AWO und Berliner SPD erinnerten an Franz Neumann

AWO und Berliner SPD erinnerten an Franz Neumann

Ehrung Franz Neumann 2014
 

Mit einer Kranzniederlegung haben die Arbeiterwohlfahrt (AWO) und die Berliner SPD am 9. Oktober auf dem Friedhof Tegel an den 40. Todestag  von Franz Neumann erinnert. Der AWO-Landesvorsitzende Hans Nisblé und der stellvertretende SPD-Landesvorsitzende Fritz Felgentreu würdigten die Verdienste Neumann, der zwölf schwierige Jahre lang Vorsitzender der Berliner SPD (1946 - 1958), 14 Jahre lang Mitglied des Landesparlamentes (1946 – 1960), 20 Jahre lang Bundestagsabgeordneter (1949 - 1969) und 28 Jahre lang – bis zu seinem Tode – Mitvorsitzender der Berliner Arbeiterwohlfahrt war.

„Franz Neumann hat klassische sozialdemokratische Werte vorgelebt: Solidarität und Freiheit. Das war in der Nazi-Zeit so. Und davon ist er auch danach keinen Zoll abgewichen.“ Mit diesen Worten würdigte 2004 Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit den 1974 verstorbenen ehemaligen Landesvorsitzenden der Berliner SPD Franz Neumann.
„Franz Neumann war ein Arbeiterkind aus dem Berliner Bezirk Friedrichshain“, so beschreibt ihn der Historiker Manfred Rexin. „Aufgewachsen in einer sechsköpfigen Familie unter arg bedrängten Wohnverhältnissen, wie sie für proletarisches Leben in der wilhelminischen Klassengesellschaft kennzeichnend waren.“ Mit 14 findet er zur Sozialdemokratie, bewusst erlebte er 1918 die Gründung der Republik mit und registrierte in den Jahren danach ihre Bedrohung. Der junge Metallarbeiter bildet sich weiter, wird examinierter Fürsorger und baut Anfang der 30er Jahre am Prenzlauer Berg „Werkstätten für arbeitslose Jugendliche“ auf. Als 1932 die preußische Regierung von der Papen-Regierung entmachtet wird, ist er mit Reichsbanner-Freunden bereit zur Verteidigung der Demokratie. Aber das Reichsbanner wird nicht gerufen. Ein Jahr später jagen ihn die Nazis aus dem Amt, 1934 wird er verhaftet und schwer misshandelt. Diese Erfahrungen prägen ihn, sein Freiheitsbegriff war für ihn auch in der Auseinandersetzung der Nachkriegszeit Orientierung, als die Offerten aus der KPD zur Vereinigung mit der SPD kamen.

Der Historiker Manfred Rexin: „Franz Neumann und seinen Gefährten war dieser Traum nicht fremd gewesen, aber sie erkannten sehr früh, dass das, was da mit sowjetischem Beistand als Sozialistische Einheitspartei Deutschlands etabliert werden sollte, allen Verheißungen und Zusicherungen zum Trotz nichts anderes war als der Versuch, Sozialdemokraten einem kommunistischen Diktat zu unterwerfen, die Ideen eines demokratischen, freiheitlichen Sozialismus in das Joch leninistischer und stalinistischer Ideologie zu zwingen.“

Foto: Axel Sommer