beim Deutschen Metallarbeiter-verband, später Betriebsvertrauensmann.
1924 war er in die SAJ eingetreten, 1926 in die SPD. In der Nazizeit war Mattick in der Widerstandsgruppe "Neu Beginnen" aktiv. Er erhielt mehrere Vorladungen zur Gestapo, wurde aber nicht verhaftet.
Im Juni 1945 trat er wieder in die SPD ein. Als persönlicher Referent von Otto Suhr arbeitete er bis März 1946 in der Zentralverwaltung der deutschen Industrie. Im gleichen Jahr wurde er Kreisleiter der SPD in Wilmersdorf. Von 01.05.1946 bis Ende Mai 1947 arbeitete Mattick hauptberuflich als Sekretär der SPD-Fraktion der Berliner Stadtverordnetenversammlung. Anschließend wechselte er in den Beruf des Journalisten und wurde Redakteur beim "Jugendtelegraf'. Außerdem war er Mitarbeiter des "Telegraf', der "Berliner Stimme" und des "Sozialdemokrat". Von Mai 1952 bis September 1953 war Mattick selbständiger Handelsvertreter.
Von Oktober 1946 bis 1953 war er Mitglied der Stadtver-ordnetenversammlung bzw. des Abgeordnetenhauses. Im April 1947 wurde er zum stellvertretenden Landesvor-sitzenden der SPD gewählt, ein Amt, das er bis Mai 1952 innehatte und noch einmal von Januar 1958 bis Mai 1963. Von 1952 bis 1958 und von 1968 bis 1970 gehörte er dem Landesvorstand als Beisitzer an, von Mai 1963 bis Mai 1968 war er Landesvorsitzender. 1968 kandidierte er nicht wieder zum Vorsitzenden. Im Jahr zuvor war der Regierende Bürgermeister Heinrich Albertz zurückgetre-ten, die Parteilinke warf dem zum rechten Flügel gehö-renden Mattick mangelnde Unterstützung vor.
1951 bis 1952 war er Berliner Vertreter im SPD-Parteiausschuss, 1959 bis 1962 Vertreter Berlins im Parteirat. 27 Jahre lang, von 1953 bis 1980, gehörte er als Berliner Vertreter dem Bundestag an. Vom 15.03.1960 bis zu seinem Ausscheiden aus dem Bundestag im November 1980 gehörte Kurt Mattick ununterbrochen dem Frakti-onsvorstand an. Nachdem er in der Zeit der Konfrontation um Berlin bis Anfang der 60iger Jahre eine harte anti-kommunistische Linie verfochten hatte, folgte er schließ-lich Willy Brandt in dem Versuch, durch die neue Ostpoli-tik die deutsche Teilung erträglicher und den Frieden sicherer zu machen. Nach seinem Abschied aus dem Bundestag zog er sich aus der aktiven Politik zurück, am 6. Januar 1986 starb er in Berlin.
U. H.

(Berliner Stimme, 13-2003, 4. Juli 2003)