Wowereit: "Zivilgesellschaft muss Gesicht zeigen"

Wowereit: "Zivilgesellschaft muss Gesicht zeigen"

Mit einem Aufruf gegen Gewalt, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz hat Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit die Erinnerung an den 70. Jahrestag „Wannsee-Konferenz“ verbunden. Seit 20 Jahren erinnert die Gedenk- und Bildungsstätte im Haus der Wannsee-Konferenz an den 20. Januar 1942, an dem die Ermordung der Juden in Europa geplant wurde. „Die Erinnerung bedeutet auch eine Verpflichtung für unser konkretes politisches Handeln", sagte Wowereit. "Wir müssen aus unserer Geschichte lernen: Die menschenverachtende, rechtsextreme NPD muss verboten werden. Es darf nicht sein, dass die demokratische Gesellschaft ihre erklärten Gegner in dieser Weise auch noch finanziert."

Berlin. so der Regierende Bürgermeister, sei der historische Ort, an dem die Nationalsozialisten den Holocaust planten und ins Werk setzten. Dieser Abschnitt der deutschen Geschichte gehöre zur Geschichte der Stadt, und daraus erwachse uns für Gegenwart und Zukunft eine besondere Verpflichtung. "Nachwachsende Generationen müssen immer wieder von neuem erfahren, was der Holocaust bedeutet hat", so Wowereit. "Wir müssen diese Erinnerung bewahren und weitergeben. Gedenkstätten wie die im Haus der Wannsee-Konferenz, also dem authentischen Ort des Geschehens, leisten dafür einen unverzichtbaren Beitrag. Allen, die sich in dieser Einrichtung engagieren und engagiert haben, gebührt unser besonderer Dank.“

"Auch im Hinblick auf die rechtsextremistischen Terrormorde müssen wir uns selbstkritisch fragen, ob nicht so mancher durch Vorurteile oder auch nur Gedankenlosigkeit dazu beigetragen hat, dass diese Taten so lange Zeit nicht als das erkannt worden sind, was sie wirklich sind: Rassistisch motivierte kriminelle Gewalt", so Wowereit. "Die Zivilgesellschaft muss immer wieder Gesicht zeigen gegen Gewalt, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz. Demokratie und Freiheit müssen jeden Tag verteidigt und neu erkämpft werden. Deshalb gibt es gar keinen Grund, einen Schlussstrich zu ziehen – im Gegenteil, wir müssen uns die Verbrechen der Nationalsozialisten immer wieder vor Augen führen und uns erinnern.“

In der Villa am Wannsee in Berlin besprachen am 20. Januar 1942 fünfzehn Spitzenbeamte mehrerer Reichsministerien und der SS unter dem Vorsitz des Chefs des Reichssicherheitshauptamts, Reinhard Heydrich, die organisatorische Durchführung der Entscheidung, die Juden Europas in den Osten zu deportieren und zu ermorden. Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite des Hauses der Wannsee-Konferenz unter der Adresse http://www.ghwk.de