Fechner, Gisela

Geschichte: Personen A-K

Gisela Fechner

geb. 5. November 1926 in Gelsenkirchen, verheiratet, ein Kind.
Hauptschule, 1941 bis 1943 Handelslehranstalt (Berufsfachschule), 1943 bis 1945 Sekretärin in einem Luftfahrtgerätewerk, 1945 bis 1947 Angestellte im Bezirksamt Spandau, 1947 bis 1950 Sekretärin beim Custodian der britischen Militärregierung für das Vermögen der NSDAP und ihrer Mitglieder. 1951 bis 1955 Sekretärin in der Treuhandstelle für Interzonenhandel. 1955 bis 1964 nicht berufstätig, 1957 bis 1963 ehrenamtliche Verwaltungsrichterin. 1964 bis 1971 Rechtsanwaltssekretärin.
1945 Eintritt in die SPD, 1957 zur Kreisdelegierten gewählt, 1967 Mitglied des Kreisvorstandes der SPD Spandau. 1971 Landesparteitagsdelegierte.
1963 bis 1967 Bürgerdeputierte in der Schuldeputation des Bezirks Spandau, 1967 bis 1971 Bezirksverordnete in Spandau, 1971 im Wahlkreis 7/Spandau als Abgeordnete gewählt. Mitglied des Abgeordnetenhauses bis 1985.

Ehrung 1985

Am 11. Dezember 1985 wurde Gisela Fechner mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse ausgezeichnet. Bei der Verleihung des Verdienstkreuzes (gemeinsam mit den SPD-Abgeordneten Fritz Hiersemann und Artur Prozell) sagte der damalige Parlamentspräsident Peter Rebsch (CDU):
"Wenn ich mich zuerst Ihnen, liebe Frau Fechner, zuwende, dann sicherlich nicht nur, weil das Alphabet eine derartige Reihenfolge vorsieht, sondern auch aus Respekt vor der Dame, als der wir Sie alle kennen und schätzen gelernt haben. Sie haben sich - gewissermaßen - von der großen Politik zurückgezogen, aber sicherlich nicht, um fernab von "Berlin" in "Spandau" zu privatisieren. Auch nach Ihrem Ausscheiden aus dem Abgeordnetenhaus kümmern Sie sich um die Belange Ihres ehemaligen Wahlkreises, der mit all den menschlichen und sozialen Problemen schon längst zu Ihrem "Kiez" geworden ist. Während Ihrer vierzehnjährigen Zugehörigkeit engagierten Sie sich vor allen Dingen im Petitions- und im Rechtsauschuss. Dabei galt Ihr Einsatz insbesondere den Belangen des Justizvollzugs und - hier bitte ich, mich nicht falsch zu verstehen - dem "Wohlergehen" der Inhaftierten. Nicht nur Insidern ist Ihr Eintreten für eine angemessene Gefangenenkost noch in bester Erinnerung.
Ihr Sachverstand war aber auch im rechts- und Schulausschuss stets gefragt. Nicht unerwähnt darf an dieser Stelle auch bleiben, dass Sie für einen langen Zeitraum dem Gnadenausschuss angehörten, um auch dort Ihrem Faible, dem Justizvollzug, treu zu bleiben. Ungezählt sind Ihre vielen Ehrenämter und -mitgliedschaften. Ihre langjährige Zugehörigkeit zur Arbeiterwohlfahrt und zum roten Kreuz zeugen ebenfalls von Ihrer menschlichen Anteilnahme am Schicksal der sozial Schwachen in unserer Gesellschaft. Ganz zu schweigen von der Popularität, die Sie inzwischen durch Ihr Wirken für die Gartenstadt Staaken und den Deutschen Siedlerbund erlangt haben. Da war es nur selbstverständlich, dass Sie in die Ehrenabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Staaken aufgenommen wurden. Kurzum, liebe Frau Fechner, Ihr Einsatz an der und für die Basis war selten mit großen Schlagzeilen verbunden. Ihnen kam es nie darauf an, sich persönlich in den Vordergrund zu stellen; Profilierungssucht war und ist Ihrem Charakter und Ihrer Mentalität fremd. Der Mensch steht stets im Mittelpunkt Ihres sozialen und menschlichen Engagements.
Schon 1945 traten Sie der SPD bei. Sie gehörten damit zu den ersten in unserer Stadt, die am Wiederaufbau unseres Berlin Anteil hatten Ihre Tätigkeiten bei der Britischen Militärregierung und in der Treuhandstelle für Interzonenhandel trugen auch dazu bei, dass der Zusammenbruch schnell überwunden werden konnte. Sie haben für unsere Parlament und für unser Gemeinwesen über vier Jahrzehnte wertvolle Arbeit geleistet. Dafür möchte ich Ihnen meinen Dank aussprechen."
aus: Landespressedienst vom 11. Dezember 1985, Nr. 239 (Aus dem Abgeordnetenhaus)

Recherche: U. Horb