Fleck, Margarete

Geschichte: Personen A-K

Margarete Fleck

Margarete Pagel, geboren am 24. September 1906 in Berlin-Wedding, drittes Kind von Luise Pagel, Besuch der Volksschule von 1912-1920, anschließend Lehre als Verkäuferin, durch Krankheit, Verschickung, dann Aufnahme einer Lehre als Modewarennäherin, Mitglied der SAJ von 1921-1926, SPD-Mitglied seit 1926 und dann von 1945 wieder, 1933 Heirat, Widerstandsarbeit, Versorgung von Fremdarbeiterinnen in der Prinzenallee 58, 1941 und 1943 Geburt ihrer Kinder Hannelore und Peter, 1947 Aufbau einer Kindergruppe der Falken in der Gotenburger Straße, 1950 Wiederaufnahme des Berufs in Heimarbeit, 1953 Scheidung von Max Fleck, Elternvertreterin, Mitglied der Arbeiterwohlfahrt, Mitarbeit in der Sozialkommission und im Arbeitskreis "Neue Erziehung",
Beisitzerin und Kassiererin in der Abteilung, 1980 noch Beisitzerin im Vorstand der AsF-Wedding, Bürgerdeputierte im Ausschuss für Volksbildung vom 18.02.1959-18.11.1964, Bezirksverordnete vom 19.11.1964 bis zum 19.04.1975, u.a. im Ältestenrat, Geschäftsordnungs- und Wahlprüfungsausschuss, im Aufschuss für Eingaben und Beschwerden, Volksbildung und Gesundheit, Vertretung in Schulwesen, Verwaltung, Bauwesen und Soziales. Als Bezirksverordnete Mitteilnahme an Schülerdiskussionen zum Thema Widerstand. Von 1975-1979 Bürgerdeputierte im Ausschuss für Gesundheitswesen. Im Oktober 1975 Verleihung des Bundesverdienstkreuzes. Im Jahr 1991 Ehrung für 70 Jahre Mitgliedschaft in der SPD. Am 2. Juli 1992 starb Margarete Fleck im Wedding.

Ende der 30er Jahre: Eine Schreibmaschine wurde gebracht und die älteste Schwester von Margarete, gleich nach dem Machtwechsel durch Hitler und seine Gehilfen aus dem öffentlichen Dienst "entfernt", schrieb dort stundenlang. Es war die Gruppe um Theodor Haubach, der selbst am 20 Juli 1944 im Rahmen des großen Abrechnens der Nazis mit dem deutschen Widerstand in Plötzensee umgebracht wurde. Jetzt erinnert eine Straße in Charlottenburg an ihn.
Margarete war furchtlos, wollte nach dem, was sie selbst auf ihrer Arbeitsstelle in der Textilbranche und durch Aufmerksamkeit in der Stadt bereits von den Veränderungen und dem Verschwinden von Menschen bemerkt hatte, anderen die Augen öffnen, Kräfte gegen das mörderische Regime sammeln helfen, auch Untergetauchten helfen können. Sie fuhr mit zu den Stellen, wo die Flugblätter dann weitergegeben wurden - z .B. im Wald, an stillen Plätzen - war "Tarnung", so etwa wenn ein Mensch, vor allem Polizist o. ä. auftaucht, sind wir einfach ein liebend Paar. "Damals war es noch eine große Gruppe, und die sind dann mit dem Rad rausgefahren. Und wir sind, mein Mann und ich, mit Theo Haubach. Der hat uns abgeholt von Zuhause. Und dann haben sich die Männer da im Wald getroffen. Wir hatten dann verabredet, aber es ist nie dazu gekommen, wenn jemand kommt - ich blieb ja denn auf der Straße beim Auto - wenn jemand kommt, würde ich ganz laut sagen. ,Mein Mann ist gerade mal...!"'

Doch dann mischte sich wieder ein Madchen in das politische Handeln ein. 1941 war es nicht mehr zu übersehen, dass Margarete Mutter werden würde. Theo Haubachs Kommentar: "Über Dich konntest Du selbst bestimmen, aber ein Kind wird nicht gefährdet." Die Treffen fanden woanders statt, Margarete wurde zurückgezogen. Sie wurde dadurch aber nicht stiller und sah natürlich immer noch das Furchtbare, litt darunter und half, wo es etwas zu helfen gab. So z .B. einer Frau aus dem Haus, die ihren jüdischen Mann versteckte, oder den zur Zwangsarbeit auf dem hinteren Grundstücksteil untergebrachten polnischen jungen Frauen.
Was wurde aus dem Mädchen - geboren 1941? Ganz einfach es hatte zusammen mit dem später geborenen Bruder trotz der Nachkriegszeit eine wunderbare Kindheit, lernte früh Verantwortung anzunehmen, Unrecht zu erkennen und dagegen anzugehen und erfuhr von der Mutter, anders als die meisten anderen Kinder, schon frühzeitig die politischen Hintergründe der vergangenen Jahre und ihr wurden die Bewahrung und Weiterentwicklung der demokratischen Grundwerte mit auf den Weg gegeben Die Mutter wurde aktiv in der Kommunalpolitik - die Kinder erlebten es hautnah mit.

Die AsF Wedding hat 1989 zu einer Veranstaltung zum Thema ,,70 Jahre Frauenwahlrecht" eingeladen. "Referentin" war u.a. Margarete Fleck, die aus ihrem Leben berichtete. Die anwesenden Frauen waren genauso wie ich hingerissen von ihrer Lebendigkeit, ihrer mitreißenden Art zu erzählen. Zu erzählen aus einem Leben, das geprägt war von der Mitarbeit in der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung. Mir ist diese Veranstaltung in der Erinnerung geblieben als wäre sie gestern gewesen.

Claudia Sucker

Quellen: Juli-Ausgabe 1998 der Abteilungszeitung "Wir, die 14" - Autorin: Hannelore Jahn,
Beitrag des Bildungsprogramms des RIAS Berlin ,Der arme Bezirk - die Geschichte des Berliner Weddings", Autor Ulf Dammann, Redaktion Manfred Rexin, Ausstrahlung am 11. Mai 1989