Hoefer, Heinz

Geschichte: Personen A-K

Heinz Hoefer

Heinz Hoefer
 

geb. 26. Dezember 1915, gest. 27. September 2013

 

Trauerfeier für Heinz Hoefer: Die Rede von Michael Karnetzki, stellv. Bezirksbürgermeister Steglitz-Zehlendorf

 

Sehr geehrte Frau Hoefer, sehr geehrte Angehörige
sehr geehrte Damen und Herren,
als Stellvertretender Bezirksbürgermeister von Steglitz-Zehlendorf und SPD-Bezirksstadtrat kommt mir die Aufgabe zu, das Wirken des SPD-Kommunalpolitikers Heinz Hoefer zu würdigen. Das ist, ich gebe es zu, angesichts der enormen Zeitdifferenz keine ganz einfache Aufgabe für mich.
Als Heinz Hoefer am 04. Februar 1965 zum Bezirksbürgermeister von Steglitz gewählt wurde, zum letzten sozialdemokratischen Rathauschef in diesem Bezirk, war ich 2 Jahre alt. Als er am 19. Mai 1971 dieses Amt an seinen Nachfolger Helmut Rothacker übergab, ging ich in die 2. Klasse der Grundschule.

Zwei Jahre ist es her, dass wir hier an dieser Stelle den langjährigen Steglitzer SPD-Kreisgeschäftsführer Klaus Reinhard auf seinem letzten Weg begleitet haben. Er hat als SPD-Bezirksverordneter den SPD-Bezirksbürgermeister Hoefer noch in seiner aktiven kommunalpolitischen Tätigkeit erlebt. Und er hätte mir sicher sehr viel über dessen Wirken erzählen können. Mit Klaus Reinhard habe ich noch zusammen in einer BVV-Fraktion der SPD gearbeitet. Über ihn und andere gibt es somit eine direkte Kontinuität sozialdemokratischer Kommunalpolitik in Steglitz und Zehlendorf, die von den Anfangszeiten kurz nach dem Krieg bis heute, von Heinz Hoefer zu mir und meiner Generation reicht. Auf diese Kontinuität des politischen Wirkens für die Menschen vor Ort sind wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, ganz besonders im 150. Gründungsjahr unserer Partei, stolz. Menschen wie Heinz Hoefer verkörpern diese lange Traditionslinie, die wir nicht verstecken müssen.
Als Heinz Hoefer 1965 Bezirksbürgermeister wurde, hatte er fast genauso viele Lebensjahre hinter sich, wie ich heute. Doch was er erlebt hatte, lässt sich mit meinen vergangenen 50 Jahren nicht vergleichen. Geboren wurde er zu Weihnachten im zweiten Kriegsjahr des Ersten Weltkriegs. Dieser Krieg brachte viel Not und Elend über unser Land und unseren Kontinent, das wir uns heute - zum Glück – kaum noch vorstellen können. Und nachher kamen noch weit größeres Leid und größere Not, nicht zuletzt für diejenigen, die als Sozialdemokraten in Opposition zum Nazi-Regime standen.
„In Heinz Hoefers Biographie verdichtet sich ein Dreivierteljahrhundert sozialdemokratischer Geschichte“, heißt es in einem Beitrag über ihn im Geschichtsarchiv der Berliner SPD.
Das ist deutlich untertrieben.
