Thierse trifft…“ Büchnerpreisträgerin Sibylle Lewitscharoff

Thierse trifft…“ Büchnerpreisträgerin Sibylle Lewitscharoff

Am 18. Juni trifft Wolfgang Thierse im Rahmen seiner Gesprächsreihe mit Sibylle Lewitscharoff eine über die Grenzen des Landes hinaus bekannte Schriftstellerin, die in diesem Jahr den wichtigsten Literaturpreis- den Georg-Büchner-Preis - erhält und somit erneut ins Licht der Öffentlichkeit gerückt werden wird.

In der Begründung der Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt heißt es: "In ihren Romanen hat Sibylle Lewitscharoff mit unerschöpflicher Beobachtungsenergie, erzählerischer Phantasie und sprachlicher Erfindungskraft die Grenzen dessen, was wir für unsere alltägliche Wirklichkeit halten, neu erkundet und in Frage gestellt." In ihren Texten vertiefe sie die Wahrnehmung der deutschen Gegenwart in Bereiche des Satirischen, Legendenhaften und Phantastischen. Philosophische und religiöse Grundfragen der Existenz entfalte die Schriftstellerin in einer subtilen Auseinandersetzung mit großen literarischen Traditionen und mit erfrischend unfeierlichem Spielwitz.

Sibylle Lewitscharoff wurde am 16. April 1954 in Stuttgart geboren. Sie studierte Religionswissenschaften in Berlin, wo sie auch heute lebt. 1978 nahm Lewitscharoff eine Stelle als Buchhalterin bei der Berliner Werbeagentur ihres Bruders an, schrieb aber nebenher Radiofeatures und Hörspiele. Im Alter von vierzig Jahren veröffentlichte Lewitscharoff 1994 ihr erstes Buch "36 Gerechte". Für ihren Roman "Pong" erhielt sie 1998 die wichtige Nachwuchsauszeichnung der deutschsprachigen Literatur, den Ingeborg-Bachmann-Preis. Mit ihrer Schilderung der Welt aus der Sicht eines Verrückten sei Lewitscharoff, so die Jury, ein "fulminanter Text auf höchstem sprachartistischen Niveau" gelungen. Die letzten acht Tage aus dem Leben des einzelgängerischen, schwäbisch-italienischen Filmproduzenten Montgomery Cassini-Stahl erzählt der Roman "Montgomery" (2003). Den Preis der Leipziger Buchmesse erhielt Lewitscharoff für ihren Roman "Apostoloff". Darin erzählt die Autorin von einem Exil-Bulgaren, der sich, wie Lewitscharoffs eigener Vater, als Arzt in Stuttgart das Leben genommen hatte, als die Tochter gerade neun Jahre alt war. Nun überführt sie zusammen mit ihrer Schwester die exhumierten Überreste des Toten nach Bulgarien, das sich als erbärmliches, trauriges Land darstellt. 2011 veröffentlichte Lewitscharoff den Roman "Blumenberg", eine tollkühne, lebendig geschriebene Auseinandersetzung mit dem Werk des Philosophen Hans Blumenberg anhand dessen eigener Lebensgeschichte, des Schicksals verschiedener Schüler - und seines Faibles für Löwen.

„Thierse trifft…“: Sibylle Lewitscharoff
18. Juni 2013, 19.30 Uhr / Einlass ab 19 Uhr
Soda-Salon in der Kulturbrauerei Berlin-Prenzlauer Berg
Der Eintritt ist frei