Evers, Carl-Heinz

Geschichte: Personen A-K

Carl-Heinz Evers

Carl-Heinz Evers
geb. 23. Januar 1922 in Freden/Leine
gest.  13. August 2010

Carl-Heinz Evers prägte in den sechziger Jahren entscheidend die Bildungspolitik
der SPD, er engagierte sich für eine demokratische und durchlässige Schule und
für die Idee der Gesamtschule. Seine der Zeit weit vorauseilenden Ziele in der
Bildungspolitik bestimmten 1969 das Wahlprogramm der SPD im Bundestagswahlkampf.


1940 Abitur
anschließend Arbeitsdienst, Einberufung zur Kriegsmarine und sowjetische
Kriegsgefangenschaft
1945 Eintritt in die SPD, nach der Zwangsvereinigung Wechsel zur Ost-CDU, um
nicht der SED angehören zu müssen
1946 Studium der Mathematik, Physik, Philosophie und Pädagogik in Halle/Saale
1950 Flucht nach West-Berlin, Wiedereintritt in die SPD, Studium an der FU
Berlin

Nach dem 2. Staatsexamen Tätigkeit als Lehrer in Tempelhof (Studienrat für
Mathematik und Physik)
1957 Bezirksschulrat
1959 Landesschulrat (Leiter der Schulabteilung in der Senatsverwaltung für
Volksbildung)

Ab 1961 beginnt Evers mit den Planungen für die Integrierte Gesamtschule und
veröffentlicht die "Denkschrift zur inneren Schulreform" ("Nachdem Berlin nach
den Willkürmaßnahmen des totalitären Ulbricht-Regimes vorerst nicht mehr
Begegnungsstätte der Menschen aus beiden Teilen Deutschlands sein kann, muss es
sein Schulwesen vorbildlich und modellhaft gestalten. Ein modernes
demokratisches Schulwesen wird anziehend und beispielgebend auf freie und
unfreie Menschen wirken.")

1963 Schulsenator im Senat von Willy Brandt
Engagement für die Demokratisierung von Schule und Hochschule, Einrichtung der
ersten Gesamtschulen in Berlin
1968 "Evers-Modell" - Plan zur gleichzeitigen Reform des Schul- und
Hochschulbereichs
1969 Präsident der Kultusministerkonferenz
Anfang 1970 Rücktritt vom Amt des Schulsenators. Auslöser sind Kürzungen beim
Etat für den Schulneubau in der mittelfristigen Finanzplanung. Dadurch seien
"die notwendigen bildungspolitischen Maßnahmen nicht zu verwirklichen".

1972 bis 1974 Vorsitzender der Gemeinnützigen Gesellschaft Gesamtschule.
1973 Ernennung zum Honorarprofessor an der TU Berlin
1970 bis 1974 Mitglied des SPD-Parteivorstands
1993 Austritt aus der SPD (im Zusammenhang mit den Petersberger Beschlüssen zur
Asylpolitik vom August 92)

Engagement in der Friedens- und Menschenrechtspolitik. Mitglied im Kuratorium
der Internationalen Liga für Menschenrechte (zeitweilig Präsident der Berliner
Sektion der Internationalen Liga für Menschenrechte), Mitglied im Beirat der
Humanistischen Union


In der "Denkschrift zur inneren Schulreform" forderte Evers 1962 Konsequenzen
aus den Missständen, die er in der Schulstruktur sah, und benannte die
Rückstände:
"Den sozialen Rückstand: Der schlechte Bevölkerungsquerschnitt in der
Universität ist der Beweis dafür, daß das Ausleseprinzip auf den Schulen falsch
ist. Den strukturellen Rückstand: Das Schulwesen ist nicht pädagogisch
begründet, sondern soziologisch. Den Sekundarschultypen wurde erst nachträglich
eine pädagogische Begründung unterschoben. Wie altmodisch sie ist, offenbart
sich auf den Konferenzen der europäischen Erziehungsminister: Die deutschen
Vertreter werden in manchen Beiträgen gar nicht mehr verstanden. Den
didaktischen Modernitätsrückstand: Die Schule legt zuviel Wert auf ein Übermaß
an finalem Wissen. Aber die Fähigkeit des ,das Lernen Erlernens' ist wichtiger.
Der Fächerkanon der deutschen Schule ist um 1900 entstanden und nie wieder auf
Sinn und Inhalt überprüft worden."

 

Stand: 26.8.2010/UH