Der damalige SPD-Landesvorsitzende Michael Müller hat ihm im Jahre 2010 persönlich zu seinem 80jährigen Parteijubiläum gratulieren können. In diesem Jahr sind es unvorstellbare 83 Jahre Mitgliedschaft in der SPD geworden. Bis zuletzt nahm er Anteil am politischen Geschehen in der SPD.
Am 1. April 1930 in Berlin-Kreuzberg der SPD beigetreten. Was führte einen Jugendlichen von ge¬rade einmal 14 Jahren in die Partei? Damals war das ganz einfach. Er kam aus einer sozialdemokratischen Familie und hatte natürlich bereits ein paar Jahre in der Sozialistischen Arbeiterjugend hinter sich – als „Eingewöhnungsphase“ sozusagen. Der Bezirk Kreuzberg war damals noch ein klassischer SPD-Abeiterbezirk. Er erinnerte sich noch an die Kuhställe im Hinterhof, zu dem die Kinder zum Milchholen geschickt wurden.
Als Lehrling im preußischen Landwirtschaftsmi-nisterium wurde er 1933 wegen seiner Mitglied-schaft in der SAJ entlassen. Er verlor sogar für einige Jahre das Wohnrecht in Berlin, war im dänischen Exil, arbeitete als Landarbeiter in Brandenburg. Von „halb-legaler“ Arbeit für einen jüdischen Unternehmer in Berlin können wir im erwähnten Geschichtsarchiv der Berliner SPD lesen.
Danach folgte die Zeit als Soldat und in russischer Kriegsgefangenschaft.
Doch gleich nach dem Ende des Krieges und der Rückkehr aus der Gefangenschaft wurde er wieder politisch aktiv. Bereits 1945 trat er der wieder gegründeten SPD bei. Und im März 1949 wurde er Bezirksverordneter in Steglitz, begann sein kommunalpolitisches Wirken in unserem Bezirk.
Heinz Hoefer blieb Bezirksverordneter bis zu seiner Wahl zum Bezirksstadtrat im Jahre 1955, die längste Zeit davon als Fraktionsvorsitzender der SPD.
Wie er dem „Steglitzer Lokalanzeiger“ im Jahre 1987 erzählte, saßen die Bezirksverordneten in den Anfangsjahren zur Winterzeit oft in dicken Wintermänteln in den unbeheizten Räumen des Bezirksparlaments. „Da gab es keine stundenlan¬gen Debatten“, berichtete er, „Da war man schnell bei der Sache und traf Entscheidungen, um sich anschließend irgendwo wieder aufzu¬wärmen.“
Am 9. Februar 1955 wählte ihn die Bezirksverordnetenversammlung Steglitz zum Bezirksstadtrat für Bau- und Wohnungswesen, 10 Jahre später, am 4. Februar 1965 zum Bezirksbürgermeister.
Das war die Zeit des Regierenden Bürgermeisters Willy Brandt, dessen politisches Wirken in der seit 1961 von einer Mauer geteilten Stadt der SPD heute unvorstellbare Wahlerfolge auch in den Berliner Bezirken brachte. Seit der Amtszeit von Helmut Mattis 1946-1950 wurde damals mit Heinz Hoefer somit erstmals auch in Steglitz wieder ein Sozialdemokrat Bürgermeister.
Er war übrigens der einzige Steglitzer Bezirksbürgermeister, der seinen Dienstsitz im Rathaus Lankwitz hatte.
Als er im Mai 1971 aus dem Amt schied, hatte er insgesamt 22 Jahre aktive Kommunalpolitik hinter sich, 6 Jahre als Bezirksverordneter, 16 Jahre im Bezirksamt von Steglitz.
Dieses lange kommunalpolitische Engagement hat bleibende Spuren im Bezirk hinterlassen.
