Delegation schwedischer Sozialdemokraten zu Gast bei der Berliner SPD: Wie wird man moderne Großstadtpartei?

Delegation schwedischer Sozialdemokraten zu Gast: Wie wird man moderne Großstadtpartei?

 

Wie tickt Berlin? Wie schaffte es die SPD wieder stärkste Regierungspartei in der Hauptstadt zu werden? Welche Themen brennen den deutschen SozialdemokratInnen unter den Nägeln? – Diese und andere Frage beantwortete Philipp Steinberg, stellvertretender Landesvorsitzender der Berliner SPD und Vorsitzender des Fachausschusses Europa.


Angeführt wurde die Delegation aus Schweden von Mikael Damberg, Fraktionsvorsitzender der schwedischen Sozialdemokraten und Landesvorsitzender der Sozialdemokraten in Stockholm. Ihn begleiteten Anders Johansson, Bürgermeister Sigtunas und Nils Vikmang, Stabschef der Stockholmer Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten. Am Ende eines zweitägigen Aufenthaltes in Berlin, bei dem sie unter anderem mit Andrea Nahles, SPD-Generalsekretärin, ins Gespräch kamen, wollten die drei Schweden und ihr Berater vor Ort, Johann Hassen, wissen, welche Themen aus Sicht des stv. Landesvorsitzenden derzeit für die Berlinerinnen und Berliner entscheidend sind.


„Gerade aktuell", so Philipp Steinberg, "machen wir uns ernsthafte Sorgen um die Club-Szene in Berlin. Das ist mit Sicherheit nicht das drängendste soziale Problem in der Stadt, aber ein durchaus wichtiges. Denn: Berlin ist gerade wegen sein Off-Szene und den viele kleinen und großen Clubs Anziehungspunkt für Menschen aus aller Welt. Wenn die Club-Szene um ihr Überleben kämpfen muss, hat das auch Auswirkungen auf die Hauptstadt.“ Darüber hinaus legte Steinberg den schwedischen Genossen die derzeitigen Debatten um Netzpolitik, Rekommunalisierung von Energie und Wasser sowie das Großprojekt „Soziale Stadt“ dar. An vielen Punkten konnten Gemeinsamkeiten gefunden werden.


Bei der anschließenden Diskussion über die Kampagne zur Abgeordnetenhauswahl 2011 jedoch wurden unterschiedliche Schwerpunkte in der Themensetzung deutlich. War in Berlin z.B. das Thema Mieten und Mieterschutz stark im Vordergrund, spielte in Stockholm eher Gesundheit und die Versorgung aller Schwedinnen und Schweden eine größere Rolle. Sehr interessiert waren die schwedischen Genossinnen und Genossen daran, zu erfahren, wie es der SPD gelungen ist, zu „der Berlin-Partei“ – auch im Rahmen der Kampagne, die sie als sehr gelungen empfanden –  zu werden.


Mit Sicherheit blicken sowohl die Berliner als auch die Stockholmer Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten auch zukünftig mit großem Interesse auf die Entwicklungen in den jeweiligen Hauptstädten. Denn beide Seiten haben das Ziel, ihre Positionierung als moderne Großstadtpartei auszubauen und zu festigen. Der Besuch der vier schwedischen Genossen führte auf jeden Fall dazu, dass die enge Freundschaft und Kooperation zwischen den SozialdemokratInnen beider Landesverbände vertieft wurde.