Klühs, Franz

Geschichte: Personen A-K

Franz Klühs

Vor fünfundsechzig Jahren trafen sich Hunderte von Männern und Frauen auf dem Friedhof Tempelhof, um einem Freund, Kollegen und Genossen das letzte Geleit zu geben: Franz Klühs, Schriftsetzer, Kommunalpolitiker, Journalist und 1933 zwangsweise verjagter stellvertretender Chefredakteur des "Vorwärts". Der 61jährige war am 7. Januar 1938 in seiner Wohnung am Kaiserkorso 2 in Tempelhof an Hirnhautentzündung verstorben.

In den Nazi-Blättern Berlins las man logischerweise keinen Nekrolog; das blieb dem im Ausland gedruckten .Neuen Vorwärts" vom 17. Januar 1938 vorbehalten.
 
In dem Nachruf heißt es u. a.: "Franz Klühs war am 5. Mai 1877 in Neuenkirchen auf Rügen als Sohn eines Landbriefträgers geboren. Nach einer harten Jugend brachte ihn sein Beruf als Setzer schon sehr früh mit der Arbeiterpresse in Verbindung, der sein ganzes Leben gewidmet sein sollte. Schon im Jahre 1900 wurde er, 23j ährig, Redakteur der ”Volkswacht” in Breslau, wo er sich mit Paul Löbe zusammenfand. Von 1907 bis 1920 war er Redakteur an der von Paul Bader geleiteten ,Volksstimme' in Magdeburg. Er galt längst als einer der besten Männer der Parteipresse, als ihn im Jahre 1920 der Ruf nach Berlin erreichte. Er hat dann bis 1933, das heißt bis zum Ende, der Redaktion des .Vorwärts' angehört.
  
Im Herbst 1933 (Mitte September - KB) wurde Klühs erhaftet, und am 20. Juni 1934 stand er wegen angeblicher “Vorbereitung    zum Hochverrat” vor dem Reichsgericht. Dem alten Kämpfer    war eine   solche   Situation nicht neu, hatte er doch auch in der Kaiserzeit als verantwortlicher Redakteur vor Gericht gestanden und erhebliche Freiheitsstrafen verbüßt

In einem Bericht des Amsterdamer ,Het Volk' wurde damals gesagt: (...) “Er erklärte, daß er seit vielen Jahrzehnten Sozialdemokrat sei und seine Überzeugung nicht geändert habe. Das Gefängnis und was diesem voranging, haben aus dem 57jährigen Mann wohl einen Greis gemacht, aber sein Geist hat nicht gelitten. (...)
  
Die Reichsrichter fanden Klühs “schuldig” und verhängten eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und neun Monaten. Im Sommer 1936 wurde er dann aus der Strafhaft entlassen."
  
Neben unzähligen Artikeln sind drei Bücher von Franz Klühs verfaßt worden: "Terror", eine Schrift über die Verfolgung von Sozialdemokraten im Kaiserreich (1912), "Der Aufstieg - Führer durch die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung" (1924) und die Biographie "August Bebel - Der Mann und sein Werk" (1923). Und seit der Umgestaltung des alten Belle-Alliance-Platzes zum Mehringplatz erinnert eine kleine Straße an den engagierten Journalisten. 
     

Konrad Beck, Januar 2003