SPD 1946: Der Kampf um die Freiheit

SPD 1946: Der Kampf um die Freiheit

Gedenken in der Zinnowwaldschule: Jan Stöß.

Gedenken in der Zinnowwaldschule: Jan Stöß.

 

Es war ein Kampf um Freiheit und Demokratie, den die SPD stellvertretend für die Stadt führte. Auf einem Parteitag in der Zehlendorfer Zinnowwaldschule stellte die Beriner SPD am 7. April 1946 entscheidende Weichen für die Selbstbehauptung und gegen die Zwangsvereinigung mit der KPD. Jetzt gedachte die SPD mit einer Feierstunde an gleicher Stelle des Kampfes vor 70 Jahren.

"In diesem Saal", so der SPD-Abteilungsvorsitzende Rainer Iloff, "haben am 7. April vor genau 70 Jahren unsere SPD-Persönlichkeiten nach dem 2. Weltkrieg die sozialdemokratischen Werte Frieden und Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit sowie solidarisches Handeln ausgerufen und mit neuem Leben gefüllt." Gudrun Mojem, Schulleiterin der Zinnowwaldschule, wies in ihrer Begrüßung auf die Gedenktafel hin, die am Eingang der Schule an diesen Tag erinnere und die Verpflichtung zum demokratischen Handeln, das sich daraus ableite.

 
Gedenken in der Zinnowwaldschule: Jan Stöß, Ina Czyborra, Christoph Ehmann.

Gedenken in der Zinnowwaldschule: Jan Stöß, Ina Czyborra, Christoph Ehmann

 

Historisches Bewusstsein, so der SPD-Landesvorsitzende Jan Stöß, sollte intensiver als bisher  Bestandteil unserer politischen Kultur sein. Und die  SPD könne stolz auf ihre historischen Erfolge sein.  Eine ganz wichtige Weichenstellung war es, "sich im Jahre 1946 dem Druck der KPD und der Sowjetischen Militäradministration zu widersetzen und auf der Unabhängigkeit der Sozialdemokratischen Partei in Berlin zu beharren". Das Protokoll des Parteitags, so Stöß, lese sich "wie ein Thriller". Dabei ging es um den Kampf um die Grundfragen der Arbeiterbewegung, den von Stalin und Lenin geprägten Weg der kommunistischen Bewegung oder  den Weg der Freiheit und Demokratie. Jan Stöß erinnerte an Willy Brandt, der gesagt habe: "Demokratischen Sozialismus verstehen wir als die dauernde Aufgabe Freiheit und Gerechtigkeit zu erkämpfen, sie zu bewahren und sich in ihnen zu bewähren. Dies und die Solidarität sind der geistig, politische Boden auf dem allein die Sozialdemokratie gedeihen kann:"

"An diesem Tag", so Stöß, "sollten wir nicht das Schicksal tausender Sozialdemokraten in der Sowjetischen Besatzungszone vergessen, die sich dem so genannten Vereinigungsparteitag im Admiralspalast am 22. April 1946 widersetzten. Erich Ollenhauer sprach von 20.000 Genossinnen und Genossen, die gemaßregelt, verhaftet wurden und sogar den Tod fanden."

 
Gedenken in der Zinnowwaldschule: Christoph Ehmann.

Gedenken in der Zinnowwaldschule: Christoph Ehmann.

 

Prof. Dr. Christoph Ehmann beschrieb in seinem Vortrag die Vorgänge im Detail. 1945 herrschte bei den Sozialdemokraten und Kommunisten, die die Nazi-Zeit überlebt hatten, zunächst noch die Überzeugung vor, eine einheitliche Arbeiterbewegung hätte den Nationalsozialismus verhindern können. Aber aus Moskau kam die Order an die Gruppe Ulbricht, keinen Zusammenschluss mit der SPD anzustreben. Stattdessen sollten vier Parteien in der sowjetischen Besatzungszone zugelassen werden: eine christliche und eine liberale, eine sozialdemokratische und eine kommunistische. Letztere startete mit einem zeitlichen und materiellen Vorsprung. Aber schon am 17. Juni 1945 versammelten sich auch die Berliner Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Luckauer Hof in Kreuzberg und gründeten ihre Partei wieder. Während die KPD, so Ehmann, zum Beispiel über 40 Autos und zwei Flugzeuge verfügte, um den organisatorischen Aufbau voranzutreiben, hatte die SPD nur 5 alte PKW und  bekam oft kein Benzin und keine Reisegenehmigung.

Die Wahlniederlage der Kommunisten in Österreich führte zum Umdenken: Nun übten die KPD und die sowjetische Administration Druck aus, um die SPD zur "Verschmelzung" zu bewegen. Der Zentralausschuss  unter Otto Grotewohl gab dem Druck schließlich nach. Ehmann schilderte, wie führende Sozialdemokraten auch persönlich bedroht wurden. In Berlin wurde gegen den Widerstand des Zentralausschusse dennoch eine Urabstimmung durchgesetzt, bei der die SPD-Mitglieder sich gegen eine schnelle Vereinigung mit der KPD, aber für eine Zusammenarbeit aussprechen. Auf dem Bezirksparteitag der Berliner SPD in der Zinnowwaldschule wählten die Vereinigungsgegner einen neuen Vorstand, der für die Selbstbehauptung der SPD stand. Die westlichen Alliierten einigten sich zwei Monate später mit der sowjetischen Administration auf den Kompromiss, der SPD wie der aus der Zwangsvereinigung hervorgegangenen SED jeweils die Betätigung in ganz Berlin zu ermöglichen. Mit ihrem Kampf für Freiheit und Demokratie gewann die SPD den Rückhalt in der Bevölkerung, so Ehmann. Bei der Wahl zur Stadtverordnetenversammlung am 20.10.1946 wurde der Kurs der SPD eindrucksvoll bestätigt. Mit 48,7 Prozent  gewann sie die Wahl vor der CDU (22,2), der SED (19,8) und der LDP (9,3). 

 
Gedenken in der Zinnowwaldschule: Vorwärts Liederfreunde

Gedenken in der Zinnowwaldschule: Vorwärts Liederfreunde