Hannemann, Maria

Geschichte: Personen A-K

Maria Hannemann

ist 1908 geboren und 1955 gestorben.



Sie hatte Jura studiert und ist 1933 relegiert (von der Hochschule verwiesen) worden. 1945/46 war sie Frauenreferentin beim Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB). 1946/47 hat sie als Leiterin der Pressestelle der SPD Berlin gearbeitet und war später bei der Senatsverwaltung für Arbeit beschäftigt.

Sie ist 1923 in die Sozialistische Arbeiter Jugend (SAJ) und ein paar Jahre später in die SPD eingetreten. 1946 wurde sie Frauensekretärin im Kreis Neukölln, im April 1946 Landesparteitagsdelegierte, im April 1946 Frauenbeisitzerin im SPD-Landesvorstand, 1946 Schriftführerin im AWO-Landesvorstand. Sie war in SPD-Betriebsgruppen sowohl beim FDGB als auch in der Senatsverwaltung engagiert und zeitweise hat sie die Gruppen auch geleitet.

Unter den Nationalsozialisten gehörte Maria Hannemann zum Umfeld der ab 1933 in beiden großen Arbeiterparteien konspirativ agierenden Organisation „Neu Beginnen“. Die Berliner SAJ hatte diese Organisation schon 1932 auf die Illegalität umgestellt und damit einen Konflikt mit der SPD-Führung provoziert. Weil sie dem sozialistischen Studentenbund angehörte, wurde Maria Hannemann das Stipendium gestrichen, so dass sie ihr Studium nicht fortsetzen konnte.

Nach dem Krieg, gegen Ende 1945 gab es innerhalb der SPD im Westteil Berlin Neigungen einer Vereinigung von SPD und KPD zuzustimmen. Zu diesen Befürwortern gehörte auch der damalige SPD-Kreisvorsitzende Neuköllns. Maria Hannemann setzte sich dagegen zusammen mit ehemaligen Vertrauten der Gruppe „Neu Beginnen“ für eine Kooperation mit der KPD in genau abgesprochenem Rahmen und gegen eine Verschmelzung ein. In ihrer Heimatabteilung Britz konnte sie sich deutlich mit 720 : 60 Stimmen hierfür durchsetzen. Auf der Konferenz der Berliner sozialdemokratischen Betriebsgruppenfunktionäre und Betriebsräte am 15.3.1946 hatte sie ihre Position durch einen Antrag zur Kenntnis gebracht. Die Versammlung stimmte über diesen Antrag nicht ab und beschloss statt dessen eine Resolution, die sich zu den „Grundsätzen und Zielen der SED“ bekannte.

Aufgrund ihrer Haltung in diesem Konflikt schloss der SPD-Zentralausschuss Maria im April 1946 aus der SPD aus. In einer Urabstimmung hatten die Mitglieder der SPD gegen die Zusammenlegung von KPD und SPD votiert. In der fortbestehenden SPD war die Ausschluss von Maria Hannemann daher nicht wirksam. Auf dem 2. Parteitag im April 1946 dokumentierte die Berliner SPD ihre Unabhängigkeit vom Zentralausschuss. Auf diesem Parteitag wurde Maria in den Landesvorstand gewählt.

Karin Müller

Quelle: Bettina Michalski, Louise Schroeders Schwestern, 1996, S. 115 f.