Solidaritätsbesuch in Paris: „Es war schwer die Fassung zu wahren“

Solidaritätsbesuch in Paris: „Es war schwer die Fassung zu wahren“

 

Mit kaum einer Stadt pflegt die Berliner SPD so enge Kontakte wie zu Paris. Einzelne Kreise sind mit Arrondisements in Paris seit vielen Jahren eng befreundet. Auf beiden Seiten gibt es Koordinatoren, die sich um die Freundschaft zwischen den Schwesterparteien kümmern.

Da war es keine Frage, dass eine Delegation aus Genossinnen und Genossen aus Friedrichshain-Kreuzberg, aber auch aus anderen Kreisen nach den Anschlägen am 13. November die Pariser SozialistInnen besuchte. „Dieser Besuch bedeutet ihnen und uns viel“, sagte der Landesvorsitzende Jan Stöß im Anschluss an die Fahrt.

Gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Parti Socialiste (PS) in Paris, Emmanuel Grégoire, den Bürgermeistern der betroffenen 10. und 11. Arrondisements, Remi Ferraud und Patrick Bloche, und der Vorsitzenden der SPD Berlin in Paris, Elisabeth Humbert-Dorfmüller, besuchten sie die Anschlagsorte. „Man spürt den Schrecken der Taten bis heute. Die Leichtigkeit, mit der man Paris so sehr verbindet, war weg. Es war schwer die Fassung zu wahren Und dennoch, die Menschen sind entschlossen und bestimmt – gerade auch in ihrer Ablehnung von Hass und Vorurteilen“, so Stöß.

Eine Berliner Genossin arbeitet als Lehrerin in einer Pariser Banlieue. Sie verglich die Stimmung nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo und auf einen jüdischen Supermarkt im Januar mit denen im November. Damals trat eine Art Katharsis, eine Solidarisierungswelle ein. Nun ist das Land wie gelähmt. Die Sicherheitsvorkehrungen verhindern Momente kollektiver Trauer. Was die Pariserinnen und Pariser in den Gesprächen deutlich machten:  Sie wünschen sich eine konkrete Unterstützung durch Deutschland in den Bereichen Aufklärung und militärische Unterstützung. Und, die Frage was geschehen muss damit gerade junge Menschen nicht zum Terrorismus verführt werden, treibt sie stärker denn je um. Immer wieder kam dabei das Thema Religion auf. Der Laizismus in Frankreich prägt die Republik. An diesem Grundsatz, so die Pariser GenossInnen, werde nicht gerüttelt. Er sei aus ihrer Sicht Garant für Gleichberechtigung und Akzeptanz.

Obwohl die Stimmung gedrückt war und die sonst so heiteren Gespräche ernster waren, zeigte das Zusammenkommen doch, dass die Verbindung zur PS Paris jetzt noch tiefer ist. Die Berliner SozialdemokratInnen machten genauso engagiert Wahlkampf auf den Straßen im Vorfeld der Regionalwahlen am kommenden Sonntag wie sie es bei ihren Besuchen immer taten. „Diese Anschläge galten genauso uns. Sie hätten hier bei uns passieren können“, sagte Stöß beim Besuch, „ umso selbstverständlicher ist es, dass wir sehr eng und sehr solidarisch an der Seite unserer französischen Freunde stehen.“