Löbe, Paul

Geschichte: Personen L-Z

Paul Löbe

Gedenktafel Paul Löbe
 

Tafel Paul Löbe: Schöneberg, Rubensstraße 118 (früher 48, unweit Canovastraße)
Inschrift: Paul Löbe / Ehrenbürger von Berlin / geb. 14.12.1875 in Liegnitz/Schlesien / gest. 3.8.1967 in Bonn / Redakteur der "Breslauer Volkswacht" / Reichstagspräsident / Alterspräsident des Deutschen Bundestages / wohnte hier von 1936-1939 Foto: Holger Hübner


Zum 125, Geburtstag
Der Stellvertretende Vorsitzende der SPD, Bundestagspräsident Wolfgang Thierse erinnert an Paul Löbe, Sozialdemokrat und Reichstagspräsident von 1920 bis 1932, der vor 125 Jahren, am 14. Dezember 1875, geboren wurde:

Paul Löbe, der langjährige Präsident des Reichstages und hervorragende Repräsentant der ersten deutschen Demokratie, war als Mensch, Persönlichkeit und Politiker ein Vorbild nicht nur für die Sozialdemokraten seiner Zeit. Er hat in einer Periode schwerer politischer Kämpfe und Anfeindungen die Arbeit des Parlamentes hoch gehalten, die Verfassung und den Rechtsstaat verteidigt und nach der NS-Diktatur für den Aufbau der Demokratie in Deutschland seine Erfahrungen eingebracht.

Paul Löbe wurde am 14. Dezember 1875 als Sohn eines Tischlers in Liegnitz/Schlesien geboren. Der gelernte Schriftsetzer wurde mit 20 Jahren Sozialdemokrat. Seine Laufbahn als Journalist begann er bei der sozialdemokratischen "Volkswacht" in Breslau. Eine längere Gefängnisstrafe wegen Majestätsbeleidigung nutzte er standhaft als Gelegenheit, seine Bildung zu vervollkommnen. 1904 wurde Paul Löbe Stadtverordneter der SPD in Breslau, 1919 zog er für den Wahlkreis Breslau in die Weimarer Nationalversammlung ein, ein Jahr später wurde er in den Reichstag gewählt und von diesem zum Präsidenten. Dieses Amt übte Paul Löbe fast über die gesamte Zeit der Weimarer Republik aus, bis er nach den Juli-Wahlen von 1932 von dem Nationalsozialisten Hermann Göring abgelöst wurde. Nach der Machtergreifung der Nazis wurde er für 6 Monate inhaftiert, danach fand er eine Arbeit im Berliner Walter de Gruyter Verlag. Erneut verhaftet wurde Paul Löbe im Zusammenhang dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944.
Nach dem Kriegsende war er wieder als Redakteur tätig und im Berliner Zentralausschuss der SPD. Aus Protest gegen die Zwangsvereinigung mit der KPD wechselte er in den Westen Berlins. 1948 -1949 war er Mitglied des Parlamentarischen Rates in Bonn. 1949 wurde er zum Gründungspräsidenten des deutschen Rates der "Europa - Bewegung" gewählt.

Er leitete als Alterspräsident die konstituierende Sitzung des ersten Deutschen Bundestages am 7. September 1949, in dem er als Vertreter Berlins bis 1953 saß. 1954 wurde Paul Löbe zum Präsidenten des Kuratoriums Unteilbares Deutschland gewählt, dem er bis zu seinem Tode als Ehrenpräsident angehörte. Am 3. August 1967 starb Paul Löbe in Bonn. Sein Tod war Anlass umfassender Würdigungen. Mit einem Staatsbegräbnis wurde er in Berlin beigesetzt. Paul Löbe wurde zum Ehrenbürger Berlins

Die deutsche Sozialdemokratie kann auf ihren Ruf als Verteidigerin der parlamentarischen Demokratie gegen die Angriffe ihrer Feinde von rechts und von links stolz sein. Diese Leistung war eng verbunden mit der Person Paul Löbes. Mit der Erinnerung an ihn stellen wir uns in eine Tradition und zugleich einer Verpflichtung, standhaft und leidenschaftlich für die Demokratie einzutreten.
(Dezember 2000)