Ich denke hier nicht in an den Steglitzer Kreisel, dessen Bau im Jahre 1968 begann, also in seiner Amtszeit. Die Verantwortung für die mit dem Kreiselbau verbundenen Bauskandale lag nicht bei der Bezirkspolitik, sondern beim Senat.
Aber ein anderes großes und stadtweit bekanntes Bauwerk in Steglitz wird immer mit dem Wirken von Heinz Hoefer verbunden bleiben.
In einem Interview, das im Jahre 2011 erschienen ist, erzählte er darüber die folgende Geschichte: Willy Brandt gehörte zu seinen engeren Freunden. Häufiger war der Regierende Bürgermeister bei ihm zum Abendessen zu Besuch. „Eines Abends kam er allerdings nur kurz, weil er noch in die USA reisen wollte, um dort Spendengelder für die vom Krieg zerstörte Stadt einzutreiben. „Bring mir drei Millionen mit, ich muss hier ein Krankenhaus bauen“, sagte Heinz Hoefer zu seinem Freund. Brandt tat wie gebeten. Aus den drei Millionen wurden allerdings mehrere Hundert.“
Und aus dem eigentlich nur als regionales Schwerpunktkrankenhaus geplanten Bauvorhaben – das Universitätsklinikum Benjamin-Franklin.
Dessen Grundsteinlegung im Jahre 1959 fiel noch in seine Zeit als Baustadtrat. Die Fertigstellung des Klinikums am 9.10.1968 erlebte er als Bezirksbürgermeister.
Ebenso erlebte und begleitete er als Bezirksbürgermeister den Beginn der U-Bahnverlängerung vom Walter-Schreiber-Platz zum Rathaus Steglitz.
Ein besonderer Verdienst kommt Heinz Hoefer je-doch in seinem Tätigkeitsfeld als Baustadtrat zu. Aus dem Bauamt machte er eine „Baubeschleunigungsbehörde“. 30.000 Wohnungen entstanden in seiner Amtszeit in Steglitz.
Dass Menschen ausreichenden, guten, aber auch bezahlbaren Wohnraum benötigen, das gehört zu den wichtigsten Anliegen sozialdemokratischer Kommunalpolitik überhaupt. Heinz Hoefer hat sich dieser Aufgabe engagiert angenommen. So wie es heute wieder ein aktueller Schwerpunkt sozialdemokratischer Politik in Berlin ist.
Sozialdemokratische Kommunalpolitiker haben sich immer dafür engagiert, die Lebensverhältnisse der Menschen vor Ort zu verbessern. Auch Heinz Hoefer hat hier das Seine dazu getan. Zugleich wusste er, wie er im Jahre 2011 sagte, dass es nie eine Stadt geben wird, in der alle mit allem zufrie¬den sind. „Überall wird es Dinge geben, die einen ärgern.“ Er meinte, dass man auch sehen müsse, „dass man in Berlin keine Wunschbilder malen kann und nie eine bürgerlich-saubere Stadt be-kommen wird. Wo so viele Millionen Menschen zu¬sammenleben, wird es immer auch Lumpen ge¬ben.“
Vielleicht sind das ganz hilfreiche Worte gegen die Allmachtserwartung an Politik, die wir mitnehmen sollten.
Die SPD und der Bezirk Steglitz-Zehlendorf haben einen Mann verloren, der prägenden Einfluss genommen hat und dauerhafte Spuren hinterlassen hat. Er wird nicht vergessen werden.

