Wirtschaftskonferenz

Berlins neue Industrie

Michael Müller

© C. Bauermeister

 

Berlin ist in den vergangenen Jahren zu den wichtigsten Gründermetropolen Europas aufgestiegen. Die Start-ups in der Hauptstadt beschäftigen inzwischen rund 60.000 Menschen. 40 Prozent aller Start-ups in Deutschland werden in Berlin gegründet. Gleichzeitig ist in Berlin eine einzigartige Wissenschaftslandschaft entstanden, die der Wissenschaft und Wirtschaft ermöglicht, innovative Ideen
und neue Technologien in einem Ort miteinander zu vernetzen.

Was muss die Politik tun, damit die IT- und Digitalbranche weiterhin ein „ideales Ökosystem für Innovationen“ in der Hauptstadt vorfindet? Wie schafft man es, die Berlinerinnen und Berliner von den Chancen der Digitalisierung zu überzeugen und ihnen zu zeigen, wie diese Entwicklung ihr Leben verändern wird. Und nicht zuletzt: Wie werden Start-ups und GründerInnen ihrer Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeiter in Bezug auf gute Arbeit und Mitbestimmung künftig noch besser gerecht?

Um diese Fragen ging es bei der Wirtschaftskonferenz der Berliner SPD, die am 27. Juni im Willy-Brandt-Haus stattfand. Eröffnet wurde die Konferenz von der stellvertretenden SPD-Landesvorsitzenden der Berliner SPD  Barbara Loth. Sie machte in ihrer Rede vor allem die Wichtigkeit der Start-ups als „Treiber von Innovation“ deutlich.

Der SPD-Landesvorsitzende und Regierende Bürgermeister Michael Müller nannte in seiner Keynote die Digitalisierung eine riesige Bereicherung; denn sie revolutioniere den Zugang zu Informationen wie es einst die Erfindung des Buchdrucks getan habe. Die Digitalisierung ist der Motor für die dynamische Entwicklung Berlins in den vergangenen Jahren, so Müller. Der Regierende Bürgermeister wiederholte deshalb seinen politischen Anspruch, in Berlin Vollbeschäftigung zu schaffen. Für dieses Ziel sei es jedoch unabdingbar, den Unternehmen und Forschungseinrichtungen zusammenhängende Flächen zur Verfügung zu stellen. Müller: „Der Technologiestandort am Flughafen Tegel ist wichtig für die Zukunftsperspektive der Stadt.“ In Tegel entstehen nach Beendigung des Flugbetriebs u.a. 80 Hektar zusammenhängende Industriefläche. Dort soll in Zukunftsbranchen geforscht, entwickelt und produziert werden. So entstehen neue, innovative Unternehmen, die bis zu 20.000 Arbeitsplätze schaffen und Perspektiven für Handel, Handwerk und Gewerbe bieten.

Anschließend diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in drei Panels. Der Geschäftsführer der Tegel Projekt GmbH Philipp Bouteiller - der am Standort Tegel den Technologiepark plant - sprach von einer neu entstandenen Industrie in Berlin. 13 von 30 Dax-Unternehmen säßen bereits mit ihrem Innovationsabteilungen in der Hauptstadt. Dies könne dazu führen, dass künftig auch die klassische prozierende Industrie wieder mehr auf den Standort Berlin setze. Die Desigforscherin und Professorin an der Universität der Künste (UdK) Gesche Joost warb eindringlich dafür, mehr Geld in die digitale Bildung zu stecken, "um allen Altersstufen den Weg in die digitale Welt zu ebnen".