Matthae, Andreas

Geschichte: Personen L-Z

Matthae, Andreas

Andreas Matthae
 

geboren am 8. Nov. 1968 in Bonn
gestorben am 8. August 2004 in Berlin

1972   nach Berlin-Kreuzberg gezogen
1989   Abitur
1990   Studium an der TU Berlin, Biologie und Sozialkunde
1992   Angestellter, Erzieher
ab 2001  selbstständig

1988   Mitglied der SPD
1992 - 1997 + 2000 Abteilungsvorsitzender der 4. Abteilung Kreuzberg
1996 - 1997  stv. Kreisvorsitzender der SPD Kreuzberg
1997 - 1999  Kreisvorsitzender der SPD Kreuzberg
1992 - 1998  Landesparteitagsdelegierter
1993 - 1998  Mitglied der Antragskommission LPT
2000   stv. Vorsitzender der Antragskommission LPT
seit 7/2001  Vorsitzender der Antragskommission LPT
2000 -2004 stellvertretender Landesvorsitzender der Berliner SPD
Juli 2004 Landesgeschäftsführer der Berliner SPD
Bundestagskandidatur 2002: Wahlkreis  Friedrichshain-Kreuzberg (084), Listenplatz 5

 

Berliner SPD trauert um Andreas Matthae

Zum Tode von Andreas Matthae erklärt der Landes- und Fraktionsvorsitzende der Berliner SPD, Michael Müller: "Wir haben mit großer Bestürzung erfahren, dass Andreas Matthae aus dem Leben geschieden ist. Die Berliner SPD verliert mit ihm einen sehr engagierten und sehr talentierten jungen Menschen.  Er hat für unsere Partei über Jahre hinweg in vielen  Funktionen sehr verantwortungsbewusst gearbeitet. Wir sind sehr traurig und in Gedanken bei seiner Familie."   

(Erklärung vom 9. August 2004)

 

Trauer um Andreas Matthae

Zahlreiche Berliner Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten haben bei der Beisetzung am gestrigen Freitag auf dem Alten Luisenstädtischen Friedhof in Kreuzberg des vor 14 Tagen aus dem Leben geschiedenen SPD-Landesgeschäftsführers Andreas Matthae gedacht.

Für Freunde und Kollegen von Andreas Matthae war die Nachricht am Montag voriger Woche zunächst unfassbar. In der Nacht zum 8. August hatte sich Matthae im Arbeitszimmer seiner Wohnung erhängt, aufgefunden wurde er am Sonntag von einem Freund, mit dem Andreas seit Jahren politisch wie persönlich verbunden war.

„Wir haben mit großer Bestürzung erfahren, dass Andreas Matthae aus dem Leben geschieden ist. Die Berliner SPD verliert mit ihm einen sehr engagierten und sehr talentierten jungen Menschen. Er hat für unsere Partei über Jahre hinweg in vielen Funktionen sehr verantwortungsbewusst gearbeitet. Wir sind sehr traurig und in Gedanken bei seiner Familie", sagte der Landes- und Fraktionsvorsitzende der Berliner SPD, Michael Müller in einer ersten Erklärung am Montag nach dem Bekanntwerden des Todes.  „Ich bin bestürzt und betroffen über die Nachricht vom Tode Andreas Matthaes“, erklärte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit. „Er war ein junges, hoffnungsvolles Talent in der Berliner Politik. Trotz seiner jungen Jahre hatte er schon eine Reihe verantwortungsvoller Positionen in der Berliner SPD inne. Ich habe mit ihm gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet. Mein Mitgefühl gilt seiner Familie und all seinen Freunden, die jetzt über den viel zu frühen Verlust trauern. Ich teile ihre Trauer.“

Nach der Wahl des neuen Landesvorstandes am 20. Juni war Andreas Matthae zum Landesgeschäftsführer der Berliner SPD ernannt worden, eine Aufgabe, auf die er sich gefreut hatte, für die er gekämpft hatte. Ende Juni hatte er sein Amt angetreten. Mit seiner Spontaneität wollte er mitreißen, er wollte die Kommunikation in der Partei verbessern. Die Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Müllerstraße und in den Kreisen stand erst am Anfang, es gab viele Pläne und Ideen. Die Umstrukturierungen, die die AG Parteireform beschlossen hatte, standen an. Andreas hatte sie von Anfang an mitentworfen und diskutiert, in einem Seminar wollte Andreas Matthae Ende August zusammen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die konkrete Umsetzung angehen. Der Arbeitsplatz in der Müllerstraße war ihm bereits vertraut: Als ehrenamtlicher Leiter des Europawahlkampfes hatte er sich in den Wochen zuvor schon nahezu täglich im Kurt-Schumacher-Haus aufgehalten.

