Ein Jahr nach seinem Tode: Gedenkveranstaltung für Klaus Schütz

Ein Jahr nach seinem Tode: Gedenkveranstaltung für Klaus Schütz

Gedenkveranstaltung für Klaus Schütz 2013
 

Mit einer Gedenkveranstaltung haben die Berliner SPD und der Kreis Charlottenburg-Wilmersdorf am 29. November an den ersten Todestag des früheren Regierenden Bürgermeisters Klaus Schütz erinnert. Der SPD-Landesvorsitzende Jan Stöß und der Kreisvorsitzende Christian Gaebler würdigten die Verdienste von Klaus Schütz für die Stadt.

Der Vorsitzende der Historischen Kommission der Berliner SPD Siegfried Heimann wies zu Beginn seines biographischen Rückblicks auf das Engagement von Schütz in der Deutschlandpolitik hin. "Neue Ideen waren damals gefragt und sie wurden gefunden: das 1. Passierscheinabkommen zu Weihnachten 1963 war ein Ergebnis davon. Der damalige Senator für Bundesangelegenheiten hatte seinen Anteil daran." Von Dezember 1961 bis November 1966 hieß der Berliner Senator für Bundesangelegenheiten Klaus Schütz. Er war in dieser Eigenschaft zugleich auch der Bevollmächtigte des Landes Berlin bei der Bundesregierung. Schütz gehörte als wichtiges Mitglied - neben Dietrich Spangenberg, Heinrich Albertz und Egon Bahr - einer „Vierer-Bande“ um Willy Brandt an, die diese neuen Ideen in der Deutschlandpolitik zu finden suchte.

 
Gedenkveranstaltung für Klaus Schütz 2013
 

Schütz, so machte Heiman an verschiedenen Beispielen deutlich, scheute die Auseinandersetzung nicht und bewies dabei auch Mut. "Denkwürdig bleibt sein Auftreten im Audimax der Freien Universität. Inmitten von tausenden Studierenden stand er allein hinter dem Rednerpult und erklärte denen, die zuhören wollten, die von ihm geplante Hochschulpolitik. Davon zeugen nicht wenige Fotos aus jener Zeit. Vergessen wird freilich, dass Schütz auch an anderen Orten großen Mut bewies. Vor einer großen Versammlung der Vertriebenen erklärte er ohne Wenn und Aber, dass Oder und Neiße die Westgrenze Polens bilden – er wurde niedergeschrien und konnte seine Rede nur mühsam beenden." In der Mehrheit der Berliner Partei, die ihn gewählt hatte, so Heimann, konnte er sich nur durchsetzen, "weil er manche politische Entscheidungen mittrug, die er für falsch hielt". So stimmte er schließlich nach längerem Zögern dem Ausschluss der beiden Exponenten des linken Flügels Harry Ristock und Erwin Beck aus der Partei zu – und wurde prompt dafür auf dem Nürnberger Parteitag von der Bundespartei abgestraft. Bei der Wahl zum Parteivorstand fiel er durch. Erst nachdem er 1970 auch Berliner Landesvorsitzender geworden war, wurde er auch Mitglied des Parteivorstandes.

Im Gespräch mit Walter Momper, 1989/90 Regierender Bürgermeister, und Brigtte Grunert, langjährige Beobachterin der Landespolitik für den Berliner "Tagesspiegel", wurden auch die zum Teil heftigen Debatten innerhalb der Berliner SPD in jener Zeit lebendig.

 
Gedenkveranstaltung für Klaus Schütz 2013
 

Unter den rund 150 Gästen der Veranstaltung waren viele Weggefährten von Klaus Schütz aus der Berliner SPD, Freunde aus seiner Zeit als Botschafter in Israel oder als Intendant der Deutschen Welle. Neben Familienangehörigen war auch die Autorin Inge Deutschkron in den BVV-Saal des Rathauses Wilmersdorf gekommen.