AG Migration: Kein Untergang in Sicht

AG Migration & Vielfalt: Kein Untergang in Sicht

AG Migration, Diskussion Faroutan, Stegner
 

"Abendland vor dem Untergang?" hatte die AG Migration & Vielfalt gefragt. Eine gute Stunde lang diskutierten die Gäste unter der Moderation von Serap Alt ı ışık von der European Women's Lobby über Mythen und Realitäten in Bezug auf die deutsche und europäische Flüchtlingspolitik und das muslimische Leben in Deutschland. Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren gekommen.

Selmin Çalışkan, Generalsekretärin von Amnesty International Deutschland, beleuchtete dabei die Flüchtlingspolitik aus der Perspektive einer Menschenrechtsorganisation. Sie beschrieb dabei ihre Eindrücke von Besuchen in Südeuropa und die Arbeit, die vor Ort geleistet wird. Gerade mit Blick auf die Aufnahmeleistung der Länder in den Krisenregionen sei in Deutschland deutlich mehr Offenheit für Flüchtlinge nötig.

Dr. Naika Foroutan, stellvertretende Direktorin des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung, stellte die Ambivalenz in der deutschen Gesellschaft heraus. Die Menschen in Deutschland hätten anscheinend begriffen, dass man ein Einwanderungsland und dass das prinzipiell gut sei, haderten jedoch trotzdem mit den Resultaten dessen. Dies ließe sich u.a. auch daran ablesen, dass einzelne Gruppen wie Flüchtlinge, Roma und Muslime eine starke Ablehnung erfahren würden.

Auf beide Aspekte ging Ralf Stegner aus der Perspektive der SPD ein. Auch er stimmte der Forderung zu, dass Deutschland und Europa beim Schutz von Flüchtlingen deutlich mehr Verantwortung übernehmen könnte. In Bezug auf Aufmärsche wie Pegida zeigte Stegner, dass eine deutliche Haltung von besonderer Bedeutung ist. Festgehalten werden konnte von den Gästen, dass viele Diskussionen sich um abstrakte Ängste drehen würden, die kaum mit Daten und Fakten zu belegen seien.

Aziz Bozkurt, der Landesvorsitzende der AG Migration und Vielfalt folgerte: „Weder steht Sachsen kurz vor einer Islamisierung, noch leiste Deutschland mehr beim Flüchtlingsschutz als möglich wäre. Die Diskussionen um unsere Einwanderungsgesellschaft fokussieren sich vielleicht auch einfach zu sehr auf das falsche Ende der Migrationsbewegungen. Nicht die Einwanderer und ihre Nachkommen sind das „Problem“, sondern das Selbstverständnis in und von diesem Land. Deswegen setzen Diskussionen um Verschärfungen beim Asylrecht oder Verhinderung von Einwanderung von Muslimen am völlig falschen Ende an.“