1968 wurde er in Bonn geboren, als er vier Jahre war, zog die Familie nach Berlin. 1988, im Jahr vor seinem Abitur, trat er in die SPD ein. Sein Studium (Biologie und Sozialkunde an der TU) brach er ab, er begann in einem Kreuzberger Schülerladen als Erzieher zu arbeiten.

Aktiver Juso, 1992 dann Vorsitzender der 4. Abteilung in Kreuzberg. Im Wahlkampf 1992 sorgte er mit dafür, dass Peter Strieder Kreuzberger Bezirksbürgermeister wurde. Er wusste, was und wie an der Basis diskutiert wird, er kannte die Partei, er kannte Alt und Jung, die verschiedenen Gruppen und ihre unterschiedlichen Interessen. Später, als stellvertretender Landesvorsitzender, ging er zu den Sitzungen der AG 60 plus, er kümmerte sich um Abteilungen, ging auf Kreisveranstaltungen.

„Eddie“ konnte mit allen sprechen, er besaß das notwendige Vertrauen. Als Vorsitzender der Antragskommission auf Parteitagen kam ihm - und damit wieder seiner Partei - diese Gabe zugute. Er konnte im Vorfeld Konflikte ausloten, Kompromisse finden. Dass er selbst dabei für seine Überzeugungen - auch leidenschaftlich - warb, dass er der Sprecher der Berliner Linken war, änderte daran nichts, weil er immer mit Fairness und nie verletzend für seine Ziele warb. Auch wenn er für die soziale Politik, die er einfordert, eine hohe Messlatte setzte. Als er bei der Bundestagwahl 2002 den Wahlkreis überraschend nicht gewann, traf ihn das tief. Nach einer kurzen Auszeit nahm er die Arbeit im Landesvorstand aber mit viel Energie wieder auf.

Hinweise auf finanzielle Probleme aus seiner Geschäftsführertätigkeit für zuletzt zwei Lokale in der Reinhardtstraße veranlassten den Geschäftsführenden Landesvorstand, das Gespräch mit Andreas zu suchen. Zu dieser Aussprache kam es nicht mehr, der Brief mit der Bitte um ein Gespräch am 9. August blieb ungeöffnet.      U.H.

in: Berliner Stimme 16-2004 vom 21.8.2004

 

Trauerrede von Michael Müller

 Die Berliner SPD hat am Freitag, dem 20. August, Abschied von ihrem am 8. August verstorbenen Landesgeschäftsführer Andreas Matthae genommen. Rund 400 Trauergäste waren zum Alten Luisenstadt-Kirchhof am Südstern gekommen. In einer persönlich gehaltenen Trauerrede sagte der SPD-Landesvorsitzende Michael Müller, für viele sei der Tod von Andreas Matthae noch immer unfassbar. "Andreas war für uns mehr als ein politischer Weggefährte. Er war ein Freund. Andreas, deine Leidenschaft, dein Engagement, deine Herzlichkeit, dein Lachen werden uns fehlen. Für immer."
Die Trauerrede von Michael Müller im Wortlaut:

Liebe Familie Matthae,
Liebe Freunde,
Liebe Genossinnen und Genossen,

seit Tagen leben wir mit dem unfassbaren Gedanken, dass Andreas - Eddie, wie ihn viele seiner Freunde nannten, nicht mehr unter uns ist.

Sein Tod ist ein Schock. Ungläubigkeit und Entsetzen, Ratlosigkeit bleiben.
Er kam unvermittelt und ist schrecklich, auch in seiner Sinnlosigkeit.

Wie kann es sein, dass Andreas, der so selbstverständlich in unserem Alltag präsent war, plötzlich nicht mehr da ist?

Wir warten noch auf den nächsten Anruf, die nächste Begegnung mit ihm.

