Froebel, Ernst

Geschichte: Personen A-K

Ernst Froebel

geb. 29.10.1912

gest. 19.3. 2001

 

Ernst Froebel wurde am 29. Oktober 1912 als Sohn einer Milchverkäuferin und Stiefsohn eines Beamten der Reichsbahn in Berlin geboren. Nach Abschluss der Volksschule mit 14 Jahren absolvierte er eine Sattlerlehre in der Niederlausitz. Nach der Rückkehr nach Berlin arbeitete er in der Polsterei einer Waggonfabrik. An seinem 18. Geburtstag trat er  der SPD bei.

1936 wurde er wegen seines Widerstands gegen die Nazi-Diktatur zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Obwohl für „wehrunwürdig“ erklärt, wurde er in das Strafbattaillon 999 nach Tunesien eingezogen. Bald darauf geriet er in Kriegsgefangenschaft. 1947 kehrt er zurück nach Berlin.
Ernst Froebel widmete sich der Völkerverständigung und der Aussöhnung mit unseren europäischen Nachbarn mehr durch Taten als durch Reden. Er baute u. a. die Kontakte zu den überlebenden Frauen und Kindern von Lidice/Tschechien auf. Als Zeitzeuge vermittelte er vielen jungen Menschen seine Erfahrungen, die er durch die Verfolgungen in der Nazizeit erleiden musste. Heute trägt eine Schule in Glienicke seinen Namen.

 

Der Arbeitskreis Politische Bildung


Ernst Froebel, während der Nazizeit im Widerstand,  reiste nach dem Kriege mit Jugendlichen zu Stätten nationalsozialistischen Unrechts.Eine seiner Reisen führte ihn 1984 nach Lidice, wo er mit Freunden, die der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands nahe stehen, die ersten 50 Rosenstöcke aus dem Westteil der Stadt Berlin nach Lidice brachte. Jeder Teilnehmer  pflanzte seine Rose persönlich, als Ausdruck seines Bekenntnisses für Lidice. Aus dieser Zeit stammen die freundschaftlichen Verbindungen zu Olga

Zamecnikova, Mila Kalibova, Vaclav Zelenka, Vaclav Hanf, Pavel Horesovsky, Jiri Müller, Emelie Frejova und  vielen anderen der überlebenden Frauen und Kinder aus Lidice.

Seit 1989 besteht der Arbeitskreis als eingetragener Verein. Er hat sich zum Ziel gesetzt, der Völkerfreundschaft zu dienen und im Besonderen Kontakte zu den überlebenden Frauen und Kindern von Lidice zu entwickeln. Seit 1990 finden Besuche und Gegenbesuche zwischen Lidice und Berlin statt.

Für sein unermüdliches Engagement für Lidice, überreichte im Mai 1994 der damalige Reinickendorfer Bürgermeister Detlef Dzembritzki im Auftrage des Bundespräsidenten Ernst Froebel das Bundesverdienstkreuz und im Juni 1994 wurde Ernst Froebel von der Gemeinde Lidice zum Ehrenbürger ernannt. Das Bundesverdienstkreuz nahm er entgegen, stellvertretend für alle Mitarbeiter des Arbeitskreises, wie er erklärte, die Ehrenbürgerschaft von Lidice war für ihn eine der größten persönlichen Auszeichnungen seines Lebens.

Auf seine Initiative wurde 1995 vor dem Rathaus Reinickendorf in Berlin, ein Rosenbeet mit 50 Rosen aus Lidice eingeweiht. Auf einer Gedenktafel stehen die Worte von Thomas Mann: „Deutsche, ihr sollt es wissen. Entsetzen, Scham und Reue ist das Erste, was Not tut.“

 

Nachruf März 2001

Unser Freund und Ehrenvorsitzender Ernst Froebel ist am 19. März 2001 von uns gegangen. Sein schicksalsreiches, erfülltes Leben ist beendet. Vielen von uns war er als Vorbild über Jahrzehnte verbunden.
Ernst Froebel widmete sich der Völkerverständigung und der Aussöhnung mit unseren europäischen Nachbarn mehr durch Taten als durch Reden. Er baute u.a. die Kontakte zu den über-lebenden Frauen und Kindern von Lidice/Tschechien auf, deren Freundschaft wir uns heute versichern können. Als Zeitzeuge vermittelte er vielen jungen Menschen seine Erfahrungen, die er durch die Verfolgungen in der Nazizeit erleiden musste.
Er war Ehrenbürger von Lidice und Träger des Bundesverdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland. Wir vermissen einen engagierten, ideenreichen und optimistischen Menschen, um den wir sehr trauern.

Helmut Walz, Andreas Raue, Christian Jacobs (Arbeitskreis politische Bildung e.V. )