Buchwald, Charlotte

Geschichte: Personen A-K

Charlotte Buchwald

Charlotte (Sascha) Buchwald, geb. Stojan ist am 21.2.1899 in Berlin geboren worden. Sie war Lehrerin an der höheren Mädchenschule der Frauenrechtlerin Helene Lange und der Rütlischule in Neukölln.

1941 ist sie pensioniert worden. Ab 1946 hat sie die Volkshochschule in Reinickendorf geleitet.
Charlotte Buchwald ist bereits vor 1933 in die SPD eingetreten. 1949/50 war sie Bezirksrätin für Volksbildung in Neukölln, von 1949 bis 1959 ist sie als Landesparteitagsdelegierte für Reinickendorf gewählt worden und hat 1950 für die BVV kandidiert.
Charlotte Buchwald stammte aus einem deutschnationalen Elternhaus. Ihr Wechsel als Lehrerin zur Neuköllner Rütlischule zeigte sehr deutlich ihren Bruch mit den elterlichen Traditionen. Ein Grund hierfür lag nach ihrer eigenen Bekundung in der Ablehnung jeglichen Antisemitismus.
Die Rütlischule war in der Weimarer Zeit vermutlich das bedeutendste Zentrum sozialdemokratischer Schulreform. Hier sollte das Kind als eigenständige Persönlichkeit im Mittelpunkt der Erziehung stehen. Neben ihrer Unterrichtstätigkeit engagierte sich Charlotte Buchwald in den Organisationen, die in enger Zusammenarbeit mit dem zuständigen Stadtrat Kurt Löwenstein diesen Reformprozess politisch stützten, im „Bund der freien Schulgemeinde“, in der „Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Lehrer“ sowie im „Bund entschiedener Schulreformer“. Sie war auch bei der SPD und den Jungsozialisten aktiv.
Die Nationalsozialisten schickten sie als politische Gegnerin 1933 zunächst in Zwangsurlaub. Es folgten Vernehmungen, Hausdurchsuchungen und Strafversetzungen. Charlotte Buchwald setzte schließlich ihre Pensionierung durch.
Die seit 1930 aufgebauten Auslandskontakte hielten Sascha und ihr Ehemann auch im Nationalsozialismus aufrecht. Das Ehepaar traf sich dabei auch mit EmigrantInnen und beherbergte Anfang 1945 zwei nach Deutschland zurückgekehrte Illegale.
Kurz vor den ersten Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung im Oktober 1946 trat Charlotte Buchwald wieder der SPD bei. Als Leiterin der Volkshochschule in Reinickendorf leitete sie ab 1947 auch die Gruppe der „Sozialdemokratischen Dozenten der Volkshochschulen“ und koordinierte den Austausch über organisatorische, pädagogische sowie historische Fragen der Volkshochschulbewegung. Nach der Beendigung ihrer Zeit als Bezirksrätin gründete sie den „Internationalen Jugendkreis“, die „Kinder-UNO“. Die Kinder dieses Kreises kamen aus den unterschiedlichsten Ländern und sprachen verschiedene Sprachen In diesem Kreis lernten sie sich zu verstehen und gegenseitig zu achten.
Charlotte Buchwald war außerdem noch Präsidentin des „Weltbundes für Erneuerung und Erziehung“, Vorsitzende der „Deutsch-französischen Gesellschaft“, Vorsitzende der „Internationalen Sommerschule“ sowie Vorsitzende im „Klub berufstätiger Frauen in Berlin-Nord.“
Charlotte Buchwald war der Ansicht: „…wenn man sich etwas erträumt, dann muss man auch versuchen, es zu verwirklichen“.
Karin Müller

Quellen: Bettina Michalski, "Louise Schroeders Schwestern", Bonn 1996, S. 96-97.