Hirschfeld, Dorothea

Geschichte: Personen A-K

Dorothea Hirschfeld

Geboren am 26. Februar 1877 in Berlin, gestorben am 12. Juni 1966 in Berlin (West).
Stadtverordnete der SPD von 1919 bis 1920.

Dorothea Hirschfeld, Tochter eines jüdischen Kaufmanns, arbeitet nach einer Ausbildung als Bibliothekarin ab 1904 bei der Berliner Zentralstelle für Armenpflege und Wohltätigkeit. 1916 gründet sie mit Else Lüders, Gertrud Israel und Hedwig Wachenheim den Deutschen Verband der Sozialbeamtinnen, dessen Vorstand sie angehört. 1918 wird sie Mitglied der SPD, ein Jahr später gehört sie zu den Mitbegründerinnen der Arbeiterwohlfahrt (AWO).

Als erste Frau wird sie 1919 Mitarbeiterin des Reichsarbeitsministeriums, ab 1920 leitet sie als Ministerialrätin das Referat Kriegerwitwen- und Kriegerwaisenfürsorge.

In der AWO übernimmt sie 1925 die Leitung des Fachausschusses Allgemeine Fürsorge. Sie wendet sich gegen Thesen von der Erblichkeit z.B. des Alkoholismus und stellt die gesellschaftlichen Ursachen sozialer Probleme in den Vordergrund.

Als Jüdin wird sie 1933 von den Nazis entlassen, sie erhält nur einen geringen Teil der ihr zustehenden Pension. 1942 wird ihr Vermögen eingezogen, sie selbst ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Sie überlebt und kehrt 1945 nach Berlin zurück. Ihre Schwester hatte drei Wochen nach der Deportation von Dorothea Hirschfeld Selbstmord begangen, ein jüngerer Bruder, der 1938 in das KZ Buchenwald gebracht wurde, starb kurz nach der Entlassung.

Von Oktober 1945 bis 1948 arbeitet sie als Referentin in der Hauptverwaltung für das Gesundheitswesen in der sowjetisch besetzten Zone Deutschlands. Die AWO beruft sie in das Kuratorium des Sozialpädagogischen Instituts.

1966 stirbt sie im Alter von 89 Jahren in Berlin-Tempelhof.

 

Nach Dortothea Hirschfeld ist einer der Sitzungssäle im Kurt-Schumacher-Haus, dem Sitz des Berliner SPD-Landesverbandes, benannt.

 

Quellen: Vor die Tür gesetzt, herausgegeben vom  Verein Aktives Museum, Berlin 2006

Berliner Stimme.