Liebknecht, Wilhelm

Geschichte: Personen L-Z

Kurzbiographie

Wilhelm Liebknecht

geb. 29.3.1826
gest. 7.8.1900

Wilhelm Liebknecht wurde als Sohn eines hessischen Regierungsbeamten in Gießen geboren. Abschluss des Gymnasiums und Studium der Philologie, Theologie und Philosophie in Gießen, Berlin und Marburg folgten. Im Februar 1848 nahm er teil an revolutionären Kämpfen in Paris. 1849 flüchtete er in die Schweiz aufgrund des Scheiterns der Revolution und tritt dem Genfer Arbeiterverein bei. Ein Jahr später, wurde er verhaftet und des Landes verwiesen.

Er tritt in England dem Bund der Kommunisten bei. Im Exil in London hatte er regen Kontakt mit Karl Marx und Friedrich Engels. Nach der Rückkehr, aufgrund einer Amnestie, nach Deutschland trat er in den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein ein. Liebknecht gründete nachdem Ausschluss aus der ADAV, mit August Bebel die Sächsische Volkspartei. 1869 wird die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschlands (SDAP) gegründet und Liebknecht wurde einer der Führer der Partei und leitete die Herausgabe des Parteiorgans „Der Volksstaat“. 1874 wurde er in den deutschen Reichstag gewählt. Wiederum war er maßgeblich an dem Zusammenschluss der SDAP und ADAV zur Sozialistischen Arbeitspartei Deutschlands (SAP) im Jahre 1875 beteiligt.

Er wurde Redakteur des Parteiorgans „Vorwärts“ und später Chefredakteur. 1891 begründet Liebknecht das neue Parteiprogramm der SPD auf dem Erfurter Parteitag. Am 7. August 1900 verstirbt Wilhelm Liebknecht in Berlin. 150 000 Menschen geben ihm das letzte Geleit.

Kolja Brandtstedt

 
Gedenken

Sozialismus und Demokratie sind untrennbar

Der 1826 in Gießen geborene, aber schon im Kindesalter elternlose Wilhelm hat Glück gehabt. Und mit ihm die deutsche Sozialdemokratie, die er ganz  wesentlich nicht nur mit begründete, sonder als hochbegabter Redner und als Journalist auch prägte und voran brachte. Ohne die Hilfe seiner Verwandten wäre ihm der Weg zur eigenen (Aus-)Bildung versperrt geblieben. Bildung begleitete ihn denn auch sein Leben lang als ein herausragendes Thema. "Die Sozialdemokratie ist im eminentesten Sinne die Partei der Bildung," sagte er 1872.

So aber konnte er studieren und begeisterte sich an republikanischen und utopisch-sozialistischen Ideen. Dass sich der junge Mann an den Aufständen von 1848/49 aktiv beteiligte, brachte ihm eine erste Erfahrung von Haft und die des Exils ein: In London wurde er unter dem Einfluss von Marx und Engels zum Sozialisten.

Nach der Rückkehr trat er 1863 dem soeben von Lassalle begründeten "Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein" bei. Zwei Jahre später lernte er Bebel kennen, der Beginn einer 35 Jahre währenden politischen Kampfgemeinschaft und Freundschaft. Seine journalistischen und rhetorischen Fähigkeiten setzte er mit aller Kraft für seine Ziele ein. 1875 verschmolzen in Gotha die "Lassalleaner" mit der von Bebel und Liebknecht 1869 in Eisenach gegründeten "Sozialdemokratischen Arbeiterpartei" zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands". Erst nach dem Ende des "Sozialistengesetzes" und 12jähriger Unterdrückung gibt sie sich 1890 ihren heutigen Namen.

So wie Liebknecht von der Richtigkeit der Marxschen Lehren absolut überzeugt war, so waren für ihn Sozialismus und Demokratie untrennbar miteinander verknüpft. Eins ginge nicht ohne das andere. "Der demokratische Staat ist die einzig mögliche Form der sozialistisch organisierten Gesellschaft," erklärt er schon 1869.
Ein wortgewaltiger Mann blieb er bis zum Schluss seiner Tage, und stets war er unterwegs zu den arbeitenden Menschen, seine Ideale und Einsichten darzulegen und zu verbreiten. Sie verehrten ihn , den "Alten", dafür. Er starb am 7.8.1900 in Charlottenburg. Fünf Tage später säumten weit über 150.000 Menschen dichtgedrängt den Weg des Trauerzugs von der Kantstraße (heute ist am Ort des Wohnhauses neben den Stadtbahnbögen eine Baustellenzufahrt) über die Arbeiterviertel Kreuzbergs und Friedrichshains bis zum städtischen Friedhof in Friedrichsfelde. Über fünf Stunden dauerte der Weg. Seine Beisetzung, an der Vertreter fast aller europäische sozialdemokratischen Parteien teilnahmen, markiert den Beginn der Tradition des bald so genannten "Sozialistenfriedhofs". Der "Vorwärts", dessen Chefredakteur Liebknecht seit 1891 war, berichtete tags darauf auf vier Seiten.

Den Ort seiner letzten Ruhe sollten wir achten und schützend bewahren, auch wenn dort in vergangenen Jahrzehnten Menschen begraben wurden, die die Ideen des Sozialismus in einer Diktatur missbrauchten. Er ist Grabstätte, Erinnerungs- und Mahnort zugleich. Ein Förderkreis hat sich konstitutiert.
Holger Hübner, 2000