Sonderzug nach Breslau: Schnelle Verbindung ist möglich

Sonderzug nach Breslau: Schnelle Verbindung ist möglich

Vor der Abfahrt des "Ferdinand Lassalle Express" im Bahnhof Lichtenberg: Andreas Geisel mit den Initiatoren des SPD Sonderzuges: Frank Jahnke (links, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD im Abgeordnetenhaus, rechts: Jürgen Murach: Fachausschuss Mobilität und Vors. der AG Polen

Vor der Abfahrt des "Ferdinand Lassalle Express" im Bahnhof Lichtenberg: Andreas Geisel mit den Initiatoren des SPD Sonderzuges: Frank Jahnke (links, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD im Abgeordnetenhaus, rechts: Jürgen Murach, Fachausschuss Mobilität und Vors. der AG Polen)

 

Der Bahnverkehr zwischen Berlin und Breslau muss dringend verbessert werden. Eine Sonder-Schnellfahrt mit dem „Ferdinand Lassalle Express“ in die Kulturhauptstadt Breslau hat am 16. Juli gezeigt, dass schnelle Verbindungen möglich sind. Berlins Senator für Stadtentwicklung und Umwelt Andreas Geisel warb auf der Fahrt für  ein gemeinsames Vorgehen der Bundesländer Berlin, Brandenburg und Sachsen.

Am 16. Juli wurde der Sonderzug "Ferdinand Lassalle Express" der SPD aus Berlin herzlich von zahlreichen polnischen Sozialdemokraten aus  Breslau,  Liegnitz und Oppeln im Breslauer Hauptbahnhof mit Musik und SPD-, SPE-, SLD- und Europafahnen empfangen. Ca. 90 TeilnehmerInnen kamen im Sonderzug aus Berlin: Andreas Geisel mit Mitgliedern des SPD Abgeordnetenhauses, deutsche und polnische Genossinnen und Genossen aus Berlin, Brandenburg und sogar aus Lubuskie, Fahrgastverbände, die sich für den Bahnverkehr Deutschland-Polen engagieren und interessierte Bürgerinnen und Bürger. Der Zug war ein Kooperationsprojekt des SPD Fachausschusses Mobilität und der AG Polen.
SPD Berlin und SLD Niederschlesien haben eine enge Zusammenarbeit begonnen: Ein Thema ist die Verbesserung der Bahnverbindungen. Dabei wollen die Berliner den polnischen Sozialdemokraten, die unter schwierigen Bedingungen arbeiten, auch durch einen kommunalpolitischen Erfahrungsaustausch helfen: Auch in Breslau sind Wohnungsknappheit, bezahlbarer Wohnraum und Gentrifizierung ein Hauptproblem. Sozialbauwohnungen und Wohnungsbaupolitik gibt es bisher in Polen nicht. Alles wurde in der polnischen Politik bisher dem freien Markt überlassen. Die SLD kämpft auch in der Stadt gegen die Pläne, teure U-Bahnen zu bauen und setzt wie die SPD Berlin auf mehr Straßenbahnausbau.
2014 kam es zur Einstellung des letzten Fernzuges von Berlin nach Breslau. Der Fachausschuss Mobilität hatte dagegen in einer "Trauerabschiedsfahrt" mit dem letzten Eurocity "Wawel" protestiert. CSU Verkehrsminister Dobrindt sieht in seinem neuem Entwurf zum Bundesverkehrswegeplan keine Prioritäten für die Modernisierung der Bahnverbindungen nach Polen vor. Während in den nächsten Jahren Gelder im zweistelligen Milliardenbereich nach Süddeutschland fließen, könnte mit nur 100 Mio. Euro eine Elektrifizierungslücke von 72 km und der Wiederaufbau des zweiten Gleises zwischen Cottbus und Horka finanziert werden. Die Fahrzeit Berlin-Breslau könnte auf unter 3 Stunden verkürzt werden.
Berlins Verkehrssenator Andreas Geisel hat in einer gemeinsamen Aktion mit Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke für die Zeit der Europäischen Kulturhaupstadt an Wochenenden für die Berliner  und Brandenburger einen Kulturzug bestellt, der nicht vom für Fernverkehr zuständigen Bundesverkehrsminister, sondern von Berlin und Brandenburg finanziert wird. Der Zug ist so erfolgreich, dass er häufig überfüllt ist.
Mit der Sonderzugfahrt haben Berliner und Breslauer Sozialdemokraten demonstriert, wie die Fahrzeit von Fernzügen durch einen neuen Laufweg mit geringen Kosten reduziert werden kann. Auf polnischer Seite gibt es eine hochmoderne Bahnstrecke von Oppeln über Breslau nach Görlitz und Horka. Die Strecke ist auf 160 km/h ausgebaut, wurde aber zur Investitionsruine, weil der Bundesverkehrsminister einen Staatsvertrag gebrochen hat und die Fortsetzung Görlitz - Dresden nicht wie vereinbart elektrifiziert und ausgebaut wurde.
Der SPD Berlin ist es gelungen einen neuen Zug, der für Polen zugelassen ist und bis zu 140 km/h fahren darf, zu chartern und einen Weg über die moderne polnische Strecke fahren zu lassen. Trotz des Umwegs über Görlitz konnte ein Rekord aufgestellt werden: Während der letzte EuroCity von Breslau nach Berlin 5 Stunden benötigen, hat der Sonderzug es in 3 Stunden 38 Minuten geschafft.
Im nächsten Jahr soll diese Fahrt nach Breslau wiederholt werden. Dann ist die Abkürzung über Horka fertig. Ein neuer Rekord-  vielleicht knapp über drei Stunden - ist dann sicher. Zur Finanzierung der nächsten Aktion "Ferdinand Lassalle" werden wieder Spenden benötigt.

 

 

 
Herzlicher Empfang der polnischen Sozialdemokraten (SLD) aus Liegnitz, Breslau und Oppeln mit Fahnen und Folklore-Band. Links in der Reihe von Andreas Geisel: der Landesvorsitzende der SLD Niederschlesien Marek Dyduch (auch Abgeordneter im Sejmik).
 

Herzlicher Empfang der polnischen Sozialdemokraten (SLD) aus Liegnitz, Breslau und Oppeln mit Fahnen und Folklore-Band. Links in der Reihe von Andreas Geisel: der Landesvorsitzende der SLD Niederschlesien Marek Dyduch (auch Abgeordneter im Sejmik).

Der MDR berichtete im Sachsenspiegel über die Fahrt (in der MDR-Mediathek bis 23. Juli verfügbar).