Keen, Gertrud

Geschichte: Personen A-K

Gertrud Keen

Gertrud Keen zur Erinnerung (geb.19.5.1915 gest. 11.12.2004)

Die Genossin Gertrud Keen (zuletzt Krumme Lanke) verstarb im 90. Lebensjahr nach langer schwerer Krankheit.

In Schöneberg als Arbeitermädchen geboren, lernte sie sehr engagiert und machte eine Büroausbildung. Dabei schloß sie sich sehr zum Unwillen ihrer Eltern der Arbeiterjugend an und bekämpfte aktiv mit Flugblättern und anderen Aktivitäten den Faschismus. Erwischt wurde sie, als sie im Herbst 1934 Blumen am Grab von Rosa Luxemburg in Friedrichsfelde niederlegte. Das brachte ihr Haft im Mädchen-KZ-Mohringen ein. Danach arbeitete sie weiter im Widerstand in Steglitz mit der Gruppe um Bernhard Pampuch, dabei gab es viele Berührungspunkte mit der „Gruppe Emil“ um Ruth-Andreas Friedrich und Kontakte zur „Roten Kapelle“.

Darüber hat sie bis 1990 bei den Stadtrundfahrten des Landesjugendringes , aber auch bei uns in Zehlendorf vielen Jugendlichen als Zeitzeugin berichtet. Das Kriegsende 1945 erlebte sie als Befreiung.

Aus privaten Gründen ging sie 1950 nach England, es wurde ihre Heimat. Von dort 1954 zurückgekommen arbeitete sie im Bezirksamt Schöneberg, beim Innensenat und im Informationszentrum Berlin. Seit 1954 war sie SPD-Mitglied, immer sehr kritisch, z.B. sehr aktiv in der Friedensbewegung und im Kampf gegen Faschismus, in der Arbeit für Menschenrechte, so wurde sie auch Mitglied in der Liga für Menschenrechte. Ihr Leitspruch war „Sozialismus fängt zuhause an“, von daher bemühte sie sich ihre Kinder früh herrschaftsfrei zu erziehen. Natürlich war ihre Tochter bei den Zehlendorfer Falken. Wenn sie auch nicht immer ganz einfach war, sie hatte einen zweiten ihr Leben prägenden Spruch „ Vergesst das Lachen nicht“, sie war immer mutig und tapfer.

Eine fast fröhliche Beerdigung, aber würdig und im Sinne der Verstorbenen gab es anlässlich des Todes von Gertrud Keen. Der Sohn, ein Enkel und Schwiegertochter sangen jiddisches und Arbeiterlieder, Gerhard Schoenberner hielt die Trauerrede.

Und Kinder und Enkelkinder engagieren sich sehr in ihrem Sinne.

Burkhard Zimmermann

Ihr könnt über Gertrud Keen nachlesen in Rainer Sandvoß Widerstand in Steglitz und Zehlendorf S. 169ff, ihr könnt sie sehen im Video Berliner Zeitzeugen „ Es kann nicht jeder ein Held sein“ Loretta Walz 1993 (21 min) und Vera Leiser „Ich habe nie `Heil Hitler ´gesagt“ (46 min)