Krappe, Edith

Geschichte: Personen A-K

Edith Krappe

geboren am 13.11.1909
gestorben am 17.3.2006 

 

Edith Krappe gehört zu den „geborenen“ Sozialdemokratinnen. Sie wurde als siebtes und letztes Kind in eine aus Bayern stammende Handwerksfamilie mit weit zurückreichender sozialdemokratischer Tradition hineingeboren: Schon 1875 trat ihr Vater, der damals 18 jährige Zimmermann, der SPD bei. So gehörten die Demonstrationen am 1. Mai zu den selbstverständlichen Kindheitserinnerungen von Edith Krappe.

Als Jüngste kam sie noch in den Genuss der von Sozialdemokraten nach 1918 eingeführten Reform: sie erhielt einen Freiplatz auf dem Lyzeum und wurde eine tüchtige Buchhalterin. Nach dem Schulbesuch begann Edith ihre kaufmännische Lehre in einer jüdischen Konfektionsfirma mitten im Berliner Modezentrum der Zwanziger am Spittelmarkt. Edith blieb in der Firma bis zu deren zwangsweiser Liquidierung 1939. Neben die berufliche trat die politische Arbeit. Die SPD wurde ihr schnell zur zweiten Heimat. Sie wurde Frauenleiterin ihrer Abteilung; außerdem engagierte sie sich im Zentralverband der Angestellten, übernahm dort Funktion und bildete sich in Kursen weiter. „Ich war damals 50 zu 50, ich will sagen halb gewerkschaftstätig und halb Partei.“ Im Mai 1945 wurde in ihrer Wohnung in Friedrichshain die neue SPD-Abteilung gegründet. Edith ließ sich bei den ersten Wahlen für die Stadtverordnetenversammlung aufstellen, ohne mit einem Mandat zu rechnen. Ab Oktober 1946 saß sie dann im Stadtparlament, stieg sehr schnell in wichtige Schlüsselpositionen der SPD auf und saß im Fraktions- sowie Landesvorstand. Edith Krappe gehörte damit in dieser Zeit zu den wichtigsten Frauen der Berliner SPD. Mit dem Machtverlust Franz Neumanns, Landesvorsitzender und enger Freund Edith Krappes, schrumpfte auch ihr Machtbereich. Mit den Wahlen der Berliner SPD-Vertretung zum Deutschen Bundestag 1957 zeichneten sich die neuen Mehrheiten in der Berliner Partei schon ab: Edith wurde erst im dritten Wahlgang mit dem relativ schlechten Stimmergebnis gewählt. Im Bundestag verblieb sie dann aber bis 1972 – keineswegs auf dem Abstellgleis: Wie schon im Abgeordnetenhaus als Vorsitzende des Hauptausschusses arbeitete sie in erster Linie als ausgewiesene Haushaltsexpertin – als Frau in einer Männerdomäne. „Sie kam mit Sachverstand, Zuverlässigkeit und Temperament wie von selbst in die Führungsgruppe der Berliner Sozialdemokraten“, vermeldete der RIAS über Edith Krappe. Ganz „von selbst“ setzte sich auch diese Frau wohl kaum durch, und vor allem musste sie hart um ihren Machterhalt kämpfen. Obwohl sie über geraume Zeit die Berliner SPD wesentlich mitgeprägt hatte, ist auch Edith Krappe bei Jüngeren heute nahezu vergessen. Text von: Doreen Lindner

 

Quellen: Bettina Michalski "Louise Schroeders Schwestern: Berliner Sozialdemokratinnen der Nachkriegszeit" – Hg. Vom Franz-Neumann-Archiv, Dietz-Verlag, Bonn 1996

Berliner Stimme 13.11.1979