Michael Müller gratuliert zum Gustav-Heinemann-Preis

Michael Müller gratuliert zum Gustav-Heinemann-Preis

Der Berliner SPD-Landesvorsitzende Michael Müller hat die Verleihung des Gustav-Heinemann-Preises an den Rektor des Canisius-Kollegs Klaus Mertes zum Anlass genommen, auch den Mut all derer zu würdigen, die nicht länger Opfer sein wollten und den Missbrauch, den sie erfahren haben, öffentlich zu machen.

„Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte“ – diese Worte Gustav Heinemanns stehen für jeden der Preisträger seit 1977, sie beschreiben allerdings besonders deutlich, was Pater Klaus Mertes bewogen haben mag, das System des Schweigens zu durchbrechen", sagte Müller.
"Viele tausend Kinder durchliefen die Schulzeit am Canisius-Kolleg in Berlin. Eine Schule mit einem besonders gutem Ruf – streng und anspruchsvoll. Als mehrere Altschüler des Kollegs sich an den Rektor Klaus Mertes wandten, nach jahrzehntelangem Schweigen, zögerte er nicht, den Anklagen über den seelischen wie körperlichen Missbrauch nachzugehen. Er setzte damit eine bundesweite Aufklärungsbewegung in Gang, die zum damaligen Zeitpunkt noch nicht absehbar war. Das Thema sexueller Missbrauch an Schulen, Kirchen und anderen gesellschaftlichen Institutionen wurde klar auf die Agenda gesetzt, ein Tabu gebrochen und Menschen, die an unvorstellbarer Scham, Wut und Trauer bis heute leiden, eine Stimme gegeben."

Wenn der heutige Preis an Pater Klaus Mertes gehe, dann sei er auch eine ausdrückliche Anerkennung an den Mut all derer, die nicht länger Opfer sein wollen, so der SPD-Vorsitzende. "Mit ihrer menschlichen Größe, sich dem System des Schweigens und Verdrängens zu widersetzen, erkämpften sie sich ihre Würde zurück. Nun liegt es weiterhin an der Gesellschaft, aber auch dezidiert bei den kirchlichen Einrichtungen und Führungsebenen, dem Paradigma der Sühne gerecht zu werden und diese Menschen für ihr erlittenes Leid zu entschädigen. Darüber zu sprechen, Schuld einzugestehen und die Schuldigen zu benennen, ist ein erster Schritt. Unterstützung zu leisten ein zweiter. Zukünftigen Missbrauch zu verhindern der dritte und für unsere Gesellschaft zukunftsrichtend. Jene, die diesen Missbrauch am eigenen Leib erfahren mussten, müssen zwingend gehört und ihre Expertise gewünscht sein. Diesen Prozess wird auch die Politik mit Aufmerksamkeit verfolgen und mit Nachdruck begleiten.“

Seit 1977 wird zu Ehren des SPD-Politikers und früheren Bundespräsidenten Gustav Heinemann (1899-1976) der gleichnamige Preis in Höhe von 10.000 Euro an Einzelpersonen oder Initiativen verliehen, die sich um Freiheit und Gerechtigkeit verdient gemacht haben. Der Gustav-Heinemann-Preis 2012 wurde am 26. April an Klaus Mertes verliehen. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hielt die Laudatio.