"Voraussetzungen des Sozialismus"

Geschichte: Personen A-K

"Voraussetzungen des Sozialismus"

Eduard Bernstein trat 1872 in die sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschlands (SDAP) ein und ging bald darauf als Agitator und Funktionär in der Parteiarbeit auf. Er hatte großen Anteil an der Vereinigung des Lassalleschen allgemeinen Arbeitervereins mit der von Bebel und Liebknecht geleiteten SDAP zur Sozialistischen Arbeiterpartei in Gotha 1875.

Kurz vor dem Bismarckschen Verbot der Sozialdemokratie ging Bernstein nach Zürich, wo er sich zusammen mit Karl Kautsky zu einem geachteten marxistischen Theoretiker entwickelte. Er wurde sobald Redakteur der in Zürich erscheinenden Zeitung "Der Sozialdemokrat" und nutzte diese Rolle, um den Einfluss des Marxismus in der Sozialdemokratie zu stärken.

In seinem Buch "Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie" (1899) trat er der dato geltenden Auffassung entgegen, dass nach dem Zusammenbruch des Kapitalismus auf dem Wege der umfassenden Vergesellschaftung und Planung der Wirtschaft eine sozialistische Gesellschaft entstehen würde. Im Mittelpunkt dieses so genannten Revisionismus standen vier Argumente: 1. der Kapitalismus zeigt entgegen der marxistischen These keine Tendenzen zum Zusammenbruch, 2. selbst wenn es so wäre, wäre es keine günstige Voraussetzung für die sozialistische Transformation, 3. die Arbeiter müssen sich schrittweise demokratische Selbstbestimmungrechte erobern, um selbst demokratische Kontrolle ausüben zu können und 4. ist Sozialismus kein fertiger Gesellschaftsplan, sondern müsse sich selbst entwickeln.
Am 18. Dezember 1932 starb Eduard Bernstein in Berlin. Noch Jahrzehnte nach seinem Tod ist sein Sozialismusverständnis das Selbstverständnis der Sozialdemokratie.

Norbert Przesang