Fritz Erler - Kurzbiographie

Geschichte: Personen A-K

Fritz Erler

Fritz Erler
 

Fritz Erler, eine der großen Persönlichkeiten der westdeutschen Nachkriegs-SPD, stammt aus dem heutigen Bezirk Pankow. 1913 geboren, wuchs Erler im Prenzlauer Berg in der Zelterstraße auf, wo sein Vater ein Frisörgeschäft hatte. Schon als Schüler trat Erler in die Sozialistische Arbeiterjugend (SAJ) ein, die Nachwuchsorganisation der SPD. 1931 wurde er ihr Vorsitzender im Bezirk Prenzlauer Berg.
Nach einem glänzenden Abitur an der Königsstädtischen Oberrealschule in der Pasteurstraße hätte Erler gern studiert. Weil in der Arbeiterfamilie für ein Studium aber das Geld fehlte, wurde er Stadtinspektor im Bezirksamt von Prenzlauer Berg. Nach der Machtübernahme der Nazis im Januar 1933 arbeitete Erler in der sozialistischen Organisation »Neu Beginnen« mit und versuchte, Strukturen der SAJ illegal zusammenzuhalten.
Seine Wohnung in der Chodowieckistraße 17 wurde zu einem wichtigen Treffpunkt der Widerstandskämpfer. Später zog er nach Heinersdorf, wo das kleine Haus seiner Eltern in der Blankenburger Straße 62 zur Anlaufstelle für illegale politische Schriften wurde. 1938 wurde Erler von der Gestapo verhaftet und zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Aber er überlebte die Haftlager und konnte in den letzten Kriegstagen – auf einem der Todesmärsche zum KZ Dachau – fliehen und sich bis zur Befreiung in Süddeutschland versteckt halten.
Nach dem Krieg blieb Fritz Erler in Südwestdeutschland. In Württemberg wurde er Landrat, Parlamentarier und 1949 Abgeordneter des Deutschen Bundestages. In Bonn machte er sich als glänzender Redner und Verteidigungspolitiker der SPD einen Namen. Sein besonderes Verdienst war es, dass die SPD nach dem verlorenen Kampf gegen die Wiederbewaffnung ihre Aufgabe in der demokratischen Einbindung der Bundeswehr sah.
1964 wurde Fritz Erler Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. Er bereitete noch den Eintritt der SPD in die Bundesregierung der Großen Koalition vor, dann beendete sein früher Tod 1967 eine weitere politische Karriere. Von den Widerstandskämpfern aus unserem Bezirk hat Fritz Erler später die größte politische Bedeutung erlangt. Dennoch erinnert heute im Prenzlauer Berg weder ein Straßenname noch eine Gedenktafel an ihn. Die bestehenden Gedenkstätten stammen zumeist noch aus der DDR-Zeit. Damals war im parteilichen Geschichtsbild für Antifaschisten, die sich später für die freiheitliche Demokratie engagierten, kein Platz. Es wäre schön, wenn künftig der Bezirk Pankow die Erinnerung an den Widerstandskämpfer und großen Sozialdemokraten Fritz Erler wach hielte...

Dr. Heiko Holste, der Autor dieses Beitrages, ist Mitglied der Abteilung 15 / Kreis Pankow.
Der Text wurde von der SPD Niederschönhausen zur Verfügung festellt.