Kranzniederlegung am Admiralspalast

Kranzniederlegung am Admiralspalast

Gedenken an die Zwangsvereinigung: Ralf Höschele, Heiner Wörmann, Fritz Felgentreu und Hubertus Knabe.

Gedenken an die Zwangsvereinigung: Ralf Höschele, Heiner Wörmann, Fritz Felgentreu und Hubertus Knabe.

 

Mit einer Kranzniederlegung an der Toreinfahrt zum Admiralspalast in Mitte hat die Berliner SPD an die Zwangsvereinigung der SPD mit der KPD vor siebzig Jahren erinnert.  KPD und sowjetische  Militäradministration hatten in den Wochen vor dem Parteitag am 21. und 22. April 1946 erheblichen Druck auf die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten ausgeübt, einer Zusammenführung der Parteien zuzustimmen. In den westlichen Berliner Bezirken konnte eine Urabstimmung durchgeführt werden,  bei der sich die SPD-Mitglieder für eine Zusammenarbeit aussprachen, aber mit klarer Mehrheit gegen eine schnelle Vereinigung mit der KPD, in den östlichen Bezirken wurde die Urabstimmung verhindert. Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Fritz Felgentreu, der Vorsitzende der Historischen Kommission der Berliner SPD, Heiner Wörmann, und der Leiter der Gedenkstätte Hohenschönhausen, Dr. Hubertus Knabe, gedachten der Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, die in der Folgezeit inhaftiert wurden oder zu Tode kamen, weil sie dem Druck nicht Folge  leisten wollten. Die Berliner SPD, die sich am 7. April auf einem Parteitag in der Zehlendorfer Zinnowwaldschule der Vereinigung widersetzt hatte,  kämpfte weiter für Demokratie und Freiheit.

Die Berliner SPD, so Fritz Felgentreu und Heiner Wörmann, setzt sich für eine Gedenktafel am Admiralspalast ein, die an die Geschehnisse am 21. und 22. April 1946 erinnert.

 
Gedenken an die Zwangsvereinigung
 

Mit Zwang zur Vereinigung

Die Einheit der Arbeiterparteien war der Traum vieler SozialdemokratInnen und KommunistInnen, die die Nazi-Zeit überlebt hatten. Die anfängliche Ablehnung solcher Pläne durch die KPD weicht rasch - eine Folge der Ernüchterung durch die ersten Wahlen in Europa, die den Kommunisten deutliche Niederlagen bescherten. Angesichts der bevorstehenden Wahlen in Deutschland pocht die KPD nun mit Unterstützung der sowjetischen Besatzungsmacht auf ein Zusammengehen mit der SPD. In der SPD hat sich da allerdings schon an vielen Orten die Erkenntnis durchgesetzt, dass die KPD wie vor 1933 abhängig von den Entscheidungen in Moskau ist und es kein faires Zusammengehen mit ihr gibt.  Während Otto Grotewohl im Berliner Zentralausschuss seine anfängliche Kritik an der KPD aufgibt und für ein Zusammengehen plädiert, formieren sich die Vereinigungsgegner um den Reinickendorfer Sozialdemokraten Franz Neumann, der Rückhalt in Kurt Schumacher findet, der die SPD in den westdeutschen Besatzungszonen aufgebaut hat.

Auf einer Sitzung des erweiterten SPD-Bezirksvorstandes Berlin wird  am 29. 12. 1945  die Forderung nach einer Urabstimmung über eine Verschmelzung  von SPD und KPD erhoben. In den Abteilungsversammlungen prallen die Meinungen aufeinander. Auf einer  Kreis- und Abteilungsleiter-Konferenz am 17. 02. 1946 wird im Parteihaus in der Behrenstraße allerdings schon eine starke Opposition vieler Funktionäre gegen die geplante Vereinigung erkennbar.

Der Zentralausschuss um Otto Grotewohl ruft noch einmal am 14. 3. 1946 zur Vereinigung von SPD und KPD auf, die Berliner SPD-Kreisvorstände und die gewählten Delegierten zum Bezirks-Parteitag gehen am  27. 3. 1946  auf Konfrontationskurs und beschließen einstimmig, die Urabstimmung auf jeden Fall durchzuführen.
Sie findet am  31. 3. 1946 in den drei Westsektoren statt,  in Ost-Berlin wird sie unterbunden. Auch in der übrigen sowjetischen Besatzungszone (SBZ) gibt es keine Wahl. „Zwischen Dezember 1945 und April 1946“, so stellt es Schumachers Nachfolger Erich Ollenhauer später fest, „wurden in der SBZ  mindestens 20.000 Sozialdemokraten gemaßregelt, für kürzere oder auch für sehr lange Zeit inhaftiert, ja sogar getötet.“
Zwei Fragen gab es bei der Urabstimmung: ,,Bist du für den sofortigen Zusammenschluß beider Arbeiterparteien?“ und  ,,Bist du für ein Bündnis beider Parteien, welches gemeinsame Arbeit sichert und Bruderkampf ausschließt?“ Während bei der zweiten Frage 61,5 % für eine Zusammenarbeit stimmen, sprechen sich bei der ersten Frage 82,3 % der abstimmenden Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten  gegen den sofortigen Zusammenschluß der beiden Parteien aus.
Nur eine Woche nach der Urabstimmung findet am 7. 4. 1946 in  der Zinnowwald-Schule in Zehlendorf der Zweite  Landesparteitag der SPD Berlin statt. Der Parteitag wählt als gleichberechtigte Vorsitzende Franz Neumann, Curt Swolinzky und Karl Germer.

 
Gedenken an die Zwangsvereinigung: Heiner Wörmann, Fritz Felgentreu und Hubertus Knabe.
 

Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl werden auf dem Vereinigungsparteitag von SPD und KPD am 21./22. April im (in der sowjetischen Besatzungszone gelegenen) Admiralspalast zu gleichberechtigten Vorsitzenden gewählt, die Hände, die sie einander reichen, werden zum Parteisymbol der SED. Tatsächlich befinden sich die Sozialdemokraten, die zur SED mitgegangen sind, fest im Griff der früheren KPD-Funktionäre.
Die Alliierte Kommandantur beschließt am 31. 5. 1946  die Zulassung der SPD und der SED in allen vier Sektoren Berlins. Auf dieser Grundlage arbeitet die SPD auch in den Ost-Berliner Bezirken bis 1961, allerdings mit stark eingeschränkten Möglichkeiten. Am 20. 10. 1946 findet die Wahl zur Stadtverordnetenversammlung statt. Mit 48,7 Prozent  gewinnt die SPD vor der CDU (22,2), der SED (19,8) und der LDP (9,3).
1948 wird die SED in eine „Partei neuen Typus“ umgewandelt. Der „Sozialdemokratismus“ ist nun der „Hauptfeind“ der stalinistischen SED. Die Zusagen von 1946 gelten nichts mehr.  Daten im Archiv der SED legen nahe, dass fast zwei Drittel der 680.000 Sozialdemokraten, die im April 1946 mehr oder weniger freiwillig in die SED  gingen, bis 1954 aus der Einheitspartei verdrängt waren. Otto Grotewohl bleibt bis zu seinem Tod 1964 Ministerpräsident der DDR, die eigentliche Macht liegt beim Kommunisten Walter Ulbricht.