(gehalten auf der Trauerfeier am 14. Oktober 2013, im Julius-Grieneisen-Haus)



Trauer um Heinz Hoefer

Ehemaliger Steglitzer Bürgermeister starb im Alter von 97 Jahren

Im Alter von 97 Jahren ist am 27. September der frühere Steglitzer Stadtrat und Bezirksbürgermeister Heinz Hoefer verstorben.
Immer wieder hat man ihn auf SPD-Veranstaltungen gesehen, wenn auch in den vergangenen Jahren notgedrungen im Rollstuhl. Die Verbundenheit zur Sozialdemokratie hat ihn ein Leben lang begleitet. Mit zehn Jahren wurde Heinz Hoefer Mitglied der SAJ, der Sozialistischen Arbeiterjugend. Sein Vater, selbst Sozialdemokrat in Kreuzberg, unterstützte ihn dabei. Am 1. April 1930 trat der 14jährige in die SPD ein.
Geboren wurde Heinz Hoefer am 26. Dezember 1915. Nach der Schulzeit begann er eine Lehre bei einer Siedlungsgesellschaft. Den Nazis entzog er sich für kurze Zeit durch den Aufenthalt in Dänemark, es folgten halb-legale Tätigkeiten für einen jüdischen Unternehmer, Arbeits- und Wehrdienst. Er wurde in der Endphase des Kriegs verwundet, lag wochenlang im Koma. Wieder in Berlin wurde er Prokurist einer Wohnungsbaugesellschaft und engagierte sich zugleich für die Sozialdemokratie in der Steglitzer Kommunalpolitik als Bezirksverordneter, als Fraktionsvorsitzender in der BVV und als Baustadtrat. Von 1965 bis 1971 war er schließlich Bezirksbürgermeister. 30.000 Wohnungen entstanden in seiner Amtszeit. Er habe aus der Bauverwaltung eine „Baubeschleunigungsbehörde“ gemacht, berichtete er später nicht ohne Stolz.
Seine Leistung wurde nicht nur im Bezirk anerkannt, dessen Partnerschaften zu anderen Gemeinden er im Sinne von Völkerverständigung und -freundschaft pflegte. Ihm wurde die Medaille der französischen Ehrenlegion und das große goldene Ehrenzeichen von Niederösterreich verliehen sowie das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.
Mehr als 60 Jahre war Heinz Hoefer Mitglied der Arbeiterwohlfahrt, er engagierte sich in der Ella-Kay-Stiftung. Mit ihm verliert die Berliner SPD einen Sozialdemokraten, der den Wiederaufbau Berlins vorangetrieben und das Vertrauen in die Sozialdemokratie gestärkt hat, der Tatkraft und Engagement für die Menschen verbunden hat und der seiner Partei viele Jahrzente mit Rat und Tat zur Seite gestanden hat. uh
Die Trauerfeier findet am 14. Oktober um 12 Uhr im Julius-Grieneisen-Haus am Fürstenbrunner Weg 10-12, 14059 Berlin-Charlottenburg, statt.

Aus: BERLINER STIMME 20-2013, 12. Oktober 2013

 

Heinz Hoefer – ein Leben in der Sozialdemokratie

Schon als zehnjähriger Schuljunge war Heinz Hoefer Mitglied der SAJ. Vier Jahre später, am 1. April 1930, trat er der Kreuzberger SPD bei. Nun gehört er der Partei seit 75 Jahren an – ein Jubiläum, zu dem wir herzlich gratulieren.
In Heinz Hoefers Biographie verdichtet sich ein Dreivierteljahrhundert sozialdemokratischer Geschichte. Die Nazi-Zeit war für ihn eine harte Probe. Nach der Flucht ins dänische Exil und der Rückkehr nach Berlin folgt die halb-legale Arbeit für einen jüdischen Unternehmer. Danach Arbeitsdienst, Wehrmacht und sowjetische Kriegsgefangenschaft.
1947 schaffte es Heinz Hoefer zurückzukommen nach Berlin. Hier fand er in Steglitz eine neue politische Heimat. Mit ebensoviel Elan wie Sachverstand widmete er sich fortan der Kommunalpolitik. Viele Jahre wirkte er als erfolgreicher Steglitzer Baudezernent, ehe er dort von 1965 bis 1971 als sozialdemokratischer Bürgermeister amtierte. Dabei blieb er seinem Stil stets treu: Zupackend, ohne Schnörkel und immer gut informiert war er ein Kommunalpolitiker mit Leib und Seele. So gelang es ihm mit der Unterstützung Willy Brandts, den er seit 1949 kannte, die Benjamin-Franklin-Stiftung und damit das Klinikum nach Steglitz zu holen.
Nach seinem Rückzug aus der Berufspolitik blieb Heinz Hoefer noch Zeit für eine zweite, nicht weniger erfolgreiche Karriere. Er wurde zum umsichtigen Aufsichtsratvorsitzenden der IDEAL, einer Lebensversicherung mit sozialdemokratischen Wurzeln.
Was uns besonders freut ist, dass Heinz Hoefer – trotz gesundheitlicher Schwierigkeiten – noch heute aktiv am Parteileben teilnimmt. Er ist geblieben, was er immer war: Ein Kämpfer und Vorbild für viele. Dafür danken wir ihm!

aus: Berliner Stimme, März 2005

 

Das Bild zeigt Heinz Hoefer 2011 auf dem Landesparteitag der Berliner SPD. Foto: Ulrich Horb