Doeschner, Herbert

Geschichte: Personen A-K

Herbert Doeschner

* 18.02.1900 Dresden
† 10.02.1976 München
Herbert Doeschner schloss eine kaufmännische Ausbildung ab. Von 1933 - 1935 kam er wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" ins Zuchthaus. 1949-1965 war er der Bezirksstadtrat und stellvertretender Bürgermeister von Wilmersdorf.



Herbert Doeschner verstorben
(aus: Berliner Stimme vom 28.2.1976)


Am 10.02.1976 verstarb unser Freund und Genosse Herbert Doeschner im Alter von 76 Jahren. Alle, die ihn gekannt hatten, in erster Linie die Genossen seiner Generation, stehen erschüttert an seiner Bahre.

Der Schreiber dieser Zeilen hatte Gelegenheit, den politischen Lebensweg unseres Herbert zu begleiten. Es begann 1929 in der 58. Abteilung in Charlottenburg, hier in einer sozial stark abgestuften Schichtung der Wohnbevölkerung schlug sein Herz auf Seite der sozial Benachteiligten. Zu damaliger Zeit als Jungsozialist an Bildungsfragen und allgemeiner Parteiarbeit interessiert, war Herbert Doeschner aktiv gegen die Feinde der Demokratie, ob von rechts oder links, kritisch gegenüber dem Weg der Partei, hart in der politischen Diskussion, solidarisch und einsatzfreudig, wenn die Entscheidung gefallen war.

Nach 1933 war es für ihn eine selbstverständliche Pflicht, den Widerstand gegen den Nationalsozialismus aufzubauen, kämpferische Sozialdemokraten zu sammeln und das Selbstverständnis sozialdemokratischer Vorstellungen zu entwickeln und zu festigen. Diese Widerstandsarbeit wurde durch ein Urteil des Sondergerichts mit einem Strafmaß von zwei Jahren Zuchthaus wegen Vorbereitung zum Hochverrat unterbrochen.

Nach 1945 stand Herbert Doeschner wieder an vorderster Linie beim Aufbau der Parteiorganisation im Wilmersdorf. Seine langjährigen Erfahrungen verbunden mit politischem Wissen führten ihn schnell an die entscheidenden Stellen der Parteiarbeit. Als Funktionär in der Abteilung 9/3 und im Kreisvorstand konnte er sein organisatorisches Talent einsetzen.

Als Mitglied der ersten Bezirksverordneten- Versammlung in Wilmersdorf war er neben Arno Scholz und Dr. Hildegard Wegscheider ein Gestalter der Wilmersdorfer Kommunalpolitik. Diese kommunale Interesse wurde sein Lebensinhalt, als Stadtrat für Wirtschaft, später als Stadtrat für Bau- und Wohnungswesen gleichzeitig zum stellvertretenden Bürgermeister berufen, hat er wesentlich dazu beigetragen, den Wiederaufbau in Wilmersdorf zu gestalten. Kurze Zeit später gehörte Herbert Doeschner dem Abgeordnetenhaus von Berlin an.

Sein Gesundheitszustand zwang ihn, die politische Arbeit einzuschränken und später ganz einzustellen. Seine Freunde und Kampfgenossen nahmen seinen 75. Geburtstag am 18.2.1975 zum Anlass, ihm Dank zu sagen und, dass er und seine Arbeit nicht vergessen sind. Persönliche Gründe veranlassten ihn im Herbst 1975, seinen Wohnsitz nach München zu verlegen, wo er nun fern von seinen Freunden von uns gegangen ist. Walter Milschewsky


Recherche: Onur Özturan