Die SPD war seit vielen Jahren der Lebensmittelpunkt von Andreas. Mit seiner aufgeschlossenen Art hat er schnell Kontakte geknüpft und gehalten. Seine Wärme und Herzlichkeit haben über die politische Zusammenarbeit hinaus viele Freundschaften begründet. Er hatte immer ein offenes Ohr für andere und hat in vielen Gesprächen seine eigenen Probleme oft hintenangestellt.

Verständnisvoll und vertrauenswürdig hat er über Jahre persönlich und politisch die Arbeit der Kreuzberger und Friedrichshainer SPD geprägt. Als echter Kreuzberger hat er immer viel Wert auf seine Verankerung vor Ort gelegt. Er kannte seinen Bezirk und die Menschen  mit ihren Sorgen und Nöten.


Andreas konnte unglaublich geduldig zuhören. Oft konnte man seine innere, verborgene Reaktion nur einem ihm eigenen, verschmitzten Lächeln entnehmen.

Aber er blickte auch immer über Bezirksgrenzen hinaus. Als Kreisvorsitzender, als stellvertretender Landesvorsitzender und Landes-geschäftsführer trieb er aktuelle politische Diskussionen voran.

Und er ließ sich auch dabei wenig Grenzen setzen. Seine innerparteiliche Kommunikation machte nicht vor Flügeln halt. Als Sprecher der Berliner Linken pflegte er gute Kontakte zu allen Genossinnen und Genossen, er war  für jeden ansprechbar ob auf Parteitagen,
dem Britzer Sommerfest oder Straßenfesten in ganz Berlin.

Auch wenn die Parteiarbeit ihm immer weniger Zeit liess, - seine Freunde außerhalb der Politik waren ihm wichtig - als Ausgleich, als Rückzugsbereich, als Stimmungsgeber.

Er war leidenschaftlicher Fußballer. Seine Lieblingsmannschaften Borussia Dortmund und Hertha machten es ihm nicht immer leicht. Aber das glich er beim Freizeitfußball im FC Intertank und bei den Pinchos aus. Er war in jeder Beziehung ein Mannschaftsspieler.

Für Andreas war Politik immer und vor allem das Gespräch mit den Menschen innerhalb und außerhalb der SPD. Die engen Regeln der traditionellen Parteiarbeit überschritt er dabei mehrfach, auch wenn er damit heftige innerparteiliche Diskussionen auslöste.

Ja, Andreas lebte und liebte Politik. Deshalb haben ihn Siege enthusiastischer gestimmt und Niederlagen härter getroffen als viele andere.

Sein großer Traum war das Bundestagsmandat. Hier glaubte er seine politischen Vorstellungen am wirkungsvollsten einbringen und umsetzen zu können. 2002 schien die Verwirklichung endlich greifbar nahe. Doch er scheiterte am Wahlabend knapp. Das war eine schwere Zeit für ihn. Es war schwer diese Situation zu überwinden und mit neuer Kraft in der Politik weiterzumachen.
Womöglich hat diese Zeit tiefere Spuren  bei ihm hinterlassen als uns bewußt war.

Ich erinnere mich an die vielen Abende bei ihm im Lokal. Andreas, Christian, Swen, Matthias, ich , ab und zu einige andere. Wir haben so viel miteinander geredet. Wie wir Politik machen wollen. Wir haben manche Revolution geplant und beschlossen, aber nicht alle umgesetzt.

Ich frage mich oft, warum wir nicht auch jetzt, wo es so wichtig gewesen wäre miteinander reden konnten. Wir hatten uns viel vorgenommen für die nächsten zwei Jahre. Mit Andreas als Landesgeschäftsführer sollten neue Impulse in die Berliner SPD gegeben werden. Er hat sich in die neue Aufgabe gestürzt und vieles vorbereitet, was wir jetzt ohne ihn fortführen müssen.

Wir können und werden es nicht verstehen. Es bleibt für uns unbegreiflich, warum Andreas nicht mehr weiterleben konnte und wollte. Wir empfinden alle  große Trauer, dass er nun nicht mehr an unserer Seite steht. Aber wir sind auch dankbar, dankbar für die vielen Jahre, die Andreas für uns mehr als ein politischer Weggefährte war. Er war ein Freund.

Andreas, deine Leidenschaft, dein Engagement, deine Herzlichkeit, dein Lachen werden uns fehlen. Für immer.