Dutschke, Rudi

Geschichte: Personen A-K

Rudi Dutschke

* 07.03.1940
+ 24.12.1979

Am siebten März 1940 wird Rudi Dutschke als vierter Sohn eines Postbeamten in Schönefeld in der Mark Brandenburg geboren. 1958, nach dem Abitur, wird Dutschke wegen seiner politischen Einstellung das Studium in der DDR verwehrt. Von 1958 bis 1960 absolviert er die Ausbildung zum Industriekaufmann im Luckenwalder Volkseigenen Betrieb „Beschläge“. 1960 wiederholt Dutschke in West-Berlin sein Abitur, um in der BRD studieren zu können. 1961 – kurz vor dem Mauerbau – zieht Dutschke nach West-Berlin. Er beginnt im Wintersemester damit, Soziologie an der Freien Universität Berlin zu studieren.


1962 begründet er die „Subersive Aktion“ mit, die sich 1964 mit dem „Sozialistischen Deutschen Studentenbund“ (SDS) zusammenschließt. Der SDS war bis zu einem Unvereinbarkeitsbeschluss 1961 die Studentenvereinigung der SPD.

 

Im Februar 1965 wird Dutschke in den politischen Beirat des SDS gewählt. Ab 1966 beginnt Dutschke, verstärkt an politischen Demonstrationen teilzunehmen, so demonstriert er beispielsweise gegen den Vietnamkrieg, gegen die Notstandsgesetze, sowie die Bildung der Großen Koalition. Dutschke nimmt sich das Motto „ohne Provokation werden wir überhaupt nicht wahrgenommen“ zu Herzen und organisiert zahlreiche Aktionen und Kundgebungen gegen das „Establishment“. Dutschke ruft des weiteren zur Bildung einer außerparlamentarischen Opposition auf. Noch im gleichen Jahr heiratet er Gretchen Klotz, mit der er zwei Kinder zeugt. Am zweiten Juni 1967 wird bei einer Demonstration gegen den Besuch des iranischen Schahs der Student Benno Ohnesorg erschossen. Bei den hierauf reagierenden Aktionen wird Dutschke immer mehr zum Anführer des antiautoritären Lagers des SDS. Dutschke führt zahlreiche Aktionen durch, unter anderem nimmt er am Hungerstreik für Fritz Teufel teil, er diskutiert öffentlich mit dem Sozialwissenschaftler Herbert Marcuse und gibt Günther Gaus ein Fernsehinterview. Außerdem organisiert Dutschke die „Springer-Kampagne“ mit, die fordert, den Verleger Axel Springer zu enteignen. Dutschke gilt als Theoretiker, er distanziert sich deutlich von terroristischen Aktionen. 1968 organisiert er den Vietnam-Kongress in West-Berlin mit, während des „Prager Frühlings“ reist Dutschke nach Prag. Am elften April wird ein Attentat auf Dutschke verübt: Ein angeblich rechtsradikaler Hilfsarbeiter schießt Dutschke nieder und verletzt ihn dabei lebensgefährlich. Nationale und Internationale Protestkundgebungen folgen, nach schwerwiegenden Operationen reist Dutschke zur Erholung in die Schweiz, nach Großbritannien und Italien. Im Jahre 1969 wird Dutschke aus Großbritannien ausgewiesen, er hält sich für kurze Zeit in Irland auf und erhält eine erneute Einreiseerlaubnis. Er zieht nach London und wohnt dort in einer Wohngemeinschaft.


1970 beginnt Dutschke ein Studium an der University of Cambridge, wird aber wiederum aufgrund angeblicher „subversiver Tätigkeiten“ aus Großbritannien ausgewiesen. Er reist 1971 nach Dänemark aus, wo er als Dozent an der Universität Aarhus beschäftigt wird. 1972 reist er wiederholt in die BRD sowie nach West-Berlin. 1973 nimmt er an einer Anit-Vietnam-Demonstration in Bonn teil, hier hält er seine erste Rede nach dem Attentat. Im gleichen Jahr promoviert er zum Doktor der Philosophie, der Titel seiner Arbeit lautet „Zur Differenz des asiatischen und westeuropäischen Weges zum Sozialismus“. 1974 wird eine popularisierte Form seiner Dissertation über den ungarischen Marxisten Georg Lukács veröffentlicht. In diesem Buch beschreibt Dutschke seine Vorstellungen über den Weg der BRD in den Sozialismus, wobei er den Führungsanspruch keinem anderen sozialistischen Land zubilligt. Im Jahre 1975 arbeitet er an einem Forschungsprojekt der Freien Universität Berlin mit, die die Arbeitsverfassungen der BRD, der DDR und der UDSSR miteinander vergleicht. Dutschke reist wieder in die DDR, wo er unter anderem Wolf Biermann und Robert Havemann kontaktiert. Ab 1976 hält sich Dutschke vermehrt in Norwegen und Italien auf, er hält Vorträge zu den Themen Osteuropa, Berufsverbot und Menschenrechte. Er führt auch Reden und Fernsehauftritte in der Bundesrepublik durch, wodurch er auch hier an politischem Einfluss wiedergewinnt. 1977 verfasst Dutschke Artikel für mehrere linke Zeitschriften, er nimmt an den Anti-Atomkraft-Demonstrationen teil und wird im Wintersemester von 1978/79 zum Gastdozenten in der Universität Groningen in den Niederlanden. 1978 und 1979 nimmt Dutschke an den ersten beiden Russel-Tribunalen über Menschenrechte in der BRD teil. Er beginnt, sich für die Grünen zu engagieren. Am 24. Dezember 1979 erleidet Rudi Dutschke einen Schwächeanfall und stirbt in Aarhus an dieser Spätfolge des Attentats. Im Jahr nach seinem Tod wird sein drittes Kind geboren.

Felix Christl