Berliner Ideenkonferenz startet

Berliner Ideenkonferenz "Integration und Teilhabe"

Ideenkonferenz Wowereit Müller
 

Im Mittelpunkt der ersten von vier Ideenkonferenzen der Berliner SPD stand das Thema „Solidarische Stadtgesellschaft: Integration und Teilhabe“. "Wir haben sie an den Anfang gestellt, weil sie eine ganz grundsätzliche Frage stellt: Wie wollen wir in Berlin zusammenleben?" erklärte der SPD Landes- und Fraktionsvorsitzende Michael Müller in seiner Begrüßung.

Vor rund 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmern machte Müller deutlich, dass Politik das Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern brauche, um immer wieder neue Impulse zu bekommen. "Politik muss neue Ideen und Anregungen aus der Gesellschaft aufnehmen und bearbeiten."

Die Berliner SPD habe natürlich eine Vorstellung davon, wie Gesellschaft organisiert sein solle, um lebenswert zu sein. "Wir finden sie soll solidarisch, gerecht und freiheitlich organisiert sein – das sind die Werte, die die SPD sich vor 140 Jahren auf die Fahnen geschrieben hat", so Müller. Aber als engagierte Bürger setzen sich die  Berlinerinnen und Berliner êben auch mit der Frage auseinander, wie sich Berlin im nun beginnenden dritten Jahrzehnt nach der Wiedervereinigung weiterentwickeln könne. Darüber wolle die SPD mit ihnen ins Gespräch kommen. "Es soll wirklich so sein, dass Politik zuhört."

 

"Wir verstehen Integration als umfassende soziale, politische und wirtschaftliche Teilhabe. Sie gilt für alle Menschen – ob mit oder ohne Migrationshintergrund", betonte Michael Müller.

 
Ideenkonferenz 1
 

Diskussion im Plenum mit Moderatorin Ferda Ataman (m): Christian Haberecht (Vorsitzender FSV Hansa 07), Brigitta Wortmann (Political Advisor der Deutschen BP AG und Mitglied des Sprecherrats des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement ), Dr. Mark Terkessidis (Freier Journalist und Autor mit den Themenschwerpunkten Popkultur, Migration und Rassismus), Kazim Erdogan - Gründungsstifter der Bürgerstiftung Neukölln, Muna Naddaf - Koordinatorin des Projekts Stadtteilmütter Neukölln.

 
Ideenkonferenz
 

Ein neues "Wir-Gefühl" hält Dr. Mark Terkessides für notwendig.

Kurzstatement von Mark Terkessides zum Anhören (MP3) (MP3-Audio, 1.3 MB)

 
Christian Haberecht
 

Beim FSV Hansa 07, der im Kreuzberger Wrangelkiez beheimatet ist, sei jedes Mitglied Integrationsbeauftragter,  meint der Vereinsvorsitzende Christian Haberecht. Der Sport verbindet die Mitglieder, dennoch müsse Integration gewollt sein. Deshalb ist sie beim FSV Hansa 07 schon in der Vereinssatzung als Aufgabe beschrieben.

Kurzstatement von Christian Haberecht zum Anhören (MP3) (MP3-Audio, 2.2 MB)

 
Kazim Erdogan - Gründungsstifter der Bürgerstiftung Neukölln
 

"Weniger reden, mehr machen", fordert Kazim Erdogan, Gründungsstifter der Bürgerstiftung Neukölln. Auch noch so schöne Flyer nutzen nichts: Er setzt auf persönliche Kontakte und Gespräche, will  zum Engagement motivieren.

Kurzstatement Kazim Erdogan zum Anhören (MP3) (MP3-Audio, 1.4 MB)

Kurzstatement Muna Naddaf zum Anhören (MP3) (MP3-Audio, 955.1 KB)

 
Klaus Wowereit auf der Ideenkonferenz
 

Mit einem Dank an all jene, die tagtäglich praktische Integrationsarbeit leisten, begann Klaus Wowereit seinen Ausblick. Der stellvertretende Parteivorsitzende der SPD und Leiter der Zukunftswerkstatt Integration der Sozialdemokratie rückte zu Beginn die Maßstäbe zurecht: Es gebe Probleme in der Integration, aber sie sei auch millionenfach gelungen.  

Es sei unverständlich, wie man auf die Idee kommen könnte, Menschen wollten absichtlich keine Zukunftschancen und nicht das Beste für ihre Kinder, griff Klaus Wowereit einen Gedanken auf, der in der Konferenz geäußert wurde. Menschen seien nicht hergekommen, um sich abzukapseln, sondern  weil sie in ihren Ländern keine Perspektive für sich oder ihre Kinder gesehen haben. 

Wowereit empfahl, die Integrationsdebatte weiter zu fassen: "Es ist keine Ausländerthematik, sondern immer eine Frage von Teilhabe." Unterschiedliche  Probleme könnten zu Ausgrenzung führen.Für den einen sei es die Schwierigkeit, die  Staatsbürgerschaft zu bekommen. Ausgegrenzt fühle sich aber auch die Rentnerin mit 600 Euro, die sich die Teilnahme an kulturellen Veranstaltungen nicht leisten könne, oder die Mutter mit vier Kindern ohne Migrationshintergrund. Für alle müsse es Möglichkeiten zur Teilhabe geben. Berlin habe als Stadt nur eine Chance, wenn sie sich international aufstellt und Menschen aus unterschiedlichen Minderheiten integriert, so Klaus Wowereit.

Er wies auf die Bedeutung von Bildung hin, auf die Schulstrukturreform, mit der die Bildungschancen verbessert werden sollen. Es gehe um die Suche nach den besten Konzepten, um Defizite auszugleichen. Kita und Schule seien nicht nur Orte, wo Wissen vermittelt wird. "Heute ist soziales Lernen wichtig." Schule sei nicht mehr der abgekoppelte Raum, getrimmt auf Abschlüsse.  "Schulen sind Mittelpunkt unserer Gesellschaft:"

Jugendliche dürften bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz nicht anhand des Fotos oder des Namens aussortiert werden. Hier gebe es ein riesiges Reservoir, das nicht brachliegen dürfe.

Wowereit warb dafür, die Suche nach Lösungen nicht mit der Forderung nach mehr Geld zu beenden. Es gehe darum, Dinge auch neu zu denken und bestehende Projekte regelmäßig auf Wirksamkeit zu überprüfen. Integrationsarbeit sei eine lohnenswerte Arbeit. In der aufnehmenden Gesellschaft müsse eine Willkommenskultur etabliert werden, es müsse andererseits aber auch den Aufstiegswillen geben. 

 

 

 
Michael Müller, Ralf Wieland
 

Michael Müller im Gespräch mit dem Weddinger Abgeordneten Ralf Wieland.

 
Dilek Kolat
 

Dilek Kolat, SPD-Kreisvorsitzende in Tempelhof-Schöneberg.