Gohlke, Rudolf

Geschichte: Personen A-K

Rudolf Gohlke

Rudolf Gohlke
 

Unser Genosse Rudolf Gohlke wurde am 28.08.1913 geboren. Bei fast jedem Gespräch mit ihm, kommt man nach zwei bis drei Sätzen auf sein Lieblingsthema, die SPD. Und da sich fast alles um die SPD dreht, unterhalten wir uns so gerne mit ihm. Seine Erfahrungen sind uns heute noch außerordentlich wichtig.

Seien es die Auseinandersetzungen als Mitglied des Reichsbanners bis 1933 mit den NAZI's, oder die Repressalien durch die Kommunisten von KPD und SED nach 1945, immer waren es Genossen der SPD, die den Diktatoren von Rechts und Links entgegentraten. Seit 1922 war Rudolf bei den Kinderfreunden, seit 1927 in der SAJ und ab 1931bis 1933 im Reichsbanner, dem Kampfbund der Sozialdemokraten, organisiert und nicht zuletzt seit 1932 Mitglied der SPD.

Seine Erfahrungen mit dem Nazi-Terror machte er schon Anfang der 30-ßiger Jahre. Er wurde eingesperrt und nur seinem Vater war es zu danken, daß er wieder frei kam. Allerdings war er den Nazis so suspekt, daß Rudolf nicht zur Wehrmacht eingezogen wurde, sondern als Mitarbeiter der Reichsbahn in der besetzten Sowjetunion arbeiten mußte.

Nach Kriegsende endlich die erhoffte Freiheit. Aber wie lange? Schon bei den ersten Wahlen zum Magistrat wurden Mitglieder der SPD auf ihren Arbeitsstellen in Ostberlin massiv unter Druck gesetzt. Wie die meisten widerstand Rudolf dem Druck und wählte SPD.
Viele Genossen mußten in den freien Teil Berlins fliehen. Rudolf blieb im Ostteil und wurde vom Bahnhof Friedrichstraße nach Berlin-Buch versetzt.

Trotz seiner Mitgliedschaft in der verhaßten Partei, wollte oder konnte man auf einen guten Mitarbeiter nicht verzichten. Aber seine Karriere war beendet. SED-Leute wurden ihm vor die Nase gesetzt. Aber seine Beförderung zum Reichsbahnoberinspektor konnten auch die Herren der SED nicht blockieren, dazu war seine Arbeit zu gut.
Wieviel Haß die Kommunisten auf ihn hatten, erfuhr er erst, als er seine Stasi-Akte einsehen konnte.

Er und seine Familie wurden seit 1950 ausspioniert und verleumdet. Diese Tatsache läßt ihn noch heute nicht los und er mahnt uns, dafür zu arbeiten, daß die Demokratie als die Voraussetzung eines menschenwürdigen Lebens in der Gesellschaft gestärkt wird.

Uwe Ganzel (OA-Vorsitzender Berlin-Buch)

(Mai 2000)