Gersie, Marie

Geschichte: Personen A-K

Marie Gersie

geb. Wolf ist am 18.4.1900 in Schweina bei Bad Liebenstein geboren. Sie ist 1922 in die SPD eingetreten und 1951 nach ihrer Weigerung in die durch die Zwangsvereinigung von KPD und SPD entstandene SED einzutreten, ausgeschlossen worden. Von 1949 bis 1950 war Marie Gersie Bezirksstadträtin für Volksbildung in Schöneberg.


Sie war Diplomkauffrau und Diplom-Handelskauffrau und hatte eine Lehrtätigkeit bis sie 1933 entlassen wurde. Ihre angestrebte Promotion war ihr durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten nicht mehr möglich. Sie wurde von den Nationalsozialisten wiederholt gemaßregelt. Nach Unterrichtsverboten erhielt sie eine Dienstverpflichtung für die Rüstungsproduktion.
Nach dem Krieg unterstützte sie im Mai 1945 in der Handelslehranstalt Neukölln die Einrichtung von Umschulungskursen für Kriegsschwerbeschädigte als Buchbinder, Gebrauchsgraphiker, technische Zeichner und Feinmechaniker. Sie leitete also einen handwerklichen Ausbildungsbereich. Dies war damals nicht selbstverständlich für eine Frau.
Da es zu Konflikten mit ihren Vorgesetzten kam, die der KPD angehörten, wurde sie entlassen und wechselte in das Landesamt für Volksbildung in Thüringen. Weil sie sich dort weigerte der SED beizutreten, wurde sie erneut entlassen.
In den Westbezirken Berlins war man gern bereit die im Ostteil Deutschlands aus politischen Gründen entlassenen Sozialdemokraten aufzunehmen und ihnen auch bezahlte Arbeit zu geben.
Die Neuköllner Parteizentrale hob das „große fachliche Können“ von Marie Gersie hervor. Sie sei „ein Mensch mit Denkvermögen, sehr selbstbewusst“. Ella Kay, die als stellvertretende Landesvorsitzende die sozialdemokratische Personalpolitik koordinierte war aber eine derjenigen, die Marie Gersie nicht so einfach bestimmte Ämter in der Partei überlassen wollte.
1949 übernahm sie in Schöneberg dennoch das Amt der Bezirksstadträtin für Volksbildung.
Nach ihrer Amtsübernahme warfen ihr Mitglieder der SPD noch vor Ende der Legislaturperiode vor anlässlich einer Geburtstagsfeier Schnaps im sowjetischen Sektor eingekauft und eine Arzt aufgesucht zu haben. Dies wurde als ein sehr schwerwiegendes Verhalten innerhalb der SPD in West-Berlin bewertet. In einer gemeinsamen Sitzung hatte der SPD-Landesvorstand und die Fraktion im November 1951 vom Senat „energische polizeiliche Maßnahmen“ gefordert, „um im Westsektor Berlins wohnende Personen, die ihre Einkäufe im Ostsektor tätigen, zu erfassen“; den Betroffenen solle „der Arbeitsplatz zugunsten eines Arbeitslosen entzogen werden“.
Marie Gersie verlor ihren Arbeitsplatz als Bezirksstadträtin, und wurde im Februar 1951 vom Schöneberger Kreisverband aus der SPD ausgeschlossen. In den Akten finden sich keine Hinweise auf einen erfolgreichen Widerspruch.

Karin Müller

Quelle: Bettina Michalski, „Louise Schroeders Schwestern“, Bonn 1996, S. 102-104.