Adolph Hoffmann: Der "Zehn-Gebote-Hoffmann"

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Adolph Hoffmann - der "Zehn-Gebote-Hoffmann"

Porträt Adolph Hoffmann
 

Siegfried Heimann:  Vor 150 Jahren wurde Zehn-Gebote-Hoffmann in Berlin geboren

Adolph Hoffmann war ein „Urgestein“ der deutschen Sozialdemokratie und der deutschen Freidenker-Bewegung vor, während und nach dem ersten Weltkrieg. Die Erinnerung an ihn aber wäre schon lange verblasst, wäre da nicht sein Beiname: Zehn-Gebote-Hoffmann. Der Beiname hatte mit seinem politischen Wirken viel zu tun, aber seine politischen Aktivitäten waren vielfältiger und auch bedeutsamer für die deutsche Sozialdemokratie und für die freireligiöse Bewegung als sein etwas ironisch gemeinter Spitzname vermuten ließ. Der Beiname war dem Titel einer kleinen Schrift geschuldet, die Hoffmann im eigenen, seinen Namen tragenden Verlag im Jahre 1891 veröffentlichte: „Die zehn Gebote und die besitzende Klasse“. Mit der Schrift hielt er der herrschenden vermögenden Klasse von Adel und Bürgertum im deutschen Kaiserreich, die Wasser predigte und Wein trank, den Spiegel vor. Das kleine Büchlein fand weite Verbreitung und viele Auflagen. Es war eine Kampfschrift, mit der Hoffmann sehr erfolgreich die sozialdemokratische Kirchenaustrittsbewegung unterstützte. Dieser Erfolg war ihm nicht an der Wiege gesungen worden.
Adolph Hoffmann wurde am 23. März 1858 als nichtehelicher Sohn eines Dienstmädchens im Berliner Norden geboren. Die Mutter starb schon bald und er wuchs in Kinderheimen und bei Pflegeeltern auf. Als auch sein Pflegevater, ein Tuchmacher, starb, musste der neunjährige Adolph schon für seinen eigenen Unterhalt sorgen. Er ging nur knapp vier Jahre zur Schule und blieb, das aber sehr erfolgreich, Zeit seines Lebens ein Autodidakt. Er lernte den Beruf eines Graveurs und Vergolders, musste sich aber aus gesundheitlichen Gründen bald als Hausierer durchs Leben schlagen. 1873 wurde er Mitglied der Berliner Freireligiösen Gemeinde, 1876 wurde er Sozialdemokrat und 1879 heiratete er. Mit seiner Frau Emmi hatte er sechs Kinder.
Sein Leben aber war von nun von der Politik bestimmt. Er nahm an den Parteitagen der SPD teil und auch an der Gründung der II. Internationale 1889 in Paris. Er kandidierte, zunächst ohne Erfolg, für den Reichstag und wurde wegen seiner journalistischen Tätigkeit mehrfach zu Geld- und Gefängnisstrafen verurteilt. Seine Werbung für den Kirchenaustritt machte ihn bekannt, 1893 war er zweiter, und seit 1913 erster Vorsitzender der Berliner Freireligiösen Gemeinde. Seit 1904 ist er Berliner Stadtverordneter und seit 1904 nach zwei vergeblichen Anläufen auch Mitglied des Reichstages. Politisch bekannt aber wurde er vor allem durch sein, von vielen Ordnungsrufen begleiteten Wirken im preußischen Abgeordnetenhaus, in das er trotz Dreiklassenwahlrechts im Jahre 1908 erstmals gewählt worden war. Er blieb bis 1918 Abgeordneter.
Seine große Zeit, sie währte nur wenige Wochen, kam in der Novemberrevolution 1918. In der nach dem Vorbild des Rats der Volksbeauftragten paritätisch zusammengesetzten revolutionären preußischen Regierung bekleidete er als Unabhängiger Sozialdemokrat zusammen mit Konrad Haenisch von der Mehrheitssozialdemokratie das Amt des preußischen Kultusministers, in dem er auch für Schule und Kirchen zuständig war. In wenigen Wochen versuchte er, dass gesamte schul- und kirchenpolitische Programm der Sozialdemokratie in praktische Politik umzusetzen. Die Trennung von Staat und Kirche und vor allem Ausschluss der Kirchen aus der Schule war sein oberstes Ziel. Ein großer Erfolg blieb ihm versagt, zunächst wegen der hinhaltenden Taktik seines Mitministers, dann wegen des Ausscheidens der USPD aus der Regierung und schließlich wegen der sonst sehr erfolgreichen Weimarer Koalition in Preußen, in der die katholische Zentrumspartei keine radikalen schulpolitischen Experimente erlaubte.
Enttäuscht wandte er sich der Anfang 1919 gegründeten Kommunistischen Partei zu, kehrte aber 1921 zusammen mit Paul Levi der KPD wieder den Rücken und fand mit Levi 1922 wieder den Weg zurück zur Sozialdemokratie, wo er natürlich bis zu seinem Tode am 1. Dezember 1930 auf dem linken Flügel zu finden war. Bei der Trauerfeier auf dem Wedding nahmen neben vielen führenden Sozialdemokraten - er war schließlich seit 1928 wieder Abgeordneter des preußischen Landtags - auch der Vorsitzende des Deutschen Freidenker- Verbandes, Max Sievers, teil. Seine Urne wurde auf dem Friedhof Friedrichsfelde beigesetzt. Im Jahre 1950 fand seine Urne einen Platz in der Gedenkstätte der Sozialisten, wo hoffentlich an diesem 23. März viele Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten einen Kranz anlässlich seines 150. Geburtstages niederlegen.