AG Migration: Egoismus bei der Schulwahl bremsen

AG Migration: Egoismus bei der Schulwahl bremsen

Die elterliche Schulwahl verschärft die Segregation der Schüler deutscher und nicht-deutscher Herkunft an den Grundschulen. Das zeigt eine Analyse von 108 Grundschulen aus vier Innenstadtbezirken, die der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen durchführte. "Es kann für keinen Stadtteil gut sein, wenn aufgrund der elterlichen Schulwahl die Zusammensetzung der Gesellschaft nicht mehr repräsentiert wird", erklärten die Bildungsexpertin im Landesvorstand der AG Migration und Vielfalt, Maja Lasic, und der Landesvorsitzende, Aziz Bozkurt. 

Obwohl in mehreren Stadtteilen die Durchmischung der Bevölkerung immer stärker vertreten ist, spiegelt sich dies nicht in der Zusammensetzung der Schülerschaft der Grundschulen wider. Deutsche Eltern ohne Migrationshintergrund melden ihre Kinder bewusst nicht an Schulen mit hohem Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund an.
"Ob dies – bei allem Verständnis für das Bedürfnis der Eltern, ihren Kindern eine gute Schulbildung zu ermöglichen – für die Kinder auch gut ist, ist mehr als fraglich",  stellte die AG Migration dazu fest. "Denn es ist auch für die Erziehung eines Kindes wichtig, dass dieses die Vielfalt der Gesellschaft früh erlebt und diese Vielfalt als eine Selbstverständlichkeit wahrnimmt."

Der Berliner Senat müsse sich nach Ansicht der AG Migration verstärkt Gedanken machen, wie der elterliche ‚Egoismus‘ beschränkt werden kann, um zum Wohle aller Kinder, Grundschulen zu schaffen, die dazu führen, dass Kinder auch ihre Nachbarn kennenlernen. "Notfalls auch mit harten Maßnahmen, wie der Einführung von Quoten anhand des Sprachstands der Schüler oder einer härteren Regulierung der Schulwahl." Eine zentrale Aufgabe der Bildungspolitik bestehe darin, für die gleiche Verteilung von Bildungschancen zu sorgen. Solange Schüler nicht-deutscher Herkunft von Anfang an separat beschult werden, bleiben sie in dem bestehenden System benachteiligt. "Der Senat muss alle Schüler gleichermaßen im Blick haben und folglich weniger Rücksicht nehmen auf die Bedürfnisse der bildungsnahen Eltern, die sich besonders laut zu Wort melden", so Maja Lasic und  Aziz Bozkurt.
Ein weiterer Baustein müsse die stärkere spezielle Förderung von Schulen in Brennpunktkiezen sein, fordert die AG Migration. "Das Beispiel der Rütli Schule zeigt, dass man mit genügend Mitteln und Engagement es schaffen kann, Schulen ins Positive zu kippen, um das Image der Schulen zu verbessern. Die besten Schulen Berlins müssen in unseren Brennpunktkiezen liegen.“