Bennemann, Aenne

Geschichte: Personen A-K

Aenne Bennemann

ist 1899 geboren. Bis 1933 hat sie als Jugendamtsleiterin gearbeitet. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten ist sie entlassen worden. Nach 1945 war sie im Hauptschulamt später in der Familienfürsorge tätig. Ab 1933 hat sie die illegale Arbeit des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes (ISK) unterstützt.
Der ISK war eine kleine Organisation ethischer Sozialisten im weiteren Umfeld der SPD. Aufgrund ihrer schon in der Weimarer Republik ausgebildeten elitären, streng hierarchischen Organisationsform konnte diese Vereinigung in der Illegalität gut weiter bestehen. Die ISK organisierte reichsweit ein Netz kleinerer Betriebe für ihre Mitglieder. Wie Aenne Bennemann wohnten diese Mitglieder mitunter in Gemeinschaftswohnungen.
Aenne Bennemann arbeitete nach ihrer Entlassung durch die Nationalsozialisten in einer vegetarischen Gaststätte des ISK in der Neuköllner Königstraße, die sich in der Nähe des Rathauses befand. Hier fanden u.a. konspirative Kontakte der Untergrundkämpfer statt. Die Neuköllner Gruppe, in der Aenne Bennemann mitarbeitete, legte kleine Flugblätter z.B. in Telefonhäuschen aus oder klebte gummierte Zettelchen an geeignete Plätze.
Nach dem Krieg nahm Aenne Bennemann zunächst eine Tätigkeit im Hauptschulamt in Ostberlin am Wilhelmplatz auf. Nach einiger Zeit verboten ihr die sowjetischen Behörden dort das Haus zu betreten und somit wurde auch ihre Arbeit beendet. Daraufhin wechselte sie zur Erholungs- und schließlich zur Familienfürsorge. Ihre Haupttätigkeit bestand hier in der Rückführung evakuierter Berliner Kinder. Als einer wichtigen Mitarbeiterin Ella Kays war sie für die Schicksale von über der Hälfte der Berliner Kinder zuständig. Die ihr anvertrauten Zöglinge waren ihr so wichtig, dass sie bereit war, wenn nötig, auch unkonventionelle Methoden zu nutzen. Weil Ihr der Genehmigungsweg von Zone zu Zone zu schleppend erschien, überquerte sie illegal die Grenzen und richtete vor Ort Aufnahmelager für die Kinder ein. In diesen Lagern konnten sie dann bis zum Rücktransport mit amerikanischen Lazarettzügen leben.
Aenne Bennemann organisierte auch Verschickungen von unterernährten Kinder aus Berlin aufs Land („Aktion Storch“). Später führte sie auch die Aktion „Kleinkinder in Luft in Sonne“ zur sommerlichen Stranderholung durch.

Bettina Michalski, Louise Schroeders Schwestern, Bonn 1996, S. 91-92

Karin Müller