Kautsky, Karl

Geschichte: Personen A-K

Karl Kautsky

Gedenktafel Saarstr. 14 (Friedenau) Foto: Hübner

Gedenktafel Saarstr. 14 (Friedenau) Foto: Hübner

 

geboren 16.10.1854, gestorben 17.10.1938 in Amsterdam

Karl Kautsky wurde am 16. Oktober 1854 in Prag als Sohn des Theatermalers Johann Kautsky und der Schriftstellerin und Schauspielerin Minna (geb. Jaich) geboren. 1863 erfolgte der Umzug der Familie nach Wien. Kautsky studierte Geschichte, Philosophie und Nationalökonomie, gleichzeitig arbeitete er als Schriftsteller und Maler. 1875 trat er in die Sozialdemokratische Arbeiterpartei in Österreich ein.

Kautsky gehörte zu den führenden Parteitheoretikern, von 1883 bis 1917 leitete Kautsky  die Zeitschrift der Zweiten Internationale, die "Neue Zeit". 1891 verfaßte er den Entwurf des "Erfurter Programms" der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), das  eine sozialistische Gesellschaft anstrebt. 1903 setzte sich Kautsky mit seinen Vorstellungen gegen die Reformismus-Betrebungen von Eduard Bernstein durch.

1917 tritt er zur USPD über, in seinen Schriften lehnte er den russichen Weg der Oktoberrevolution ab. 1922 kehrte er zur SPD zurück, wurde 1925Mitverfassser des "Heidelberger Programms", in dem sich die SPD  auf die Grundsätze des "Erfurter Programms" bezog,  diese aber durch Reformen erreichen wollte.

 

Zum 150. Geburtstag von Karl Kautsky am 16. Oktober 2004 erklärt SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter:

Der am 16. Oktober 1854, vor 150 Jahren, in Prag geborene Karl Kautsky gehört zu den herausragenden Repräsentanten der großen Tradition der deutschen und internationalen Sozialdemokratie. Wir sind stolz darauf, dass wir als älteste demokratische Partei in Deutschland Persönlichkeiten wie ihn zu unseren Ahnen zählen dürfen.

Karl Kautsky war vor dem Ersten Weltkrieg nicht nur der führende Parteitheoretiker der deutschen Sozialdemokratie, sondern galt als der unbestrittene theoretische Kopf der gesamten Sozialistischen Internationale, eine Autorität, auf die die sozialdemokratischen Parteien in allen Ländern hörten.

Sicherlich ist sein Denken für uns heutige Sozialdemokraten nicht mehr als zeitgemäß zu betrachten. Wie jede Persönlichkeit ist er nur aus seiner eigenen Zeit zu verstehen. Angesteckt durch die damals modernen naturwissenschaftlichen Ideen von Charles Darwin suchte Kautsky auch in der gesellschaftlichen Entwicklung nach ‚Naturgesetzen'. Auf diesem Wege fand er zu den Marxschen Theorien, zu deren Verbreitung er wesentlich beitrug, wobei er sie nicht unerheblich vereinfachte.

Den von Kautsky repräsentierten Geschichtsglauben einer zwangsläufigen Entwicklung zur sozialistischen Gesellschaft hat bereits vor dem Ersten Weltkrieg sein innerparteilicher Gegner Eduard Bernstein zu Recht kritisiert. Heute wissen wir, dass es für gesellschaftliche Veränderungen beharrlich zu arbeiten gilt, denn nichts – wie Willy Brandt es formuliert hat – kommt von selbst. Damals hatte der verbreitete Glaube an die Naturgesetzlichkeit des Sozialismus jedoch eine wichtige psychologische Funktion: Die unter ärmlichen Verhältnissen lebenden Arbeiterinnen und Arbeiter fanden über diesen Glauben Mut und Zuversicht für die Zukunft, die ihnen halfen, sich in der sozialdemokratischen Bewegung für soziale Gerechtigkeit und Demokratie zu engagieren und dafür Entbehrungen und Verfolgungen auf sich zu nehmen.

Auch aus heutiger Sicht unbestritten ist Kautskys konsequentes Eintreten für die Demokratie. Das gilt insbesondere für seine scharfe Kritik an der russischen Revolution und dem Bolschewismus. Kautsky sah die Diktatur des Bolschewismus als Sackgasse und engagierte sich für die Demokratie. Dafür wurde er von den Kommunisten angefeindet wie kaum jemand sonst.

Mitte der 20er Jahre ging Kautsky nach Wien, von wo er 1938, im Alter von 83 Jahren, erst nach Prag und nach dem Einmarsch der Nazis nach Amsterdam fliehen musste. Dort starb Kautsky noch im selben Jahr. So blieb ihm das Schicksal seiner Frau und seines Sohnes erspart, die ins KZ Auschwitz verschleppt wurden, wo Luise Kautsky umkam.

Karl Kautskys Gedanken sind gewiss sehr zeitgebunden. Gleichwohl erinnern wir uns an ihn als eine wichtige Persönlichkeit in der Geschichte der deutschen und europäischen Sozialdemokratie. Keine andere Partei kann auf eine so lange demokratische Tradition zurückblicken wie die SPD. Karl Kautsky gehört zu dieser großen Tradition dazu.

(16. 10.2004)