150 Jahre SPD - Spuren in Lichtenberg

22. Mai:

150 Jahre SPD - Spuren in Lichtenberg

Im SPD-Jubiläumsjahr hat die SPD Lichtenberg unter dem Titel „150 Jahre SPD - Spuren in Lichtenberg“ eine Broschüre veröffentlicht. Die beiden Autoren der Publikation, Christian Kind und Horst Uebelgünn, stellen am 22. Mai bei einer Veranstaltung des Museums Lichtenberg die Ergebnisse ihrer Spurensuche sozialdemokratischen Wirkens im Arbeiterbezirk Lichtenberg vor. Sie werden auf dem Podium gemeinsam mit dem Historiker Prof. Jürgen Hofmann auf die Kontinuitäten und Brüche sozialdemokratischen Engagements und Kampfes in Lichtenberg zurückschauen. Es moderiert Christine Steer.

Der traditionelle Arbeiterbezirk des Berliner Ostens kam frühzeitig mit dem 1863 entstandenen ADAV in Berührung - wenn auch nur durch die Inhaftierung des Lassalle-Nachfolgers Baptist von Schweizer 1867 im Rummelsburger Gefängnis. Mit steigender Einwohner- und Arbeiterzahl wurde Lichtenberg auch zum politischen Aktionsfeld der Sozialdemokraten. 1891 gründete sich ein Arbeiterbildungsverein in Friedrichsberg. Im Gründungslokal „Schwarzer Adler“ an der Frankfurter Allee, Ecke Gürtelstraße hielt Karl Liebknecht seine berühmten Rede gegen den Krieg.
1919 bezogen Freikorps am gleichen Ort Quartier. Reichswehrminister Noske (SPD) gab ihnen nach dem angeblichen „Lichtenberger Polizistenmord“ freie Hand für Standgerichte und die Niederschlagung der revolutionären Unruhen mit militärischer Gewalt. Nicht nur "Spartakisten", sondern auch viele zivile Personen zählten zu den Opfern.
Seit 1900 entwickelte sich in Friedrichsfelde der Zentralfriedhof zum Sozialistenfriedhof. Wilhelm Liebknecht, Paul Singer und weitere prominente Parteifunktionäre wurden im Lichtenberger Ortsteil beigesetzt. 1919 folgten die Revolutionsopfer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht.
Die Zwanzigerjahre brachten den regierenden Sozialdemokraten Erfolge im sozialen Wohnungsbau, Gesundheits- und Schulwesen. Ab 1933 wurden sie ebenso wie die Kommunisten vom NS-Regime verfolgt. Im März hatten beide Arbeiterparteien trotz Terrors die Hälfte der Mandate für das Bezirksparlament erringen können. Sie werden ihnen entzogen. Eines der Opfer der NS-Willkür wird der SPD-Stadtrat Fritz Thurm.
Nach 1945 bezog die Gruppe Ulbricht ihren ersten Berliner Sitz in der Einbecker Straße. Erster Nachkriegsbürgermeister in Lichtenberg wurde Franz Stimming (SPD), der bereits vor 1933 stellvertretender Bezirksbürgermeister war. Nicht wenige und auch zuvor führende SPD-Mitglieder schlossen sich der neu gegründeten SED an und wirkten in verantwortlichen Funktionen wie der ehemalige Stadtverordnete Erich Arndt. Andere SPD-Mitglieder waren politischen Verfolgungen ausgesetzt. Zu ihnen zählt SPD-Bezirksrat Joachim Lipschitz, der sich der Vereinigung von SPD und KPD widersetzte. Weitere SPD-Mitglieder mussten Haft- und Lagerstrafen über sich ergehen lassen. Bei den Kommunalwahlen 1946 errang die SPD in Lichtenberg die meisten Stimmen. Ein Teil der SPD-Mitgliedschaft kann sich als eigenständige Partei in Lichtenberg organisieren und löst sich erst nach dem 13. August 1961 auf.
1989 konstituierte sich die Partei als SDP neu. Zu den Aktivisten zählt Markus Meckel aus Karlshorst. Erster SPD-Bürgermeister nach den Wahlen 1990 wird Christian Kind. Ihm folgen Gottfried Mucha (Bündnis90/Die Grünen), Wolfram Friedersdorff (PDS) und Christina Emmrich (LINKE) im Amt. Das Wahlergebnis von 2011 bringt mit Andreas Geisel erneut einen Sozialdemokraten in das Bürgermeisteramt.

Das Museum Lichtenberg lädt am Mittwoch, dem 22. Mai 2013, um 18 Uhr zu einer Podiumsdiskussion in die Türrschmidtstraße 24, 10317 Berlin, ein.