Berlin, die familienfreundliche Stadt

Berlin, die familienfreundliche Stadt

Familientagung mit Jan Stöß
 

Wie kann sich Berlin als familienfreundliche Stadt weiterentwickeln? Darüber diskutierten am Freitag mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf der Familienkonferenz der Berliner SPD im Willy-Brandt-Haus.

Die SPD stehe für eine moderne Familienpolitik, so der SPD-Landesvorsitzende Jan Stöß. Er begrüßte die Entscheidung, die Mittel aus dem Betreuungsgeld jetzt für sinnvolle Maßnahmen einzusetzen:  "Investitionen in öffentliche Dienstleistungen haben für uns Vorrang vor privaten Geldleistungen."

Berlin ist die Hauptstadt der Alleinerziehenden, betonte der SPD-Landesvorsitzende Jan Stöß. Mehr als 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren werden in Berlin von Alleinerziehenden betreut. Die Politik müsse sich besser auf die vielfältigen Lebensformen von Familien einstellen - ob Alleinerziehende, Patchwork- oder Regenbogenfamilie.

 
Bildungssenatorin Sandra Scheeres
 

In Berlin sei eine Vielfalt von Lebensentwürfen zu finden, so die Senatorin für Bildung, Jugend und Wissenschaft Sandra Scheeres. Das zeige die Attraktivität der Stadt. "Familie bedeutet sehr viel Glück", stellte  sie fest. Es gelte, stärker die Chancen und Potenziale von Familien zu betonen. Entscheidend sei es, füreinander da zu sein.

In der Familienpolitik gebe es einen Dreiklang: Kitaplätze ausbauen, die Qualität in der Betreuung  verbessern und Gebührenfreiheit schaffen. Gerade beim Ausbau der Kitaplätze ist bereits einiges geleistet worden, um den Mehrbedarf der wachsenden Stadt zu decken. Seit 2006 hat der Senat die Anzahl um 40 Prozent erhöht. In den kommenden zwei Jahren sind 14.000 zusätzliche Kitaplätze im Doppelhaushalt bereits eingeplant.

Scheeres kündigte einen Ausbau der flexiblen Kinderbetreuung an, um Eltern zu entlasten, die im Schichtdienst arbeiten. Bei dieser Form können die Kinder in den Randzeiten auch Zuhause betreut werden, was sich viele Eltern wünschten. Zudem machte sich die Bildungssenatorin für eine bessere Beratung von Familien stark. Scheeres plädierte deshalb für die Einrichtung von Familienbüros als Ergänzung zu den bereits existierenden Familienzentren.

 
Familientagung, Caren Marks
 

In einem Grußwort würdigte die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesbildungsministerium, Caren Marks, Berlin für den fortgeschrittenen Ausbau der Ganztagsschulen, der bundesweit vorbildlich sei. Damit schließe Berlin eine Betreuungslücke im Übergang von der Kita zur Grundschule.

Die Lebensrealität verändere sich, damit verändern sich auch die Bedürfnisse von Familien. Caren Marks warb dafür, Familien so zu unterstützen, wie sie es wollen - mit Zeit, Geld und Infrastruktur. Die SPD habe in der Bundesregierung viel getan: Schon zur Halbzeit sei mehr für Familien erreicht worden als in der gesamten vorigen Legislaturperiode, "Wir stellen die Kinder ins Zentrum unserer Förderpolitik."

 
Familientagung
 

Anschließend diskutierten die Teilnehmer in drei  Panels unterschiedliche familienpolitische Aspekte. Im Panel 1 ging es um die Entwicklung einer familienfreundlichen Infrastruktur. Ein Vater von vier Kindern berichtete, dass es in Schweden an vielen Spielplätzen auch gleich eine öffentliche Toilette gebe. Außerdem wurde diskutiert, dass es nicht nur eine öffentliche Infrastruktur für Familien mit kleinen Kindern geben müsse, sondern auch für Familien mit Jugendlichen oder pflegenden Angehörigen. Lichtenberg hat als erster Berliner Bezirk das Zertifikat als familienfreundlicher Bezirk erhalten, so Bezirksbürgermeisterin Birgit Monteiro. Dazu gehören ein Netz von Beratungsstellen ebenso wie barrierefreie Wohnungen. Aus Sicht der Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land, so ihr Geschäftsführer Ingo Malter, sind Familien ein stabilisierender Faktor für Stadtquartiere.

Im zweiten Panel diskutierten die Anwesenden über Verbesserungen in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Unter anderem wurde dort ein Bürokratieabbau gefordert, um Familien schneller zu helfen. Zudem sollte Berlin stärker mit seiner Familienfreundlichkeit werben. Dies sei ein wichtiger Standortfaktor für Unternehmen.

 
Familientagung, Dilek Kolat
 

Im dritten Panel ging es schließlich um die Frage, wie Einwanderungsfamilien besser unterstützt werden können. Dabei berichtete unter anderem Kazim Erdogan vom Verein „Aufbruch Neukölln“, dass Menschen sich mit der Zuordnung „Migrationshintergrund“ benachteiligt fühlen. Er riet dazu, Begriffe wie Migrationshintergrund, biodeutsch oder Brennpunktschule nicht mehr zu verwenden. Stattdessen gelte es, das Wir-Gefühl zu stärken. Arbeits- und Integrationssenatorin Dilek Kolat wies auf den Arbeitskräftebedarf in vielen Bereichen hin. Hier gelte es, entsprechende Qualifizierungen zu schaffen.

 
Familientagung, Andreas Geisel, Fritz Felgentreu
 

Im Anschluss an die Panels fasste der Neuköllner Bundestagsabgeordnete Fritz Felgentreu zusammen mit Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel die Ergebnisse zusammen. Geisel betonte dabei, dass Familienpolitik kein Randthema sei. „Familie organisiert das Zusammenleben von Menschen“, so der Senator. Für Geisel ist bezahlbarer Wohnraum die wichtigste Grundlage für vernünftige Familienpolitik. Dabei ginge es nicht nur um den Bau von Wohnungen, Kitas und Jugendfreizeiteinrichtungen, sondern auch um die Frage, wie wir die Stadt in Punkto Barrierefreiheit altersgerecht gestalten.

Fritz Felgentreu kündigte an, das Kapitel zur Jugendpolitik im derzeitigen Entwurf des Wahlprogramms noch einmal daraufhin zu prüfen, ob die Aspekte zur Stadtplanung bereits ausreichend berücksichtigt wurden. Darüber hinaus waren sich alle darin einig, die Familienbüros als ergänzende Maßnahme zu den Familienzentren aufzunehmen und die Interessen von getrennt lebenden Erziehungsberechtigten – neben der wichtigen Unterstützung von Alleinerziehenden – ebenfalls zu berücksichtigen. Die Ergebnisse der Diskussionen fließen in den Wahlprogrammprozess ein.