Härting, Friedrich Wilhelm

Geschichte: Personen A-K

Friedrich Wilhelm Härting

Sein kämpferisches Herz schlägt nicht mehr. Am 12. September 2000 verstarb Fritz, wie ihn seine Freunde nannten, völlig unerwartet und direkt aus dem Leben gerissen, in seinem Urlaubsort an der Ostsee.

1910 in Berlin - Schöneberg geboren, erlebte er Not und Elend jener Jahre. Inflation und Weltwirtschaftskrise sollten sein späteres Wirken prägen. Unehelich, von den Eltern verstoßen, verbrachte er mehrere Jahre im Großen-Friedrich-Waisenhaus in Berlin - Rummelsburg und in der Adolf-Kessel-Anstalt in Schweidnitz.

Ein neues Zuhause fand er in der Familie Seigewasser. Vater Seigewasser brachte ihn zur SPD. Die Freundschaft zum Sohn, Hans Seigewasser, führte ihn wenige Jahre später zur Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP). Den Weg zur KPD, den Hans Seigewasser danach ging, vollzog Fritz Härting nicht. Seigewassers Tätigkeit in der KPD und der "Roten Hilfe" brachte auch Fritz, der weiterhin mit ihm befreundet war, in manch bedrohliche Situation. Die Festnahme Hans Seigewassers 1935 erlebte er unmittelbar. Mit ihm verabredet , sah er, wie dunkle Limousinen vor einem Hauseingang hielten und die Gestapo seinen Freund festnahm. Hans Seigewasser kam ins KZ und wurde 1945 befreit. Ein Verhör bei der Gestapo überstand Fritz unbeschadet.
Eine schicksalhafte Wendung nahm sein Leben 1935, als ihn eine Netzhautablösung erblinden ließ. Fortan lebte er in einer dunklen Welt, die er aber mit Bravour meisterte. Er machte Abitur und begann noch während der Kriegszeit sein Jurastudium in Berlin.

Die Zwangsvereinigung ließ ihn kurzzeitig zum SED-Mitglied werden, aber seine politische Heimat war immer die SPD, und so zog er vom osthavelländischen Rohrbeck nach West-Berlin und begann dort seine berufliche Laufbahn als Jurist. Es folgten Freundschaften zu damaligen Politikergrößen, wie Berlins 1. Bürgermeisterin Louise Schröder und dem früheren Reichsarbeitsminister und Reichstagsabgeordneten Rudolf Wissell. Fritz Härting setzte sich für das Genossenschaftswesen ein, arbeitete später als Arbeits- und Sozialrechtler in der Senatsverwaltung. 1962 zog er nach Frohnau, nachdem er sich mit seiner zweiten Frau - seine erste Frau wurde Ende Mai 1945 von einem sowjetischen Soldaten erschossen - den Kindern und guten Freunden eigenhändig ein Haus gebaut hatte. Von nun an verlegte er seine politische Tätigkeit in die Frohnauer Abteilung. Viele Jungsozialisten lernten von ihm. Sein phänomenales Gedächtnis, seine kenntnisreichen Vorträge zur deutschen Geschichte und nicht zuletzt seine sozialistische Gesinnung machten ihn zu einem interessanten Gesprächspartner. Noch vor wenigen Wochen konnten wir seinen 90. Geburtstag feiern.

Beeindruckend war seine enorme Willens- und Schaffenskraft, seine Durchsetzungsfähigkeit und Geradlinigkeit. Ein wenig enttäuscht von der SPD, die ihm viele Errungenschaften des Sozialismus aufzugeben schien, ließ ihn, konsequent und dickschädelig wie er eben auch war, ein letztes Zeichen setzend, noch wenige Tage vor seinem 90. Geburtstag austreten. Ein Leben für den Sozialismus fand ein Ende, seine Visionen auf eine bessere und sozialere Welt nahm er mit ins Grab. Die Frohnauer Genossen, die Reinickendorfer SPD trauern um ihn. Deinen Rat werden wir vermissen. Adieu Fritz.
Peter Hüne