Rosenteppich zum 17. Juni

Rosenteppich zum 17. Juni

Gedenken am 17.Juni 2015
 

Mit der Niederlegung von 1000 Rosen am Mahnmal in der Wilhelmstraße haben die Berliner SPD und die SPD Mitte der Opfer des Arbeiteraufstands vom 17. Juni 1953 gedacht. Dieser Rosenteppich sei eine gute Tradition sozialdemokratischen Erinnerns, sagte der SPD-Landesvorsitzende Jan Stöß in seiner Ansprache. Gemeinsam mit dem SPD-Kreisvorsitzenden Boris Velter, Stadträtin Sabine Smentek und dem Vorsitzenden der Historischen Kommission Heiner Wöhrmann würdigte Stöß den Einsatz der Demonstranten für ihre Rechte. Mindestens 35 von ihnen fanden den Tod, bis 1955 erfolgten in der DDR etwa 15.000 Festnahmen.

 

 
Mitte Kreisvorsitzender Staatssekretär Boris Velter beim Niederlegen der Rosen.
 

Mitte Kreisvorsitzender Staatssekretär Boris Velter beim Niederlegen der Rosen.

 
Gedenken am 17.Juni 2015: Jan Stöß, Boris Velter
 

Die Rede von Jan Stöß im Wortlaut:

"Auch in diesem Jahr legt die SPD Berlin Mitte zum Gedenken an die Opfer des Volksaufstandes in der DDR vom 17. Juni 1953 am Denkmal von Wolfgang Rüppel auf dem gleichnamigen Platz vor dem Bundesfinanzministerium, Leipziger-/Wilhelmstraße tausend rote Rosen nieder. Eine gute Tradition.
Neben der zentralen Gedenkveranstaltung auf dem Friedhof an der Seestraße gehört dieser Rosenteppich zum sozialdemokratischen Erinnern und Gedenken an die damaligen Ereignisse. Hier am authentischen Ort des Geschehens vor dem damaligen Haus der Ministerien im ehemaligen Göring Bau bis zum Potsdamer Platz waren die entscheidenden Auseinandersetzungen.
Das Jahr 1953 steht für einen wichtigen Moment der Nachkriegsgeschichte. Anfang März 1953 starb Stalin in Moskau. Sein Tod war Hoffnung auf ein besseres Leben für Millionen von Opfern des Stalinismus.

 
Gedenken am 17.Juni 2015
 

Der neuen sowjetischen Führung war offenbar bewusst, dass in der DDR die Gefahr einer inneren Katastrophe bestand und das System ohne die Anwesenheit sowjetischer Truppen nicht zu halten war. Die wirtschaftlichen Möglichkeiten und die Geduld der Bevölkerung der DDR waren erschöpft. Im Frühjahr 1953 sank erstmals seit dem Kriegsende der Lebensstandard. Allein im März 1953 flüchteten etwa 31.000 Menschen aus der DDR.
In der DDR rumorte es an vielen Stellen. Staatssicherheit und Regierung unterschätzten alle diese Signale. Sie versäumten vor allem, rechtzeitig einen Punkt zurückzunehmen, der zum Stein des Anstoßes für den Volksaufstand werden sollte: die im Mai beschlossenen Normenerhöhungen in der Industrie. Sie waren der Anlass für die Streikbewegung der Bauarbeiter an der Stalinallee oder der Stahlarbeiter aus Hennigsdorf.
Die westlichen Alliierten wurden von den ersten Demonstrationen am 16. Juni in Ost-Berlin völlig überrascht. Das galt auch für die Bundesregierung und den Regierenden Bürgermeister Ernst Reuter, der in jenen Tagen beim Städtetag in Wien weilte. Er konnte nicht eingreifen, ihm stand kein Flugzeug für die Rückreise zur Verfügung. Gar nicht auszudenken, wenn er sich in seinem guten Russisch an die sowjetischen Soldaten gewandt hätte.

 
Gedenken am 17.Juni 2015
 

Das geteilte Berlin war 1953 eines der bekanntesten Symbole des Kalten Krieges. Entsprechend haben die Juni-Ereignisse im Ostsektor der Stadt maßgeblich die Sicht auf den Volksaufstand geprägt. Vor allem die Bilder von großen Demonstrationen in Ost-Berlin und die in Stellung gebrachten sowjetischen Panzer gingen um die Welt.
Dabei war Berlin nur der Ausgangspunkt eines Volksaufstandes, der fast alle Regionen und Städte der DDR erfasst hatte. In 167 von 217 Stadt- und Landkreisen war der Ausnahmezustand verhängt worden. Schätzungen sprechen von bis zu 1,5 Millionen Demonstranten und streikenden Arbeitern.
Schon in der Nacht zum 18. Juni 1953 begann die Staatssicherheit unter Leitung von Erich Mielke mit einer massiven Verhaftungswelle. Allein in Berlin wurden innerhalb von zwei Tagen 1.744 Menschen verhaftet, darunter sieben Streikleitungen und Streikkomitees. Mindestens 35 Aufständische fanden den Tod und insgesamt erfolgten in der gesamten DDR bis 1955 etwa 15.000 Festnahmen.
Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 blieb bis zum Fall der Mauer 1989 das Trauma der SED Führung vom Machtverlust.
Seinen Opfern gilt heute unser Gedenken."

 
Gedenken am 17.Juni 2015: Rosen
 
 
Gedenken am 17.Juni 2015
 

Das Mahnmal an der Wilhelmstraße. Fotos: Horb