Für soziale Gerechtigkeit

Geschichte: Personen A-K

Für soziale Gerechtigkeit

Gedenktafel für August Bebel Hauptstraße 97

Gedenktafel für August Bebel am Haus Hauptstraße 97 am Innsbrucker Platz. Foto: Holger Hübner

 

August Ferdinand Bebel wurde am 22. Februar 1840 in den Festungskasematten von Köln-Deutz geboren. Dort lebten seine Eltern in erbärmlichen Verhältnissen.

Der Vater stirbt mit 35 Jahren an ,Auszehrung und Wässersucht', zwei Jahre später auch der Stiefvater Bebels. Die Mutter zieht mit ihren beiden lebenden Kindern nach Wetzlar. Dort ist die Zahl der Armen so groß, dass das städtische Armeninstitut die Versorgung mit dem Notwendigsten nicht sicherstellen kann.
August erlernt nach dem Tod seiner Mutter das Drechslerhandwerk. Das Elend im preußischen Militär, das Elend der Arbeiterschaft und der Hunger sind prägend für Bebels Leben. Später schreibt er: "Es ist begreiflich, wenn jahrelang mein Ideal war, mich einmal an Butterbrot tüchtig satt essen zu können."
In Leipzig erstmals mit der frühen Arbeiterbewegung in Kontakt gekommen, engagiert Bebel sich schon bald stark für die Sache der abhängig Beschäftigten. Sein Ziel ist es, den Staat Bismarcks mit Preußen als Hegemonialmacht in eine sozialistische Republik zu verwandeln.
Zusammen mit seinem Freund Wilhelm Liebknecht wendet er sich gegen den deutsch-französischen Krieg. Er unterstützt den Kampf der "Pariser Kommune", in dem er ein Stück sozialer Gerechtigkeit verwirklicht sieht. Doch der nach Versailles geflüchteten Regierung gelingt es im Mai 18711 mit Hilfe von 80 000 durch Bismarck zur Verfügung gestellte Kriegsgefangen die "Pariser Kommune" in einem Blutbad zu ersticken. Bebel und seine Gesinnungsgenossen werden zu "vaterlandslosen Gesellen" gestempelt und 1872 in Leipzig zu einer fast drei Jahre dauernden Festungshaft wegen Hochverrats verurteilt.
Als er entlassen wird, hat bereits in Gotha der Vereinigungskongreß von "Lasselleanern" und "Eisenachern" zur Sozialistischen Arbeiterpartei stattgefunden. Wenige Jahre später gelingt es Bismarck trickreich, das "Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie" im Reichstag durchzusetzen. Dieses Gesetz hat jedoch nicht den gewünschten Effekt: Die organisierte Arbeiterbewegung ist nicht tot, sie wird so stark wie nie zuvor.

Bismarck erhält sein Entlassungsschreiben durch Wilhelm 11. im März 1890. Im selben Jahr nimmt die SPD ihren bis heute gültigen Namen auf dem Parteitag in Halle an. Zwei Jahre darauf wird August Bebel zusammen mit Paul Singer Vorsitzender der SPD. Dieses Amt hat er bis zu seinem Tode am 13. August 1913 inne.

1890 siedelt Bebel endgültig nach Berlin über. Alle seine Berliner Wohnungen liegen im Bereich des heutigen Bezirks Schöneberg. Während der letzten zehn Jahre lebt er im Haus Hauptstraße 97, direkt neben dem Innsbrucker Platz. Allein hier erinnert über dem Eingang eine kaum wahrnehmbare Gedenktafel an ihn.
Holger Hübner


(Berliner Stimme, 24.2.1990, zum 150. Geburtstag August Bebels)