Schnelle Verbindung nach Polen gefordert

Schnelle Verbindung nach Breslau gefordert

FA-Aktion zur Verbindung Berlin-Breslau
 

Auf die geplante Einstellung des Eurocity „Wawel“ nach Wroclaw (Breslau) zum Fahrplanwechsel haben am 13. Dezember der Fachausschuss Mobilität und die AG Polen der SPD aufmerksam gemacht. 2016 wird Breslau Kulturhauptstadt, doch der Fernzug  dorthin wird noch in diesem Jahr eingestellt. Ein Verlust an Mobilität zwischen den Nachbarn Polen und Deutschland und vor allem ein Rückschritt beim Zusammenwachsen der Grenzregion zu einem einheitlichen Arbeitsmarkt und Wirtschaftsraum.

Auf diesen eklatanten Missstand machten u.a. Michael Cramer, Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Europaparlaments, Jan Stöß, Vorsitzender der Berliner SPD, Daniel Buchholz, MdA, und zahlreiche deutsche wie polnische Verbände und Engagierte aufmerksam. Die Berliner SPD hatte ein Zugschild für die von ihr geforderte Verbindung anfertigen lassen.

Die IHK Cottbus kam mit Medienvertretern, einem Beerdigungskranz und einer Musikgruppe mit Trauermusik, um während des Lok-Wechsels in Cottbus eine Zeremonie abzuhalten. Die Aktion steht unter der Schirmherrschaft der sozialdemokratischen Europa-Abgeordneten Sylvia-Yvonne Kaufmann und Boguslaw Liberadzki.

In den dreißiger Jahren hatte der „Fliegende Schlesier“ für die etwa 330 km lange Verbindung Berlin – Breslau (Wroclaw) zweieinhalb Stunden gebraucht, der Eurocity „Wawel“ brauchte dagegen auf der nur teilweise elektrifizierten Strecke fünf Stunden.

Der Fachausschuss Mobilität der Berliner SPD hat einen Forderungskatalog vorgelegt:

 

Stufen-Konzept zur Revitalisierung des Eisenbahnfernverkehrs Berlin-Breslau
Grundlage unseres Konzeptes ist eine Expertise (ETC-Studie) finanziert aus EU-Mitteln im INTERREG-Programm „Via Regia“. Die Umsetzung sollte an einem „Runden Tisch“ aller deutschen und polnischen Akteure des Bahnverkehr (einschließlich der Verkehrsministerien, Berlin und Breslau) erfolgen. Auch die touristischen Akteure aus Niederschlesien und Opole sowie die Akteure des geplanten Flughafens BER einbezogen werden.

Stufe I (2016):
Breslau wird 2016 europäische Kulturhauptstadt: Anlässlich der erhöhten touristischen Nachfrage für Fahrten nach Breslau, werden zwei Zugpaare angeboten.
1. Eine Triebzug-Verbindung für Tages- oder Wochenendausflüge (morgens hin, abends zurück) mit niedrigen Produktionskosten ohne Halt zwischen Cottbus und Breslau über die dann sanierte Verbindungskurve und Neißebrücke bei Horka (südlich von Weißwasser). Fahrzeit ca. 3:50 Stunden. Diese Zugverbindung wird als „Kulturzug“ aus Mitteln des Tourismus, Wirtschaftsförderung unterstützt.
2. Der „Eurocity Wawel“ verkehrt wieder täglich über Frankfurt/Oder – Zielona Góra – Breslau weiter nach Kraków. Die Fahrzeit auf der dieser 2016 teilsanierten Strecke ist mit ca. 5 Stunden länger. Speziell für diese Strecke steht aber ein Zuschussprogramm des polnischen Infrastrukturministeriums für Fernzüge zur Verfügung (wegen der Anbindung von Zielona Góra). Die Trassenpreise sind niedriger, so dass eine Eigenwirtschaftlichkeit erreicht werden kann. Außerdem kann elektrisch ohne Lokwechsel gefahren werden. Zielgruppe: u.a. nicht zeitsensible touristische Reisende nach Breslau und Krakau mit längerem Aufenthalt.
Stufe II: (2018):
Mit der Schließung der Elektrifizierungslücke Hoyerswerda – Horka und steht von Hoyerswerda bis Breslau und weiter nach Oppeln eine komplett auf 160 km/h ausgebaute Strecke zur Verfügung, auf der Fernzüge ohne kostenintensiven Lokwechsel mit ca. 3 ½ Stunden Fahrzeit verkehren könnten. Zeitnah wird voraussichtlich der Flughafen BER in Betrieb gehen, der direkt von den Fernzügen Berlin-Breslau angefahren werden kann.
1. Es werden mehrere Eurocity-Züge (auch für die Flughafen-Anbindung) Berlin – BER – Cottbus – Senftenberg – Hoyerswerda – Liegnitz – Breslau – Oppeln angeboten. Ein Zugpaar sollte den Namen „Ferdinand Lassalle“ den Begründer der polnischen und deutschen Arbeiterbewegung (beerdigt in Breslau) tragen.
2. Durch Integration der Züge bis Hoyerswerda in den regionalen Tarif des VBB bekommen die Eisenbahnverkehrsunternehmen eine Ausgleichszahlung durch die Länder Berlin und Brandenburg. Die Eisenbahnunternehmen werden durch eine Kooperation und Vernetzung mit den Akteuren des Tourismus (Hotels, Kurorte in Breslau und Niederschlesien) und den Flughafengesellschaften (BER) unterstützt.
Stufe III: (2025 – 2030)
Elektrifizierung und Ausbau der kürzeren Verbindung Cottbus - Forst - Sagan - Liegnitz auf 200 km/h. Die Fahrzeit wird damit mit 2 ¼ Stunden konkurrenzfähig. Voraussetzung ist hierfür, dass die Strecke gemeinsam in das europäische TEN-Netz aufgenommen wird.

 

Foto: Peter Cornelius